Anfangs 2000 predigten Investmentbanker und Analysten, die herkömmlichen
Massstäbe für die Aktienbewertung hätten ausgespielt.
Die "New Economy" rufe nach neuen Bewertungsmethoden.
Die Kurseinbrüche an den Neuen Märkten seit dem Höchststand
im März 2000, in Deutschland um 80%, in den USA um 65% haben
jedoch viele dieser Wunderknaben wieder auf den Boden der Realität
zurückgebracht. Nicht die Anzahl der Internet-Home-page-Besuche
und ähnliche Phantasie-Bewertungs-Kennzahlen sind massgebend
für den langfristigen Anlageerfolg, sondern das nachhaltige
Ertragsniveau, die damit verbundenen Risiken und die Alternativanlagen,
spricht das Zinsniveau.
Die Kurseinbrüche haben zwar viele Anleger überrascht,
aber sie waren vorhersehbar, vorausgesetzt, der Investor bediente
sich einer systematischen Analyse-Methode, welche die drei Grundfragen
einer Kapitalanlage in Aktien beantwortete. Dazu brauchte es vor
allem gesunden Menschenverstand und eine Bewertungsmethode, welche
aufzeigt, ob einzelne Aktienmärkte insgesamt kaufenswert sind,
insbesondere im Vergleich zu Alternativanlagen am Obligationen-
oder Geldmarkt. Zweitens sollte die Analysen eine Übersicht
über die relative Bewertung einzelner Branchen und Gesellschaften
im Verhältnis zum Gesamtmarkt und davon abgeleitet Kauf- und
Verkaufsempfehlungen erlauben.
Marktbewertungen repräsentieren Durchschnittswerte, die sich
aus unter- und überbewerteten Aktien errechnen. Dennoch zeigen
jüngere Untersuchungen, dass über 60% aller Analysten-Empfehlungen
auf "kaufen" lauten, rund ein Drittel auf "halten"
und nur 1-2% der Aktien werden als überbewertet eingestuft.
Offensichtlich schrecken Analysten vor Verkaufsempfehlungen zurück,
weil sie negativen Konsequenzen für sich oder ihren Arbeitgeber
befürchten. Interessenskonflikte treten auf, weil analysierte
Gesellschaften oft gleichzeitig Kunden einer Bank sind, sei es im
Kredit- oder Emissionsgeschäft, sei es im Kapitalanlagesektor.
Die Investoren können sich deshalb nicht blind auf Empfehlungen
von Finanzhäusern verlassen. Sie tun gut daran, sich selbst
auf dem Gebiet der Aktienanalyse auszubilden. Der Tageskurs "Erfolgsrezepte
im Anlagegeschäft" fasst nicht nur die von den weltbekanntesten
Gurus verwendeten Anlagestrategien zusammen, sondern präsentiert
auch eine praxiserprobte Methodik der Aktienbewertung, die auch
von Privatanlagern mit vertretbarem Aufwand eingesetzt werden kann.
Tägliche Kursschwankungen am Aktienmarkt, Revisionen von Gewinnschätzungen,
aber auch die gelegentliche Neueinschätzung des Risikoprofils
einzelner Gesellschaften erschweren die Überwachung der relativen
Bewertung von Aktien. Eine professionelle Auswertung und Zusammenfassung
aller Empfehlungen müsste aber sämtliche dieser Faktoren
berücksichtigen. Dazu kommt, dass viele Analysten ihre Gewinnschätzungen
nur für das laufenden und das Folgejahr bekannt geben. Damit
wird in den gängigen Bewertungskennzahlen (Kurs/Gewinn- Verhältnis
etc.) dem längerfristigen und nachhaltigen Wachstum häufig
zu wenig Rechnung getragen, was speziell bei Turnaround-Situationen
oder Gesellschaften mit forschungsintensiven, neuen Produkten zu
Fehleinschätzungen führen kann. Es gibt zwar modernere
Methoden (Diskontierung des künftigen freien Cashflow, EVA
etc.), welche den längerfristigen Aspekt berücksichtigen,
doch reagieren diese Methoden sehr sensibel auf die Zinsannahmen
und sie sind in der Regel nur auf einen begrenzten Kreis von Gesellschaften
anwendbar. Insbesondere lassen sich Industriewerte, Banken, Versicherungen
und Beteiligungsgesellschaften in den seltensten Fällen mit
den gleichen Bewertungsmodellen beurteilen. Es ist bis heute auch
kaum der Nachweis erbracht worden, dass diese neuen Methoden bessere
Anlageergebnisse bringen, was letztlich das entscheidende Kriterium
für die Wahl der Bewertungsmethodik sein muss.
Auch die Auswahl der massgeblichen Kennzahlen ist keineswegs eindeutig,
zumal Analysten oft die Bewertungsmassstäbe wechseln. Wie aus
jüngeren Studien amerikanischer Brokerhäuser hervorgeht,
haben Vergleiche der verwendeten Auswahlkriterien und Analyse-Methoden
mit der tatsächlichen Performance über mehrere Jahre für
einzelne Länder und Perioden unterschiedliche Ergebnisse zutage
gebracht. Auch moderne Ansätze der Unternehmensbewertung, wie
die Diskontierung des künftigen freien Cashflows etc., lösen
aber nicht das Grundproblem einer jeden Aktien-Analyse. Unabhängig
von der verwendeten Analyse-Methode muss der Investor vorerst das
künftige Umfeld für eine einzelne Gesellschaft richtig
einschätzen, wozu nebst der weltweiten realwirtschaftlichen
und politischen Entwicklung eine Inflations-, Zins- und Währungsprognose
gehören.