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Al Ries

Amerikanischer Marketing-Experte und Brandingspezialist. Er ist Autor diverser Bestseller u.a. «Die unumstösslichen Gebote des Branding» und Referent beim ZfU.

 

Alle Macht den Marken - denn Werbung glaubt keiner!

Al Ries: "Alle Macht den Marken - denn Werbung glaubt keiner!"

Das Wort "Branding" wird im Zusammenhang mit ganz verschiedenen Begriffen verwendet, dem Branding-Konzept an sich, einem Markenprodukt oder dem Firmennamen. Worin sehen Sie Unterschiede?

Al Ries: Eine Marke ist ein Name, der in unserem Bewusstsein verankert ist. Die meisten Menschen denken als erstes an Marken wie Mercedes oder Rolex. Aber auch Länder sind Marken, wie die Schweiz und ihre wichtigsten Merkmale - wie z.B. Alpen, Schnee oder Schokolade sind uns allen ein Begriff. Auch Ihre Marke, mit einem Wort Ihr Name, ist im Bewusstsein der Menschen, die Sie kennen, verankert. Beim Branding geht es nun darum sicherzustellen, dass die Marke für etwas Positives steht und natürlich auch für etwas, das den Verkauf des Produkts oder der Dienstleistung steigert. Man sollte ständig darauf achten, wofür eine Marke steht, und zwar bei der Botschaft, dem Produkt, den Dienstleistungen und allem, was dazu gehört.

Fokussierung auf eine Marke: Sollen internationale Unternehmen mit Produkte-Vielfalt ein Einzelmarken-Konzept umsetzen?

Al Ries: Nein, ich bevorzuge verschiedene Marken für jedes einzelne Produkt. Eine kleine Firma kann eine einzige Marke haben, z.B. Zippo-Feuerzeuge. Das Unternehmen Zippo stellt ein Produkt, eben Zippo Feuerzeuge mit der Markenbezeichnung Zippo her. Procter & Gamble (P & G) hat als Firma 100, ja sogar mehrere grosse Marken. Die durchschnittliche Firma ist also irgendwo zwischen dem Unternehmen Zippo und P & G angesiedelt. Einige Firmen haben zu viele Marken und andere haben zu wenige. Eine grosse Firma sollte keine kleinen Marken haben. Unilever ist gerade dabei, die Anzahl der Marken zu reduzieren. Ich begrüsse diese Entscheidung. Wenn Sie der Ge-
schäftsführer von Unilever sind, mit ca. 1600 Marken, dann wissen Sie doch nicht einmal deren Namen, geschweige denn, wie Sie diese managen sollen. Eine grosse Firma sollte also nicht in das Geschäft der "kleinen" Marken einsteigen; eine grosse Firma sollte nicht auf einem kleinen Markt vertreten sein. Das heisst nicht, dass sie dem Markt nicht gewachsen wäre, sondern, dass sie das Unternehmen nicht zufriedenstellend wird führen können.

Man schätzt, dass in Deutschland für die Markteinführung zum Beispiel eines neuen Bieres oder einer neuen Schokolade ungefähr 115 Millionen Deutsche Mark allein an Werbekosten aufgebracht werden müssen. Was halten Sie davon?

Al Ries: Werbung und Marketing allein haben keine Glaubwürdigkeit. Denken Sie nur ans Kino. Man liest Filmkritiken in der New York Times, man liest Bücher, die von anderen rezensiert wurden. Warum? Weil die Menschen der Werbung nicht glauben. Wenn aber in der New York Times steht, dass es ein fantastischer Film ist, dann sagt man sich, dass es ein fantastischer Film sein muss, wenn die New York Times das schreibt. Man soll nie davon ausgehen, dass Menschen glauben, was man sagt. Eine Marke wird durch Publicity etabliert und durch Werbung wird sie erhalten.

Aber auf der anderen Seite sind einige Produkterweiterungen, oder viele davon, sogar sehr erfolgreich.

Al Ries: Dazu gibt es einiges zu sagen. Erfolg ist nicht gleich der Stärke eines Produktes. Mercedes ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Die Verkaufszahlen von Mercedes sind in Europa und in den Vereinigten Staaten steigend. Gleichzeitig nimmt das Prestige, die Stärke der Marke, ab. Eine Produkterweiterung ist hier sinnvoll und man nennt das dann Erfolg, was es ja auch ist. Manches Mal aber natürlich auf Kosten der Marke . . .


 

 

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