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Ian Walsh

MA, MBA ist President des Ian Walsh Consulting Networks in Wiesbaden

 

Personal-Controlling: Schlüssel zum strategischen HR-Management

Wie keine andere Funktion im Unternehmen beschäftigt sich das Personalwesen seit Jahren mit der Frage seiner Rolle im Unternehmen. Die meisten Personalchefs sind sich inzwischen einig, dass ihre Aufgabe aus mehr als nur einer ordentlichen Verwaltung besteht: Zu wenige von ihnen sind aber in der Lage, durch ihr Tun der strategischen Bedeutung der human resources gerecht zu werden. Laut Schätzungen des amerikanischen Gurus Jac Fitzenz verstehen bzw. nutzen höchstens 20% der HR-Manager ihre Möglichkeiten, einen Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung im Unternehmen zu leisten. Grund dafür sind freilich in erster Linie die Unternehmensleiter, die sich mit einem besseren Sachbearbeiter als Personalchef zufrieden geben. Ehrgeizige Personaler jedoch können einiges tun, um ihren Einfluss bei der Formulierung und Umsetzung von Strategien geltend zu machen. Mit dem Instrumentarium des Personal-Controllings können sie nicht nur sicher sein, dass sie zur Wertschöpfung beitragen: Sie können dies auch dokumentieren.

Personal-Controlling als Steuerungsprozess
Ist Personalmanagement ein Prozess, wodurch der richtige Mitarbeiter mit der richtigen Qualifikation, zu den richtigen Kosten zur richtigen Zeit am richtigen Platz sitzen soll, so kann Personal-Controlling diesen Prozess steuern und dessen Erfolg messen. Es kann auch als Frühwarnsystem funktionieren. Bei solchen Vorteilen ist es erstaunlich, dass sich auf meine Frage anlässlich eines internationalen Seminars für Personalchefs, wer sich mit Personal-Controlling beschäftige, nur vier von über zwanzig Teilnehmern meldeten. Was machen denn die Anderen den ganzen Tag?

Und welche Fragen stellen sie sich? Denn Personal-Controlling verlangt Antworten auf Fragen wie: Was darf die Rekrutierung kosten? Wie wirksam sind unsere Weiterbildungsmassnahmen? Was müssen wir für Personalmarketing ausgeben? Wie effektiv gehen wir mit Veränderungen um? Das sind alles strategische Fragen, die auf Wettbewerbsvorteile im Markt zielen.
Was man nicht messen kann, kann man bekanntlich nicht managen. Deshalb braucht der Personalchef bei der Vielfalt an Personalprozessen unterschiedliche Messwerte, d.h. Kennzahlen. Aber welche Kennzahlen sind relevant und wie kommt man zu den richtigen Messwerten für die weichen Faktoren des Human Resources Managements? In diesem Punkt hat sich auf dem Gebiet des Personal-Controllings in den letzten Jahren einiges getan.

Bis vor kurzem waren - meist wegen der Interessenslage der Geschäftsleitung - hauptsächlich Erbsenzählerei und Personalkostenreduzierung gefragt. Durch Personal-Controlling versuchten Personaler ihre Arbeit zu rechtfertigen. Heute kann man eher zwischen strategischen Investitionen und operativen Kosten unterscheiden: Erst in der Kombination mit dem Wertschöpfungspotenzial können die Kosten einer Massnahme richtig bewertet werden.

Die Schritte zu strategisch relevanten Kennzahlen
Zuerst müssen die Erfolgsfaktoren im Markt analysiert werden. Worauf kommt es in den Märkten unseres Unternehmens an? Warum kauft man von uns? Welche Voraussetzungen müssen wir erfüllen, um erfolgreich zu sein? Was unterscheidet uns von unseren Wettbewerbern? Dabei sind die eigenen Stärken und Schwächen nüchtern einzuschätzen. Selbst die erfolgs- und traditionsreichsten Unternehmen mussten in den letzten Jahren lernen, dass vermeintliche Stärken wie beispielsweise "sichere Arbeitsplätze" in der Tat keine waren.

Der zweite Schritt liegt in der Definition der Ressourcen an Fähigkeiten, Wissen und Organisationskapital, die für die Erfüllung der Erfolgsfaktoren nötig sind. Ein einfaches Beispiel: Der Trend zu mass customisation - die Massenfertigung individuell massgeschneiderter Waren - verlangt unter anderem weniger aber hochqualifizierte, flexible Mitarbeiter. Diese verlangen wiederum ein Arbeitsumfeld, das mit herkömmlichen Fabrikhallen nichts mehr zu tun hat.
Im dritten Analyseschritt wird nun dieses Soll mit dem Ist verglichen: Was können unsere Menschen? Welche Grenzen setzt unsere Unternehmenskultur? Reichen unsere bestehenden Fähigkeiten für neue Märkte und Strategien aus?
Aus der Analyse entstehen Massnahmen, deren Erfolg mit Kennzahlen gesteuert werden kann. Mitarbeiterbefragungsergebnisse können Informationen über Führungs- und Produktivitätspotenzial geben. Die Investitionen in Teambildungsmassnahmen können relevant sein, wie auch die Anzahl der beherrschten Fähigkeiten pro Mitarbeiter. Wahrscheinlich sind die absoluten Personalkosten weniger interessant als das Verhältnis Personalkosten/Gewinn.

Humanvermögen und Shareholder Value
Was Personal-Controlling sehr aktuell macht, ist die gegenwärtige Diskussion in den USA über die Bewertung der intangible assets (unfassbare Vermögen), denn ein immer grösserer Anteil des Unternehmensvermögens und der Wertschöpfung besteht heute nicht aus Gebäuden, Maschinen und Grundstücken, sondern aus Wissen, Innovationskraft und Kundenzufriedenheit.

Müssen die Unternehmen zukünftig gründlicher über den Wert ihres Humankapitals nachdenken, so ist der Personalchef gefragt. Und Personalcontrolling kann die Brücke zwischen der strategischen Personalarbeit und shareholder value bauen.


 

 

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