Es sei vorweggenommen: Professionelle Gesprächsführung und ein
selbstsicherer Auftritt sind lernbar! Ich musste 28-jährig in meiner damaligen Ausbildung
vor meine MitschülerInnen treten und ihnen eine 5-minütige Zusammenfassung vortragen,
dabei war ich so unsicher und verlegen, dass ich mit Piepsstimme und zittrigen Knien meine
Thesen vortrug. Nicht gerade sehr wirkungsvoll! Heute, 15 Jahre später, leite ich
Seminarien und halte Referate vor Grossgruppen. Piepsstimme, zittrige Knie und unklare
Gedanken sind kein Thema mehr. Aber abgesehen von mir: Die Frauen, die ich seit Jahren in
Kommunikation schule, sagen nach den Seminarien immer wieder, der erste Schritt sei nun
getan, sie wissen jetzt, wo es langgeht, ergänzen wollen sie dieses Wissen nun mit Übung
und dazu seien sie ermutigt und motiviert! Der Grund, warum viele Frauen in Seminarien
ihre Kommunikationsstrategien verbessern wollen hört sich über alle individuellen
Situationen ähnlich an: Sie wollen in der Arbeitswelt gehört und von ihrer Umgebung
ernstgenommen werden! Warum ist das denn nicht einfach gegeben?
Dazu 5 Thesen.These 1
In der Arbeitswelt haben in der Regel die Männer die Spielregeln erdacht und eingeführt.
Ganz im speziellen die Kommunikationsregeln. Beispielsweise lautet Eine: Nimm eine Idee,
die im Gespräch fällt, auf, formuliere sie etwas um, und stelle sie als deine Lösung
zum Problem vor.
Mögliche Strategie im Umgang mit dieser Regel: Beim Formulieren einer Idee,
selbstsichere Redewendungen verwenden und nach der Ideenpräsentation mit der
Fragestellung Was meint Ihr dazu? eine Stellungnahme einfordern.
These 2
Die Förderung der Fähigkeit, selbstsicher aufzutreten, die Stimme zu erheben und laut
und deutlich seine Meinung zu äussern, wurde in der Erziehung zur Frau vergessen.
Stattdessen wurden Weisheiten wie: Blühe aber blühe bescheiden; Reden ist Silber,
Schweigen ist Gold., etc. mit auf den Weg ins Leben gegeben.
Mögliche Strategie im Umgang mit der fehlenden Förderung: Es ist nie zu spät! Lernen
Sie die Spielregeln des selbstsicheren Auftritts und üben Sie sie. Beginnen Sie sofort
damit, indem Sie anstelle der Redewendung man könnte... die wirkungsvollere
Aussage ich finde es besser, wenn... verwenden.
These 3
Frauen wissen oft nicht, wie sie sich in einem Gespräch am Arbeitsplatz verbünden
können und unterlassen somit eine wichtige Voraussetzung für die Wirksamkeit ihrer
Aussagen.
Mögliche Strategie im Umgang mit diesem Nichtwissen: Achten Sie beim nächsten
Gruppengespräch darauf, wer Ihnen bei Ihren Ausführungen wohlwollend - erkennbar am
beifälligen Nicken oder Lächeln zuhört und sprechen Sie anschliessend diese
Person mit der Frage: Und was meinen Sie dazu? an. Sie wird Ihre Ausführungen
bestimmt stützen!
These 4
Frauen benutzen die Kommunikation um Kontakte und Beziehungen zu pflegen, Männer um ihre
Standpunkte darzulegen.
Mögliche Strategie im Umgang mit diesem Unterschied: Lernen Sie, ebenfalls selbstsicher
Ihre Meinung kundzutun. Dann verfügen Sie über das Kombipaket, das in der heutigen
Arbeitswelt sehr gefragt ist: Menschen mit Sozialkompetenz und Selbstsicherheit, die Ihre
eigenen Ideen einbringen und darüber hinaus noch in der Lage sind, einen
gleichberechtigten Dialog darüber zu führen.
These 5
Durch viele subtilen Achtung! oder Verbotsschilder (auch deine Mutter konnte keine Mathe
Sabrina; du musst Nachhause kommen bevor es dunkel wird, Laura; auf Bäume klettern
ruiniert dein Kleid, Sarah) in der Kindheit verlernen die Mädchen, dass sie stark sind
und eine Situation massgeblich beeinflussen und somit Herrin der Lage sind. Anstelle der
Stärke erlernen sie die Hilflosigkeit.
Mögliche Strategie im Umgang damit: Handeln statt behandelt werden! Handeln Sie, indem
sie sich nicht mehr einreden (lassen), dass selbstsicher zu kommunizieren angeboren sein
muss. Melden Sie sich für einen entsprechenden Kurs an. Stecken Sie sich Ziele und setzen
Sie Prioritäten. Setzen Sie Ihre Pläne um!