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Artikel
 

Prof. Dr. Walter Brenner

ZfU-Faculty: Supply-Chain-Management / F & E / Produktion
Fachbereich Supply Chain Management
Lehrauftrag für eProcurement

Die Forschungsschwerpunkte des Professors für Wirtschaftsinformatik an der Universität Essen sind E-Business und Informationsmanagement. Publikation «Virtual Purchasing»

 

E-Procurement: Die Revolution im Einkauf

ie Ankündigung von General Motors, Ford und DaimlerChrysler vom Frühjahr 2000, gemeinsam einen Internet-basierten, virtuellen Beschaffungsmarkt aufzubauen, sorgte für Aufsehen in der Industrie. Hintergrund dieser Initiative ist eine Neuausrichtung von Teilen des Beschaffungswesens der beteiligten Unternehmen. So sollen mittelfristig beispielsweise Büromaterial, Maschinenteile oder Dienstleistungsverträge über diese Plattform beschafft werden - entsprechend einem jährlichen Beschaffungsvolumen von etwa 240 Mrd. USD. Dieser Ansatz stellt Anforderungen nicht nur an die Einkaufsabteilungen der beteiligten Unternehmen selbst, sondern auch an die Lieferanten. So müssen Kommunikations- und Geschäftsprozesse auf eine elektronische Basis gestellt, wie auch eine Anbindung lieferantenseitiger Informationssysteme an den virtuellen Markt sichergestellt werden.

Das Beispiel der Automobilindustrie zeigt, welchen Einfluss das Internet bereits auf die Wirtschaft und zunehmend auch auf den Einkauf nimmt. Acht Ansätze verändern die Situation der Beschaffung. Aus dem Buch von Brenner, W., Lux, A.: "Virtual Purchasing - die Revolution im Einkauf".

Virtual Purchasing

- Virtuelle Dienstleister - Digitale Kommunikation
- Digitale Suche - Elektronische Märkte
- Publikation des Bedarfs - Digitale Bestellabwicklung
- Digitale Lieferung - Direct Purchasing

Die digitale Kommunikation hat sich vergleichsweise früh etabliert, etwa die Kommunikation per E-Mail. Sie erlaubt es, einerseits unabhängig von der tatsächlichen Anwesenheit des Kommunikationspartners eine Nachricht zuzustellen, andererseits aber auch, angehängte Daten in die betriebliche Informationsverarbeitung zu integrieren. Die digitale Suche ist heute Voraussetzung, um im Internet - insbesondere dem World Wide Web als Teilbereich -- überhaupt sinnvoll nach Informationen zu recherchieren. Dieses kann mittels etablierter Mechanismen, wie Suchmaschinen oder Verzeichnissen geschehen. Für betriebliche Anwendungsbereiche setzen sich aber zunehmend auch einschlägig ausgerichtete Anwendungen, wie etwa Produkt- und Lieferantendatenbanken durch. Die Publikation von Bedarfen ist ein weiterer Ansatz, der sich langsam durchzusetzen beginnt. Veröffentlichten Organisationen ihre Bedarfe ursprünglich auf eigenen, dediziert betriebenen Seiten im Internet, so werden heute zunehmend auch Anwendungen unabhängiger Drittanbieter eingesetzt. Mit Direct Purchasing wird die Bestellung über elektronische Produktkataloge bezeichnet. Insbesondere im Bereich der C-Teile-Versorgung können Potenziale genutzt werden, indem etwa Büromaterial nicht mehr zentral über den Einkauf, sondern dezentral von den Fachbereichen selbst beschafft werden. Der Einkauf schafft dazu nur die Rahmenbedingungen. Digitale Lieferung von Gütern kommt heute nur in Frage, wenn eine Übermittlung über das Internet möglich ist, zum Beispiel bei Software, Grafik- oder Audiomaterial. Die Diskussion um den MP3-Standard zeigt die Bedeutung in diesem Bereich.

Mit digitaler Bestellabwicklung wird die Möglichkeit bezeichnet, den Status von Sendungen über das Internet zu verfolgen. Diese Anwendung wird heute von den meisten frachtführenden Unternehmen dem Kunden angeboten, beispielsweise unter www.fedex.com/ ch/tracking/. Elektronische Märkte stehen zur Zeit im Mittelpunkt der Diskussion um den betrieblichen Einsatz des Internets, wie auch das Beispiel der Automobilindustrie zeigt. Sie geben Anbietern und Nachfragern die Möglichkeit, online geschäftsrelevante Informationen auszutauschen und gegebenen-falls Transaktionen durchzuführen. Virtuelle Dienstleister, "Cybermediäre", bieten im Internet an oder wickeln über das Internet ihre Transaktionen ab. Online-Buchhandlungen oder unabhängige Dienstleister, welche elektronische Märkte der oben beschriebenen Art etablieren, sind dafür ein Beispiel.

Es ist offensichtlich, dass das Internet für den Einkauf relevanter wird. Anwendungen, wie das beschaffung.net, das an der Universität Essen betrieben wird, zeigen dies, da mit steigenden Zugriffszahlen auf diese Anwendung auch das wachsende Interesse der Einkäufer deutlich wird. Die Entwicklung verläuft dabei in einigen Bereichen schneller - Direct Purchasing, Publikation von Bedarfen -, bei anderen Anwendungsformen - digitale Auslie-
ferung - kann dagegen erst mittelfristig mit einem Durchbruch gerechnet werden.


 
 
       
 
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