ie Ankündigung von General Motors, Ford und DaimlerChrysler vom Frühjahr
2000, gemeinsam einen Internet-basierten, virtuellen Beschaffungsmarkt aufzubauen,
sorgte für Aufsehen in der Industrie. Hintergrund dieser Initiative ist eine
Neuausrichtung von Teilen des Beschaffungswesens der beteiligten Unternehmen.
So sollen mittelfristig beispielsweise Büromaterial, Maschinenteile oder
Dienstleistungsverträge über diese Plattform beschafft werden - entsprechend
einem jährlichen Beschaffungsvolumen von etwa 240 Mrd. USD. Dieser Ansatz
stellt Anforderungen nicht nur an die Einkaufsabteilungen der beteiligten Unternehmen
selbst, sondern auch an die Lieferanten. So müssen Kommunikations- und Geschäftsprozesse
auf eine elektronische Basis gestellt, wie auch eine Anbindung lieferantenseitiger
Informationssysteme an den virtuellen Markt sichergestellt werden.
Das Beispiel der Automobilindustrie zeigt, welchen Einfluss das Internet bereits
auf die Wirtschaft und zunehmend auch auf den Einkauf nimmt. Acht Ansätze
verändern die Situation der Beschaffung. Aus dem Buch von Brenner, W.,
Lux, A.: "Virtual Purchasing - die Revolution im Einkauf".
Virtual Purchasing
| - Virtuelle Dienstleister |
- Digitale Kommunikation |
| - Digitale Suche |
- Elektronische Märkte |
| - Publikation des Bedarfs |
- Digitale Bestellabwicklung |
| - Digitale Lieferung |
- Direct Purchasing |
Die digitale Kommunikation hat sich vergleichsweise früh etabliert, etwa
die Kommunikation per E-Mail. Sie erlaubt es, einerseits unabhängig von
der tatsächlichen Anwesenheit des Kommunikationspartners eine Nachricht
zuzustellen, andererseits aber auch, angehängte Daten in die betriebliche
Informationsverarbeitung zu integrieren. Die digitale Suche ist heute Voraussetzung,
um im Internet - insbesondere dem World Wide Web als Teilbereich -- überhaupt
sinnvoll nach Informationen zu recherchieren. Dieses kann mittels etablierter
Mechanismen, wie Suchmaschinen oder Verzeichnissen geschehen. Für betriebliche
Anwendungsbereiche setzen sich aber zunehmend auch einschlägig ausgerichtete
Anwendungen, wie etwa Produkt- und Lieferantendatenbanken durch. Die Publikation
von Bedarfen ist ein weiterer Ansatz, der sich langsam durchzusetzen beginnt.
Veröffentlichten Organisationen ihre Bedarfe ursprünglich auf eigenen,
dediziert betriebenen Seiten im Internet, so werden heute zunehmend auch Anwendungen
unabhängiger Drittanbieter eingesetzt. Mit Direct Purchasing wird die Bestellung
über elektronische Produktkataloge bezeichnet. Insbesondere im Bereich
der C-Teile-Versorgung können Potenziale genutzt werden, indem etwa Büromaterial
nicht mehr zentral über den Einkauf, sondern dezentral von den Fachbereichen
selbst beschafft werden. Der Einkauf schafft dazu nur die Rahmenbedingungen.
Digitale Lieferung von Gütern kommt heute nur in Frage, wenn eine Übermittlung
über das Internet möglich ist, zum Beispiel bei Software, Grafik-
oder Audiomaterial. Die Diskussion um den MP3-Standard zeigt die Bedeutung in
diesem Bereich.
Mit digitaler Bestellabwicklung wird die Möglichkeit bezeichnet, den Status
von Sendungen über das Internet zu verfolgen. Diese Anwendung wird heute
von den meisten frachtführenden Unternehmen dem Kunden angeboten, beispielsweise
unter www.fedex.com/ ch/tracking/. Elektronische Märkte stehen zur Zeit
im Mittelpunkt der Diskussion um den betrieblichen Einsatz des Internets, wie
auch das Beispiel der Automobilindustrie zeigt. Sie geben Anbietern und Nachfragern
die Möglichkeit, online geschäftsrelevante Informationen auszutauschen
und gegebenen-falls Transaktionen durchzuführen. Virtuelle Dienstleister,
"Cybermediäre", bieten im Internet an oder wickeln über
das Internet ihre Transaktionen ab. Online-Buchhandlungen oder unabhängige
Dienstleister, welche elektronische Märkte der oben beschriebenen Art etablieren,
sind dafür ein Beispiel.
Es ist offensichtlich, dass das Internet für den Einkauf relevanter wird.
Anwendungen, wie das beschaffung.net, das an der Universität Essen betrieben
wird, zeigen dies, da mit steigenden Zugriffszahlen auf diese Anwendung auch
das wachsende Interesse der Einkäufer deutlich wird. Die Entwicklung verläuft
dabei in einigen Bereichen schneller - Direct Purchasing, Publikation von Bedarfen
-, bei anderen Anwendungsformen - digitale Auslie-
ferung - kann dagegen erst mittelfristig mit einem Durchbruch gerechnet werden.