myzfu
Villa Diana
Lernen als Weg

Fachartikel

nach Referenten sortiert

Artikel
 

Dr.-Ing. Artur P. Schmidt

Publizist und IT-Experte. Er arbeitet als Communication Director/Partner bei der aseantic ag in Biel.

 

Megatrends der IT-Industrie: Optionen in vernetzten Märkten

Gewinne in unsicheren Zeiten
Das Medium Internet hat dazu geführt, dass IT-Investments kein Nebenaspekt der Unternehmensstrategie mehr sind, sondern in deren Mittelpunkt gerückt sind. Wer die wahren Optionen der IT-Branche erkennen will, muss nicht nur die bestehenden Marktgrenzen überwinden, sondern vor allem die neu heraufkommenden Wettbewerber frühzeitig erkennen. Wer heute antizyklisch handelt und jetzt in die kommenden Technologien investiert, wird relative Marktanteile dazugewinnen und seine Gelegenheiten maximieren.

Die meisten Gewinnmöglichkeiten in Märkten haben, wie die Bostoner Wirtschaftsprofessoren und Real Options-Experten Kulatilaka und Venkatraman betonen, eine besondere Gemeinsamkeit: den Faktor Unsicherheit. Wer in Zeiten der Unsicherheit erfolgreich sein will, benötigt zwei wichtige Fähigkeiten: 1. das Erkennen der wertvollen Gelegenheiten in den Märkten und 2. die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Marktplätze.

Vom Cash Flow zum Content Flow
Das aktuelle Marktumfeld der Konsolidierung ist prädestiniert dafür, neue Winner-Firmen hervorzubringen. Die Chance von heute ist es, die neuen IT-Megatrends für Innovationen zu nutzen. Die Nasdaq-Krise hat gezeigt, dass es nicht um "B2B2B2B to whatever" geht, sondern dass wir vor einem veränderten Umgang mit der Ressource Wissen stehen. Die neuen technologischen Trends kreisen deshalb um die Frage, wie wir die digitalen Assets eines Unternehmens am besten nutzen können.

Die wahren Optionen ("Real Options") der Märkte liegen nicht in der Betrachtung des Cash Flow, sondern in der Verbesserung des Content Flow in Unternehmen. Die Herausforderung hierbei ist, zu jeder Zeit, an jedem Ort, jede beliebige Form von Inhalt publizieren zu können. Da es heute nicht mehr nur um Inhalte in Form von Text, sondern auch von Graphiken, Audio und Video geht, spielt auch die Konvergenz der Medien eine immer wichtigere Rolle. Dies forciert neue Megatrends für die IT-Branche.

Megatrends

  1. Ein wichtiger Megatrend ist hierbei das sogenannte Ubiquitous Computing, welches 1988 von Mark Weiser entwickelt wurde. Für ihn ist ein Werkzeug wie der Computer nur dann gut, wenn es unsichtbar ist. Ubiquitous Computing bezieht Daten nicht nur über ein einzelnes Terminal, sondern benutzerfreundlich aus vielen Computern in der Umgebung des Users. Ubiquitous Computing erzeugt also keine virtuellen Realitäten, sondern nutzt vorhandene physische Infrastrukturen wie z.B. elektronische Haushaltsgeräte zum Abruf von Daten. Einen "Always Online Realtime Access" des Menschen garantieren überdies Mini-Computer (sogenannte "Embedded Miniature Computers") in Wänden, Schreibtischen, Stühlen, Kleidern, Schmuck oder Brillen. Eines der Grundprobleme des Ubiquitous Computing hat das Internet gelöst: Alle integrierten Benutzerschnittstellen können über Standards miteinander kommunizieren.
  2. Ein weiterer bedeutender Megatrend wird die Augmented Reality sein. Diese ermöglicht dem User im Gegensatz zur Virtual Reality-Technologie die konstante Wahrnehmung seiner physischen Umgebung. Er hat neben der Innen (Endo)-Perspektive innerhalb des Computers eine Aussen (Exo)-Perspektive auf die konstruierten Welten, d.h. es entsteht eine sogenannte "Mixed Reality". Die Technologie der Überlappung von Innen- und Aussenwelten ist eine kostengünstige Interfacetechnologie. Sie fügt die vom Computer generierten virtuellen Objekte mit der physischen Wirklichkeit exakt zusammen und steigert so die Wahrnehmungsfähigkeit des Users. Zukünftige Anwendungsmöglichkeiten liegen vor allem im Bereich des E-Learning.
  3. Eine Schlüsselrolle für den Umgang mit Wissen wird auch die Biometrie spielen. Diese ist die Untersuchung messbarer physiologischer und verhaltensbedingter Merkmale, die genutzt werden, um die Identität einer Person herauszufinden. Zu diesen Merkmalen zählen Fingerabdrücke, die Iris des menschlichen Auges, die Hand, Stimmenmuster, Unterschriften, Gesichtsausdrücke etc. Die Biometrie wird dort genutzt, wo es aus Sicherheitsgründen notwendig ist, die wahre Identität einer Person zu kennen, wie z.B. bei Grenzkontrollen, Bankgeschäften, Überprüfung von Führerscheinen, Besuchersystemen in Gefängnissen oder Stimmabgabesystemen bei Wahlen. In der heutigen Welt der Datenkriminalität reichen PIN-Nummern nicht mehr aus, um einen Missbrauch zu verhindern. Deshalb sind Identifizierungen notwendig, die auch mit leistungsfähigen Rechnern nicht manipuliert werden können.
  4. Innovative biologische, chemische und pharmazeutische Forschung ist heute ohne den Einsatz von Computern nicht mehr denkbar, wie das "Humane Genome Project", das alle menschlichen Gene katalogisiert, aufgezeigt hat. Die Bioinformatik, die Verbindung von elektronischer Datenverarbeitung und Biotechnologie, könnte zum neuen Wachstumsmotor der Weltwirtschaft avancieren, insbesondere dann wenn Biochips die heute eingesetzten Halbleiter substituieren. Genomsequenzierung, Neuro-Implantate und Proteinstrukturanalyse sind nur einige Beispiele für einen Forschungsbereich, der zur Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts werden könnte.

Mit der Herstellung sogenannter DNS-Synthesizer, die Mutationen lesbar machen und Gen-Sequenzen korrigieren können, verbindet sich die Hoffnung auf die Entwicklung gentechnischer Präparate, mit denen sich chronische oder bislang unheilbare Krankheiten bekämpfen lassen.


 

 

  • ZfU International Business School
  • Im Park 4 - CH-8800 Thalwil/Zürich
  •