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Prof. Dr. Rolf Hichert

ZfU-Faculty: Finanzen & Controlling
Fachbereich Managementreportin
Lehrauftrag für Design von Management-Präsentationen

Geschäftsführer der Rolf Hichert & Partner KG, Kreuzlingen Professor an der Fachhochschule Eberswalde

 

Bessere Entscheidungen durch MIS und Data Warehousing?

Mehr MIS heisst mehr Informationen, daraus folgen bessere Entscheidungen - und damit hat das Unternehmen mehr Erfolg: Dies ist die Wirkungskette, die unsere Erwartungshaltung zusammenfasst. Die Frage nach dem Wert der Information ist überhaupt nicht trivial - denn wie kann der Nutzen von etwas bestimmt werden, das man benutzen muss, um diesen Nutzen abzuschätzen! Dieses Paradoxon lässt den angeblichen Warencharakter der Information zumindest fraglich erscheinen. Da man Information als Ware ansieht, wurde schnelle die Frage erhoben, was uns eine Information, mit der wir ein Problem lösen wollen, wirklich kostet und was diese Information wirklich wert ist.

Bei den Kosten einer Information sind wir uns schnell einig - aber beim Wert, beim Nutzen einer Information fällt uns die Antwort nicht leicht. Wir könnten annehmen, dass wir ein Problem mit Hilfe einer verfügbaren Information besser lösen als ohne. Und damit wäre ein Mass für die Information das Ausmass der Ungewissheit, die mit eben dieser Information aufgehoben wird. In diesem Zusammenhang muss man doch sehr kritisch hinterfragen, wie man von einem ROI von 43% sprechen kann, der angeblich die Verzinsung des bei der Entwicklung eines MIS oder Data Warehouse eingesetzten Kapitals beziffert.

"Information" hat nun einmal keinen Wert an sich - nur ihr Empfänger kann diesen Wert beurteilen.
Reine Erstmaligkeit, Neuigkeit einer Information (informationstechnisch: "Rauschen") führt nämlich genauso wenig zu einer Wirkung wie die reine Bestätigung des Vorwissens ("Redundanz"). "Information" muss also irgendwo dazwischen liegen.
Beispiel: Nehmen wir die Management-Berichte in papierner oder Bildschirm-Form oder die Grösse eines Data Warehouses: Ihre Vervielfachung in den letzten Jahren ist überhaupt noch keine Garantie dafür, dass auch die Information in gleichem Masse gewachsen ist. Man kann davon ausgehen, dass jeder Bericht einen gewissen Anteil an Neuigkeit (Information), an Redundanz (Wiederholung) und auch an Rauschen (Unverständlichem) enthält. Ohne ein Minimum an Information würde er wohl vom Empfänger abgelehnt, ohne den Teil an Redundanz (z.B. Vorjahresvergleiche) würde er nicht verstanden werden - und das informationstheoretische Rauschen ist bei unter-schiedlichen Empfängern nicht vermeidbar.

Von Information zu Wissen
Es erscheint also zweckmässig zu sein, zwischen Information und Wissen zu unterscheiden, um den Wert einer Information bewerten zu können. Und dieser Wert besteht darin, dass eine Mitteilung eine neue (und nachprüfbare) Behauptung über das uns "interessierende" Thema enthält, die unser Wissen erweitert. Statt "nachprüfbar" kann auch von "vertrauenswürdig" gesprochen werden - eine Information, der wir nicht vertrauen können, ist kaum etwas wert. Und jetzt kommt ein weiteres Paradoxon: Dieses Vertrauen richtet sich weniger auf den Inhalt der Information, sondern vor allem darauf, ob man der Quelle der Information trauen kann. Damit entsteht nun auch die Frage, ob in einem Data Warehouse oder im Internet Wissen oder lediglich Daten gespeichert sind, aus denen durch Interaktion für den Menschen Informationen werden, die eventuell sein Wissen erhöhen können.
Und damit kommen wir zur grossen Herausforderung an die Gestaltung und Aussagekraft von allen MIS-Lösungen, Planungs- und Berichtssystemen: Man muss schon wissen, was alles gemeint sein könnte, bevor man weiss, was gemeint ist. Oder anders ausgedrückt: Die Fragen muss man kennen, sonst kann man mit den Antworten nichts anfangen (Klaus Kornwachs).


Qualität von Entscheidungen
Wissen war in der Wirkungskette von oben nur Mittel zum Zweck: Kommen wir nun mit mehr Wissen zu besseren Entscheidungen?
In Entscheidungssituationen wird mit gewissen Zielvorstellungen zwischen Alternativen ausgewählt. Ich muss also wissen, was ich will, um mich entscheiden zu können, und ich muss Wissen über die Alternativen haben (Bei eindeutigen Zielen und vollständigem Wissen gibt es keine Entscheidung mehr).
In der Praxis gibt es damit zwei Problemtypen - und Kombinationen davon:

  1. Eine unscharfe Zielfunktion (wir wissen nicht so genau, was wir wollen) führt zwangsläufig zu unsicheren und auch zu nachträglich nicht bewertbaren Entscheidungen (!)
  2. Fehlendes Wissen (Unfähigkeit, schlechte Systeme) führt zu Fehleinschätzung von Alternativen und damit Fehlentscheidungen,


Wenn wir mit unseren MIS- und Data Warehouse-Lösungen immer bessere Informationen bereitstellen, bleibt dann für die Entscheider zukünftig nur noch die Aufgabe der Zielformulierung - und die Entscheidung wird trivial? Anders gefragt: Wenn man wüsste, was man wirklich will, träfe man dann auch immer die richtige Entscheidung?
Fazit: Auch die im schnellsten MIS oder grössten Data Warehouse eingelagerten Informationen können ohne die richtigen Fragestellungen nie zu richtigen Antworten führen.


 

 

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