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Benjamin Wall

Teamleiter Knowledge Management, KPMG Schweiz und ZfU-Referent an der Alumni-Veranstaltung

 

Ganzheitliche Integration von Wissensmanagement

Die gesteigerte Priorität von Wissensmanagement innerhalb einer Organisation bringt neue oder geänderte Aufgaben mit sich. Die Erfüllung der Aufgaben gemäss den neuen Prioritäten wird nur durch eine ganzheitliche Integration der entsprechenden Tätigkeiten in das Tagesgeschäft gesichert.

Die Zielsetzungen von Wissensmanagement für die meisten Organisationen schliessen ein, das benötigte Wissen unter den Wissensmitarbeitern, sprich heutzutage allen Mitar-beitern, besser zu (ver-)teilen. In der Regel ist diese (Ver-)Teilung erleichtert mittels einer technologischen Infrastruktur. Trotzdem ist es erforderlich, dass die Wissensmit-arbeiter neue oder geänderte Aufgaben und Verantwortungen für die Erfassung und / oder Anwendung von Wissen wahrnehmen. Die rechtzeitige und hochqualitative Durchführung der entsprechenden Tätigkeiten ist entscheidend für die Erreichung der Wissenszielsetzungen und damit den Erfolg der Organisation.

Die Erfüllung der Aufgaben durch die Wissensmitarbeiter setzt ein stimmiges Arbeitsumfeld voraus, in dem Technologie, Prozesse und der Faktor Mensch aufeinander abgestimmt sind. Dank dieser ganzheitlichen Unterstützung finden die Wissensziele Akzeptanz und die neuen Tätigkeiten werden bald wie selbstverständlich zum Alltag gehören. Die Voraussetzung für erfolgreiches Wissensmanagement ist damit eine Bandbreite von flankierenden Massnahmen, welche die neuen Wissensaufgaben in das Tagesgeschäft verankern und integrieren.

Diese Prinzip kann anhand zweier Beispiele aus der Praxis illustriert werden.

In einer Dienstleistungsfirma mit weltweiter Präsenz ist viel Wissen über Methoden, Kunden und Märkte in Dokumenten erfasst. Anonymisierte Arbeiten für Kunden, Standard-Präsentationen, CVs, fachtechnische Papiere und externe News werden mittels einer Intranet-Lösung zur Verfügung gestellt. Bei der Einführung der Intranet-Lösung wurde der Wissensbedarf für jeden Schritt in den Hauptprozessen definiert und die entsprechende Stelle im Intranet, wo das erforderlichen Wissen zu finden ist, identifiziert. Die Schulung zeigte z.B. auf, wie und unter welchen Umständen die Wissensmitarbeiter mit weniger Erfahrung mittels dem Intranet-Tool Aufgaben zur Entlastung von erfahrenen Wissensmitarbeiter übernehmen können. Das Publizieren der Dokumente in Intranet wurde genauso präzis in die Geschäftsprozesse integriert, z.B. am Schluss von Kundenarbeit oder im Lauf von Marketing-Kampagnen. Wissensmanagement ist zum integralen Bestandteil der "gewöhnlichen“ Arbeit geworden und ist in diesem Sinne als institutionalisierte Job-Anforderung im Zielsetzungs- und Qualifikationssystem der Firma berücksichtigt.

In einem weltweit tätigen Unternehmen aus der Chemiebranche ist das Zusammenspiel von Verkauf, Labor und Marketing entscheidend für eine zielgerichtete, effiziente und rasche Erkennung und Erfüllung von Kundenbedürfnissen. Um hochqualitative, massgeschneiderte Kundenlösungen umfassend zu gestalten muss Wissen über Chemie, Produkte, Umweltregelungen, Rohstoffe, Endbenutzer, Märkte, Herstellungsprozesse und Strategie - sowohl die eigene als auch die des Kunden - kombiniert werden. Der Wissensprozess zur Abwicklung von Kundenanfragen und Produktentwicklung wurde neu konzipiert und ein unterstützendes IT-Workflow-Tool mit integrierter Datenbank entwickelt, um diese Zusammenhänge pro Geschäftsfall zu erfassen. Die Wissens-Inputs (z.B. Kundensituationen und Markttrends) und –Outputs (z.B. Lösungsvorschläge) für die Abwicklung der Geschäftsfälle wurden nach dem Motto „Geben und Nehmen“ zwischen den Prozessbetroffenen vereinbart. Kategorien von Kundenanfragen, welche zu einem bestimmten Wissenseinsatz führen, wurden definiert. Beispiele dafür sind eine spezifische Laboruntersuchung oder der Besuch eines Labormitarbeiters bei einem Kunden in Absprache mit dem Verkaufsverantwortlichen. Recherchen und Suchvorgänge in der Datenbank wurden ebenfalls definiert und innerhalb des Prozessablaufs positioniert.

In beiden Fällen hat die ganzheitliche Integration der Wissenstätigkeiten in das Tagesgeschäft die erfolgreiche Einführung von Wissensmanagement sichergestellt. Dabei ist der Hauptnutzen für die betroffenen Wissensmitarbeiter, dass sie ihre Arbeit schneller und besser erledigen können. Dies wiederum führt zu einer höheren Effizienz und Effektivität für die Organisation insgesamt.


 

 

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