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Villa Diana
Lernen als Weg

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Dr. Tom Sommerlatte

ZfU-Faculty: Supply-Chain-Management / F & E / Produktion
Fachbereich Innovation
Lehrauftrag für Innovations-Management

Vice President bei Arthur D. Little Inc. in Wiesbaden

 

Strategische Allianz statt Kunden/Lieferanten-Verhältnis ? der bessere Weg

In vielen Unternehmen stellen die Kosten des hinzugekauften Materials und der von aussen in Anspruch genommenen Dienstleistungen heute weit mehr als 50 Prozent des Umsatzes dar - mit steigender Tendenz. Da ist es nur folgerichtig, der Beschaffung eine strategische Bedeutung beizumessen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um so kostengünstig wie möglich einzukaufen. So ist Beschaffungsmanagement heute ins Rampenlicht unternehmerischer Aufmerksamkeit gerückt. Die Konsequenz dieser Entwicklung sind strategische Allianzen, bei denen oft eine relativ hohe wechselseitige Abhängigkeit besteht.

Paradebeispiel sind Hersteller von technischen Systemen, die einzelne Module nur von einem oder sehr wenigen Lieferanten beziehen können - und beide Seiten müssen sich oft mit der Bedrohung durch neue Technologien auseinandersetzen. Hier ist "smart", wenn Lieferant und Beschaffer von vornherein ein auf Offenheit und Vertrauen beruhendes Win-Win-Verhältnis aufbauen und auch unter schwierigen Marktbedingungen wahren. Smart ist nicht, Kostendruck auf den Partner abzuwälzen. Smart ist vielmehr, das gemeinsame Entwicklungs-, Fertigungs- und Logistiksystem auf Effizienz- und Flexibilitätspotenziale hin zu untersuchen und dementsprechend zu verbessern.

Smart ist vielmehr eine ständige Abstimmung, sodass beide Partner das Umsatzentwicklungsrisiko von Anfang an durchschauen und sich konzentriert darauf einstellen können.
Smart ist nicht, den Partner seine Abhängigkeit dadurch spüren zu lassen, dass intransparente Kosten- und Preispositionen bezogen werden. Smart ist vielmehr, Abhängigkeitssensitivitäten durch ein gegenseitiges Lernen und Verstehen abzubauen, basierend auf der Bereitschaft, die Last gemeinsam zu tragen und alte Zöpfe, die der andere nachweist, auch abzuschneiden. Es geht daher in immer stärkerem Mass um ein Beziehungsmanagement.

Auf der anderen Seite des Tisches sitzen Vertriebsleute, die in der Regel einen Tourenplan abarbeiten und nach Umsatzvorgaben gemessen werden, die aber wenig Zeit für Innovationen, Erforschen von Kundennutzen und Problemlösungen "verschwenden" können. Beziehungsmanagement hat die grössere Zukunft, denn hierbei entsteht Wettbewerbsdifferenzierung, die vom Lieferanten zum Kunden und dessen Kunden weitergereicht werden kann. Hierbei entsteht neuer Kundennutzen als Ergebnis eines Ideenaustauschs.
In solchen Situationen hat der "Einkauf" eine umfassendere Aufgabe als das Verhandeln mit dem Lieferanten. Er muss die richtigen Verantwortungsträger des oder der Lieferanten mit den richtigen Verantwortungsträgern in der eigenen Organisation in Beziehung setzen und diese Beziehung als Win-Win-Relationship steuern.

Ziel ist der dauerhafte Differenzierungs- und Kosten-Leistungs-Vorsprung des beschaffenden Unternehmens durch eine optimale Komplementarität mit dem liefernden Partner. Je schwieriger diese Komplementarität zu entwickeln ist, um so strategisch wirksamer ist sie in der Regel - den guten Willen beider Seiten vorausgesetzt. Der Prozess dieses organisationalen Lernens selber ist erlernbar. Der Prozess besteht aus einem Zyklus mit fünf Abschnitten:

  1. Abstimmen der Zukunftsvisionen des beschaffenden und der von ihm ausgewählten Lieferunternehmen
  2. Charakterisierung des Deltas zwischen der angestrebten Zukunft und dem Status quo sowie der Barrieren auf dem Weg zur gemeinsamen Zukunft
  3. Einkreisen der wichtigsten Hebelpunkte, um die identifizierten Barrieren zu überwinden und um die Zusammenarbeit in Richtung auf die angestrebte Zukunft zu entwickeln
  4. Gemeinsame Massnahmenplanung und Vereinbarung von Spielregeln
  5. Ausführen, Steuern und Korrigieren

Wenn wir alle in Europa in dieser Hinsicht Fortschritte machen würden, wäre viel gewonnen, denn einer der Trümpfe europäischer Unternehmen im internationalen Wettbewerb ist immer noch die Beziehungsinfrastruktur im europäischen Heimmarkt. Sie kann gezielt durch strategische Allianzen zum Wettbewerbsvorteil gemacht werden.


 

 

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