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Markus Beier

Markus Beier ist Member of the Management Board, Leiter Online Strategy/Services, Meta Design AG, Berlin

 

Virtual Communities: Zusätzliches Marketing- und Vertriebspotenzial

Der derzeit an den Finanzmärkten herrschende Pessimismus gegenüber der "New Economy", macht auch vor den einstigen Hype-Themen, wie das der "Community Of Interests", der Interessensgemeinschaften im Internet, keinen Halt. Einstige Börsenlieblinge, mit Hunderttausenden von registrierten Benutzer, schaffen es nicht, ihre virtuellen Benutzerströme in reale Umsätze zu lenken und werden dafür von den Investoren abgestraft. Engagierte Start-Ups scheitern in der zweiten Finanzierungsrunde und schaffen es nicht, den Ressourcen- und Kapitalfressenden Betrieb dieser Online Gemeinschaften aufrechtzuerhalten. Dabei sind Communities so alt wie das "Netz" selbst und spätestens seit dem Bestseller "Net Gain" (Hagel & Armstrong), gehören sie zum Lieblingsvokabular von Marketing-Managern weltweit. Wie bei vielen anderen Geschäftsmodellen der "New Economy" gab es bei den Virtual Communities Enttäuschungen, da bsp. der Betrieb dieser Plattformen unterschätzt wurde. Hohe Kosten in der Infrastruktur, wie Server-Hardware, Hosting und Providing, fehlende Skalierbarkeit der Software und der hohe Aufwand im Betrieb, Pflege und Bewerbung der Community, liessen viele Marketing-Träume der harten Realität weichen. Bei einer vernünftigen Planung, Fokussierung, realistischen Zielen und der Wahl geeigneter Partner, bieten die "Virtual Communities" dennoch eine Vielzahl an geeigneten und innovativen Marketing- und Vertriebsmög-lichkeiten:

1. Die Zielpersonenansprache ist wesentlich genauer. Ein Unternehmen kann sich speziell auf den Konsumenten einstellen und ihn beliefern. Banner werden sehr gezielt und zielgruppenaffin geschaltet, bis hin zur Vermarktung der spezifischen Profilattribute. Einem Community-Mitglied, das sich auf seinem Profil bspw. zu Hobbys, Musik- und Filmvorlieben äussert, kann so gezielt auf seinen Interessen beruhende Werbung präsentiert werden. Je relevanter die Werbebotschaft, desto weniger wird sie als störend empfunden. Individualisierte, wirklich relevante Werbung, wird zum Service. Einen Beweis bringen die höheren Clickraten von Bannern, die entsprechend "targeted" geschaltet wurden.

2. Kunden können auch in den Produktentwicklungsprozess (Prosuming) eingebunden werden. So haben beispielsweise Mitglieder von Finanz-Communities gemeinsam neue, erfolgreiche Fonds zusammengestellt, die unter dem Namen der Community von Banken aufgelegt und vertrieben wurden. Generell kann die Community Vorgaben machen, Vorschläge und Verbesserungsmöglichkeiten einreichen, die vom Unternehmen in der Entwicklung berücksichtigt werden können - der Konsument kann in den Vermarktungsprozess eingebunden werden. Der Kunde ist als Fürsprecher tätig. Gerade die "Mund-zu-Mund-Propaganda" erweist sich oftmals effektiver, als das massenhafte Ansprechen mit entsprechenden Streuverlusten.

3. Communities helfen, die "Opinion-Leader", die Vorläufer, Meinungsmacher zu identifizieren. Durch das Verhalten der User, durch die Beteiligung innerhalb der Gruppe, können diese "Leader" identifiziert und entsprechend eingebunden, gesteuert und belohnt werden.

4. Kunden können auch durch "Associate Programme" in den Vertriebsprozess eingebunden werden. Kunden werden mit Prämien belohnt, wenn auf ihre Empfehlung ein Anderer einkauft. Ein privater Betreiber einer Musik-Fanpage kann auf den CD-Shop von Amazon.com verweisen. Er muss weder die CDs einkaufen, noch eine eigene Logistik oder Lagerhaltung aufbauen. Er verweist nur auf den bestehenden Shop bei Amazon und erhält im Gegenzug für die Vermittlung eines Kaufes eine bestimmte Transaktionsmarge. Ohne Risiko und grossen Aufwand, werden so zusätzliche Einnahmen ermöglicht.

5. Die Geschäftsanbahnungskosten sind durch gemeinsame Interessen von Anbietern und Käufern geringer und durch die umfassende, "objektive" Information, durch die Möglichkeit des Austausches mit anderen Konsumenten, wird das Kaufrisiko als geringer wahrgenommen. Ist sich ein Nutzer unschlüssig über den Erwerb eines bestimmten Produktes, kann er sich auf Meinungsportalen, wie z.B. ciao.com, oder Kritikplattformen, wie www.vocatus.de, die Erfahrungen von Personen anzeigen lassen, die dieses Produkt bereits besitzen. Er kann in seiner Virtual Community nachfragen, kann sich beraten lassen oder durch seine Gemeinschaft zum Konsum anregen lassen.


 

 

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