Fusionen und Akquisitionen gehören zurzeit zu den Standardstrategien vieler
Unternehmen, um Wachstum zu generieren. Es vergeht fast kein Monat, in dem nicht
eine "Mega-Fusion" verhandelt oder durchgeführt wird. Der Erfolg
solcher Fusionen ist jedoch aus Sicht der Käufer oft zweifelhaft, da die
strategischen Prämien höher als die zu erwartenden Synergiepotentiale
sind.
Eine gute Post-Merger-Integration ermöglicht es jedoch langfristig, sowohl
die identifizierten Synergiepotentiale zu realisieren als auch darüber hinaus
weitere Potentiale zu identifizieren. Dabei gilt es auch den Kontext, in dem die
Integration stattfindet, zu berücksichtigen. Gibt es etwa politische Vereinbarungen
zur Standortsicherung oder Zusagen zur Sicherung der Arbeitsplätze, die den
Lösungsraum einengen? Wie "tief" sollte die Integration gehen?
Soll eine "Angliederung" des gekauften Unternehmens an den Käufer
oder eine komplette Verschmelzung der beiden Unternehmen erfolgen?
Was also ist zu tun? Die Analyse erfolgreicher Integrationen zeigt, dass im
Wesentlichen drei Faktoren entscheidend sind. Erfolgskritischer Faktor für
eine Post-Merger-Integration ist erstens die eindeutige Führung. Die Führungsmannschaft
muss zu jedem Zeitpunkt in der Lage sein, klare und schnelle Grundsatzentscheidungen
zu treffen. Diese reichen von Entscheidungen zur Organisationsstruktur über
die Definition von Verantwortungsbereichen bis hin zur Personalbenennung. Da
Integrationsprojekte oftmals ein bis zwei Jahre dauern, sollte die Unternehmensführung
konsequent die Integration vorantreiben und die Voraussetzungen dafür schaffen,
dass alle Massnahmen fristgerecht und in vollem Umfang umgesetzt werden.
Da der Erfolg einer Integration letztendlich an finanziellen Kennzahlen gemessen
wird, ist es zweitens erforderlich, dass das Unternehmen alle Synergiepotentiale
ausschöpft und sich von Anfang an ehrgeizige Ziele setzt. Dabei sollte
das Unternehmen zum einen die direkten Synergien realisieren wie z.B. die Reduzierung
re-dundanter Kosten im Verwaltungsbereich oder die Umsatzsteigerungen durch
einen erweiterten Kundenstamm. Darüber hinaus sollte das Unternehmen die
Integration aber auch als eine einmalige Gelegenheit zur Neuorientierung nutzen.
Diese könnte u.a. in der kompletten Neuorganisation der Geschäfte,
der Einführung von Anreizsystemen sowie der Entwicklung und Kommunikation
einer begeisternden Vision und Wachstumsstra- tegie bestehen. Letztere ist v.a.
zur Motivation der gesamten Organisation von Bedeutung, da Integrationen von
den betroffenen Mitarbeitern oft als etwas Bedrohliches und Negatives empfunden
werden.
Einer der am häufigsten unterschätzten und somit oft nicht explizit
berücksichtigten Erfolgsfaktoren ist drittens die kulturelle Integration
von Unternehmen. Die Gründe für diese Vernachlässigung sind vielfältig.
Einerseits ist der Erfolg einer gelungenen Integration nicht sofort messbar.
Andererseits konzentrieren sich die meisten Unternehmen immer noch auf den Erfolgsfaktor
"Asset", d.h. Anlagen und Strukturen, statt auf den Erfolgsfaktor
Mensch und dessen individuelle Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten gilt
es aber zu nutzen und weiter auszubauen. Einen wichtigen Beitrag liefert dabei
die kulturelle Integration, die von der Festlegung einer unternehmensweiten
Sprache bei transnationalen Fusionen bis hin zur Entwicklung einer neuen Leistungskultur
reicht. Insbesondere Letztere sollte sowohl die gemeinsam erarbeitete Zielausrichtung
("Was wollen wir gemeinsam erreichen?") als auch die gemeinsam festgelegte
Art der Zusammenarbeit ("Wie wollen wir unsere Ziele erreichen?")
umfassen.
Die individuellen und somit unterschiedlichen Sichtweisen der Betroffenen gilt
es in einem zweiphasigen Integrationsprozess zu vereinheitlichen und dadurch
eine neue, gemeinsame Leistungskultur zu entwickeln. In der ersten Phase (Integrationsdesign),
in der im Wesentlichen die Eckpfeiler der Integration festgelegt werden, dauert
je nach Umfang und Komplexität der Integration zwischen zwei und drei Monate.
Die zweite Phase um-fasst die Erarbeitung fusionsbedingter Massnahmen und kann
je nach Anzahl der Projekte bis zur Implementierungsreife ein bis zwei Jahre
dauern (Integrationsdurchführung). Die erfolgskritische Phase ist die erste
Phase, da dort alle wesentlichen Entscheidungen zur Strategie, Organisation,
Personalauswahl usw. für das neue Unternehmen getroffen werden. Vielfach
wird diese Phase nur unzureichend tief durchlaufen und stattdessen mit der Durchführung
der Integration begonnen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dadurch oftmals später
Korrekturen durchgeführt werden müssen, die im gesamten Unternehmen
auf Unverständnis stossen.
Alle Integrationsprojekte sind verschieden. Nichtsdestotrotz sollten die Unternehmen
auf ihrem eigenen Weg der Integration die folgenden auf Erfahrungen mit zahlreichen
erfolgreichen Mergern basierenden Grundsätze berücksichtigen:
1. Sicherstellung der Funktionalität und des laufenden Geschäfts
2. Fokussierung auf Wertsteigerung
3. Entwicklung einer neuen, gemeinsamen Vision
4. Entwicklung einer neuen, gemeinsamen Leistungskultur
5. Nutzung der Fusion zur Erneuerung des Unternehmens
6. Nutzung des Anfangsmomentums in den ersten 90 Tagen
7. Schnelligkeit vor Perfektion
8. Keine personellen Entscheidungen auf Kosten von Inhalten
9. Einsetzen von Top-Führungskräften in den Integrationsprozess
10. Offene und zügige Kommunikation