myzfu
Villa Diana
Lernen als Weg

Fachartikel

nach Referenten sortiert

Artikel
 

Dr. Tomas Koch

Partner, Mc Kinsey & Company, Frankfurt

 

Making Mergers work: Grundsätze und Erfolgs-Faktoren

Fusionen und Akquisitionen gehören zurzeit zu den Standardstrategien vieler Unternehmen, um Wachstum zu generieren. Es vergeht fast kein Monat, in dem nicht eine "Mega-Fusion" verhandelt oder durchgeführt wird. Der Erfolg solcher Fusionen ist jedoch aus Sicht der Käufer oft zweifelhaft, da die strategischen Prämien höher als die zu erwartenden Synergiepotentiale sind.
Eine gute Post-Merger-Integration ermöglicht es jedoch langfristig, sowohl die identifizierten Synergiepotentiale zu realisieren als auch darüber hinaus weitere Potentiale zu identifizieren. Dabei gilt es auch den Kontext, in dem die Integration stattfindet, zu berücksichtigen. Gibt es etwa politische Vereinbarungen zur Standortsicherung oder Zusagen zur Sicherung der Arbeitsplätze, die den Lösungsraum einengen? Wie "tief" sollte die Integration gehen? Soll eine "Angliederung" des gekauften Unternehmens an den Käufer oder eine komplette Verschmelzung der beiden Unternehmen erfolgen?

Was also ist zu tun? Die Analyse erfolgreicher Integrationen zeigt, dass im Wesentlichen drei Faktoren entscheidend sind. Erfolgskritischer Faktor für eine Post-Merger-Integration ist erstens die eindeutige Führung. Die Führungsmannschaft muss zu jedem Zeitpunkt in der Lage sein, klare und schnelle Grundsatzentscheidungen zu treffen. Diese reichen von Entscheidungen zur Organisationsstruktur über die Definition von Verantwortungsbereichen bis hin zur Personalbenennung. Da Integrationsprojekte oftmals ein bis zwei Jahre dauern, sollte die Unternehmensführung konsequent die Integration vorantreiben und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle Massnahmen fristgerecht und in vollem Umfang umgesetzt werden.

Da der Erfolg einer Integration letztendlich an finanziellen Kennzahlen gemessen wird, ist es zweitens erforderlich, dass das Unternehmen alle Synergiepotentiale ausschöpft und sich von Anfang an ehrgeizige Ziele setzt. Dabei sollte das Unternehmen zum einen die direkten Synergien realisieren wie z.B. die Reduzierung re-dundanter Kosten im Verwaltungsbereich oder die Umsatzsteigerungen durch einen erweiterten Kundenstamm. Darüber hinaus sollte das Unternehmen die Integration aber auch als eine einmalige Gelegenheit zur Neuorientierung nutzen. Diese könnte u.a. in der kompletten Neuorganisation der Geschäfte, der Einführung von Anreizsystemen sowie der Entwicklung und Kommunikation einer begeisternden Vision und Wachstumsstra- tegie bestehen. Letztere ist v.a. zur Motivation der gesamten Organisation von Bedeutung, da Integrationen von den betroffenen Mitarbeitern oft als etwas Bedrohliches und Negatives empfunden werden.
Einer der am häufigsten unterschätzten und somit oft nicht explizit berücksichtigten Erfolgsfaktoren ist drittens die kulturelle Integration von Unternehmen. Die Gründe für diese Vernachlässigung sind vielfältig. Einerseits ist der Erfolg einer gelungenen Integration nicht sofort messbar. Andererseits konzentrieren sich die meisten Unternehmen immer noch auf den Erfolgsfaktor "Asset", d.h. Anlagen und Strukturen, statt auf den Erfolgsfaktor Mensch und dessen individuelle Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten gilt es aber zu nutzen und weiter auszubauen. Einen wichtigen Beitrag liefert dabei die kulturelle Integration, die von der Festlegung einer unternehmensweiten Sprache bei transnationalen Fusionen bis hin zur Entwicklung einer neuen Leistungskultur reicht. Insbesondere Letztere sollte sowohl die gemeinsam erarbeitete Zielausrichtung ("Was wollen wir gemeinsam erreichen?") als auch die gemeinsam festgelegte Art der Zusammenarbeit ("Wie wollen wir unsere Ziele erreichen?") umfassen.

Die individuellen und somit unterschiedlichen Sichtweisen der Betroffenen gilt es in einem zweiphasigen Integrationsprozess zu vereinheitlichen und dadurch eine neue, gemeinsame Leistungskultur zu entwickeln. In der ersten Phase (Integrationsdesign), in der im Wesentlichen die Eckpfeiler der Integration festgelegt werden, dauert je nach Umfang und Komplexität der Integration zwischen zwei und drei Monate. Die zweite Phase um-fasst die Erarbeitung fusionsbedingter Massnahmen und kann je nach Anzahl der Projekte bis zur Implementierungsreife ein bis zwei Jahre dauern (Integrationsdurchführung). Die erfolgskritische Phase ist die erste Phase, da dort alle wesentlichen Entscheidungen zur Strategie, Organisation, Personalauswahl usw. für das neue Unternehmen getroffen werden. Vielfach wird diese Phase nur unzureichend tief durchlaufen und stattdessen mit der Durchführung der Integration begonnen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dadurch oftmals später Korrekturen durchgeführt werden müssen, die im gesamten Unternehmen auf Unverständnis stossen.

Alle Integrationsprojekte sind verschieden. Nichtsdestotrotz sollten die Unternehmen auf ihrem eigenen Weg der Integration die folgenden auf Erfahrungen mit zahlreichen erfolgreichen Mergern basierenden Grundsätze berücksichtigen:

1. Sicherstellung der Funktionalität und des laufenden Geschäfts
2. Fokussierung auf Wertsteigerung
3. Entwicklung einer neuen, gemeinsamen Vision
4. Entwicklung einer neuen, gemeinsamen Leistungskultur
5. Nutzung der Fusion zur Erneuerung des Unternehmens
6. Nutzung des Anfangsmomentums in den ersten 90 Tagen
7. Schnelligkeit vor Perfektion
8. Keine personellen Entscheidungen auf Kosten von Inhalten
9. Einsetzen von Top-Führungskräften in den Integrationsprozess
10. Offene und zügige Kommunikation


 

 

  • ZfU International Business School
  • Im Park 4 - CH-8800 Thalwil/Zürich
  •