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Prof. Dr. Klaus Brunnstein

ZfU-Faculty: Informatik, Projekt- & Prozess-Management
Fachbereich Informatik
Lehrauftrag für IT-Security / Zukunftsszenarien

Professor für Anwendungen der Informatik an der Universität Hamburg, Gründer und Leiter des «Virus Test Centers Hamburg»

 

Wie (un)sicher ist das Internet?

Das Internet in seiner heutigen Form ist das Ergebnis der Arbeit zahlreicher Forschungs- und Universitätsinstitute, die ein Interesse verband, die Möglichkeiten der Informationstechniken für wissenschaftliche Kommunikation zu nutzen. Ganz zu Anfang (in den siebziger Jahren) leistete eine Agentur (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums dafür einen finanziellen Beitrag. Und zwar, weil sich diese im damaligen Kalten Krieg den Aufbau eines weltweiten Netzes versprach, in welchem der Ausfall von Computern und der Verlust von Daten an einem Ort infolge von Auswirkungen eines thermonuklear-elektromagnetischer Angriffes (mittels einer Neutronenbombe) durch "Spiegelung" (mirroring) an einem entfernten Ort kompensiert werden sollte.

Während die Nutzbarkeit des weiland ARPA-Netzes für eine möglichst einfache wissenschaftliche Kommunikation im Vordergrund stand, haben wesentliche Sicherheitsanforderungen keinerlei Rolle gespielt. Vor allem solche Forderungen, die für vertrauliche und zugesicherte Kommunikation bei wirtschaftlichen Anwendungen von Bedeutung sind, wurden in Entwurf und Realisierung ausser Acht gelassen:
Ist gewährleistet, dass die elektronische Kommunikation ihren Empfänger auch erreicht? Können elektronische Dienste "sicher" betrieben werden?
Ist sichergestellt, dass ein Absender nicht gefälscht werden kann?
Kann man davon ausgehen, dass vertrauliche Kommunikation nicht von unbefugten Dritten abgehört wird?
Ist sichergestellt, dass Nachrichten nicht abgefangen und gar ausgetauscht werden?

Diese (sowie weitere) Fragen sind bei heutiger Technik leider sämtlich mit "Nein" zu beantworten. Methoden der Adress-fälschung, des Abhörens und des Abfangens, aber auch vielfältiger Angriffe sind im Internet verfügbar, samt Einführung in deren Nutzung. So darf es nicht verwundern, dass Netz-Unfälle heute zur weltweit publizierten Tagesordnung gehören:

Elektronische Dienste wie E-Commerce und E-Banking werden durch Dienstverweigerungsangriffe (DoS), sei es von einzelnen oder verteilten Angreifern (DDoS) massiv behindert. Angreifer tarnen sich dabei gegen Entdeckung durch Adressfälschung, und sie unterlaufen auch komplexere Schutzmassnahmen.

Die Verarbeitung von Geschäftsdokumenten aller Art wird durch massenhaft sich selbst verteilende "Würmer" gefährdet. Vor allem "aktive Inhalte" wie Makros und Skripte, welche die Verarbeitung solcher Dokumente erleichtern sollen, erweisen sich als Einfallstor für Würmer wie "Melissa", "I-Love-You" und "Kournikova" unter Microsoft-Systemen sowie für den RAMEN-Wurm unter Linux. Diese Würmer sind bisher nur selten zerstörerisch gewesen, jedoch ist ihr kriminogenes und destruktives Potenzial längst nicht ausgeschöpft. Bei der Verteilung solcher Würmer spielen unzureichende Anti-Mailwareprodukte sowie mangelhafte Qualität der Netzadministration besonders in grossen Unternehmen und Organisationen eine Schlüsselrolle.

Gegen die (Un)Sicherheiten des Internets helfen - zumindest teilweise - aufwändige Kontrolltechniken, insbesondere "Firewalls" mit eingebauten Filtern gegen Viren, Würmer, Trojanische Pferde sowie gegen verschiedene Formen von manuellen und automatischen Angriffen. Einbruchsentdeckende Systeme (IDS) unterstützen die Entdeckung neuartiger Angriffe, allerdings zumeist erst "post mortem". Mit Hilfe von Verschlüsselung und digitaler Signatur sollen die Vertraulichkeit von Dokumenten sowie die Authentizität eines Absenders sichergestellt werden.

Diese Sicherheitstechniken können allerdings sämtlich mit mehr oder weniger aufwändigen Verfahren unterlaufen werden. Um insgesamt die Risiken der unsicheren Internettechniken soweit wie möglich zu beherrschen, ist ein auf das Unternehmen zugeschnittenes Sicherheitskonzept erforderlich, dessen zuverlässige Durchsetzung zur Verminderung der Internet-Gefahren eine wichtige - oft unterschätzte - Rolle spielt.


 

 

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