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Monika Roth

Advokatin und Wirtschaftsmediatorin, spezialisiert auf inner- und zwischenbetriebliche Konflikte sowie auf Coaching von Führungskräften.

 

Mediation - oder: wie, bitte, löst man Konflikte?

Meinungsverschiedenheiten und Differenzen gehören zum Alltag. Wenn unterschiedliche Auffassungen in Ausmass und Intensität aber einen gewissen Grad überschreiten und damit zu eigentlichen Konflikten werden, so kann das die Qualität des privaten und wirtschaftlichen Lebens beeinträchtigen und negative Folgen zeigen. Gerade in der heutigen Zeit ist das Konfliktpotential hoch: Der wirtschaftliche Druck, die sich oftmals Schlag auf Schlag ablösenden Veränderungsprozesse und die damit verbundene Unsicherheit, Ungewissheit und Belastung fordern ihren Preis. Sie erzeugen Stress und erschweren den Umgang mit Sachproblemen, insbesondere den Dialog mit andern.

Es gibt verschiedene Wege, um Konflikte zu regeln. Da ist einmal die gewaltsame Erledigung, die Lösung mittels Machtausübung, also durch Druck einer der beteiligten Parteien. Dann gilt auch die Austragung der Differenzen vor staatlichen Gerichten oder vor Schiedsgerichten als Konfliktlösungsverfahren; dabei entscheidet ein Aussenstehender (der Richter bzw. der Schiedsrichter) kraft seiner richterlichen Autorität und nur über die von den Parteien geltend gemachten Ansprüche.

In der Mediation bestimmen die Konfliktparteien selbst über die Lösung; sie delegieren diese Kompetenz nicht an einen "Aussenstehenden" wie z.B. den Personalchef oder den Vorgesetzten. Vielmehr bearbeiten und lösen sie ihren Konflikt mit Hilfe eines neutralen Dritten, der keine Entscheide in der Sache selbst trifft und der nur auf ausdrücklichen Wunsch einen möglichen Lösungsansatz unterbreitet.

Der neutrale Dritte, der Mediator, lenkt und begleitet das Gespräch und achtet insbesondere darauf, dass sachliche und emotionale Komponenten des Konfliktes nicht vermischt, sondern bewusst getrennt werden. Ebenso soll der Mediator die Parteien dabei unterstützen, ihre eigentlichen Interessen einerseits und die eingenommenen Positionen anderseits zu differenzieren und zu artikulieren. Durch gezielte Fragen und mit Fingerspitzengefühl lotet er aus, worum es im Grunde genommen und von der Sache her jeder Seite geht. Diese eigentlichen Interessen der Parteien sind meist hinter der eingenommenen Position versteckt. Der Mediator, auf dessen Distanz und Diskretion sich die Beteiligten verlassen können, weicht so die verhärteten Fronten zwischen den Streitenden auf und führt sie damit aus der Sackgasse, aus der sie selber nicht mehr herausfinden.

Dieses Konfliktlösungsverfahren erweist sich auch für die Wirtschaft als effizientes und qualitätsvolles Vorgehen, und zwar innerbetrieblich wie auch in den externen Beziehungen eines Unternehmens. Wertvolle Kundenverbindungen können durch Streitigkeiten gefährdet oder gar vernichtet werden (z.B. Konflikte zwischen Bauherrn und Bauunternehmern oder zwischen Kunden und Versicherungen bei Schadenregulierungen).

Nicht alle Fälle und Konflikte eignen sich für Mediation; Mediation muss gesehen werden als eine Variante der Streiterledigung: Sie ist quasi Bestandteil eines Buffets von Möglichkeiten, von dem sich die Parteien bedienen können. Man kann die andere Partei auch nie zwingen, sich auf das Prozedere einer Mediation einzulassen, denn die Freiwilligkeit bildet eine gewichtige Voraussetzung. Es gibt auch Menschen, welche die Entscheidung gerne an einen Dritten delegieren und es als entlastend empfinden, wenn fremdbestimmt wird, was zu tun ist.

Nicht jeder, der über Mediation Bescheid weiss, ist auch ein Mediator. Allerdings sind Kenntnisse über Konflikte, ihre Entstehung und Eskalation für jeden Manager eigentlich ein Muss. Die tägliche Kommunikation mit Mitarbeitenden, Kunden und weiteren Dritten, die Entscheidfindungsprozesse u.a.m. werden erleichtert, wenn die Wahrnehmung sich nicht nur auf die Sache an sich, sondern auch die Sichtweisen der Beteiligten erstreckt. Offenheit und Verständnis für unterschiedliche Wahrnehmungen und Betrachtungsweisen sind nämlich für einen Dialog und eine Konfliktlösung unentbehrlich.

Es kommt dazu, dass das Beispiel von innerbetrieblichen Konflikten aufzeigt, dass solche Streitigkeiten viel Geld und Energien absorbieren - Kräfte also, die anders besser eingesetzt werden könnten. Innerbetriebliche Streitigkeiten bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Es ist für das Gelingen einer Konfliktlösung unabdingbar, das Umfeld, die verschiedenen Wahrnehmungen der Beteiligten und ihre Erwartungen miteinzubeziehen. Der Mediator wird zum Beobachter, der abklärt, wie das Gesamtbild sich darstellt. Daraus ergibt sich, dass es sich in der Regel - je nach Unternehmen(skultur) und Konfliktart - als sinnvoll erweist, zunächst eine Konfliktanalyse zuhanden des Auftraggebers, welcher oft der Arbeitgeber ist, vorzunehmen. Dies muss einerseits schnell, anderseits aber auch gestützt auf ausführliche Gespräche vorgenommen werden; denn oft ist das Bild, das sich dann ergibt, ein anderes, als es auf den ersten Blick zu sein scheint Die Erfahrung zeigt, dass bereits die ersten Gespräche des Mediators mit den einzelnen Personen für diese wichtig sind: Als Signal, dass sie ernst genommen werden in ihren Fähigkeiten, Sichtweisen und Bedürfnissen.
Zusammenfassend ergibt sich, dass Kenntnisse über Konflikte, ihre Entstehung und ihre Eskalation, aber auch über die Möglichkeiten, sie zu lösen, zum Rüstzeug eines Jeden gehört, der Verantwortung trägt.


 

 

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