In Zeiten der Kosteneinsparungen, Prozessoptimierungen
und dem Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften
ist es usgesprochen wichtig, qualifizierte Bewerber
mit Potenzial zu identifizieren. Intuitiv geführte
Personalauswahlgespräche sind sehr unzuverlässig
und beinhalten einige Fallstricke.
Die richtige Personalauswahl bei Führungskräften
ist ein wesentlicher Beitrag zum Unternehmenserfolg.
Die Zuverlässigkeit der Bewerbereinschätzung
lässt sich steigern, wenn einige Kriterien eingehalten
werden.
Diese sind: Ein differenziertes Anforderungsprofil,
ein Gesprächsleitfaden, ein ausgewählter
Fragenkatalog und klare Überlegungen woran jeweils
erfolgreiches Verhalten im Interview beobachtet werden
kann. Ausserdem zwei Interviewer und möglichst
ein zusätzliches Testsystem zur Absicherung des
persönlichen Eindrucks.
In Zeiten der Kosteneinsparungen, Prozessoptimierungen
und dem Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften
ist es ausgesprochen wichtig, qualifizierte Bewerber
mit Potenzial zu identifizieren.
Führungskräfte entscheiden zu einem hohen
Masse über die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft
der Mitarbeiter und damit über den Erfolg einer
Abteilung oder des gesamten Betriebs.
Es zeigt sich zunehmend mehr, dass die Aufgaben der
Zukunft nur mit hoch qualifzierten Führungskräften
(fachlich und persönlich) zu bewältigen sind.
Eine falsch eingestellte Führungskraft verursacht
mindestens ein Jahresgehalt an Kosten, ohne dass hierbei
schon indirekte Kosten wie Auswirkungen auf stockende
Innovationsprozesse, Mitarbeitermotivation, Kunden
usw. berücksichtigt sind.
Intuitiv geführte Personalauswahlgespräche
sind sehr unzuverlässig und beinhalten einige
Fallstricke.
Diese Fallstricke lassen sich deutlich reduzieren,
wenn einige Einflussfaktoren beachtet werden.
Wichtige Anforderungskriterien an ein qualitativ hochwertiges
Interview sind:
1. Klares Anforderungsprofil (fachliche-
und Führungskompetenz)
2. Klarer Leitfaden bzw. Gesprächsstruktur
3. Sorgfältig abgestimmter
Fragenkatalog
4. Eindeutige Beobachtungsmerkmale
5. Sequenzielle Prüfung
der Anforderungskriterien und Mindestinterviewdauer
6. 2 Interviewer und als Ergänzung
eine Potentialanalyse (Führungstest)
Im Folgenden die Punkte im Detail
1. Klares Anforderungsprofil (Fachliche-
und Führungskompetenz)
Die Qualität der Auswahlentscheidung ist max.
so gut, wie das Anforderungsprofil. Nur wenn ein klares
differenziertes Anforderungsprofil definiert ist, können
im Interview, oder in weiteren unterstützenden
Diagnoseinstrumenten, wie z.B. Tests, die notwendigen
Fähigkeiten klar und differenziert geprüft
werden.
Beispiel eines Anforderungsprofils für Führungskräfte:
- Fachliche Kompetenz
- Berufserfahrung
- Teamfähigkeit
- Lernbereitschaft
- Führungsanspruch
- Durchsetzung
- Selbstvertrauen
- Konflikt- und Kritikfähigkeit
- Belastbarkeit
- strategische Orientierung
- Kommunikationsfähigkeit
- soziale Kompetenz
- systematisches Arbeiten
- Einfühlungsvermögen,
u.A. mehr.
Entscheidend ist,
dass das Anforderungsprofil auf die Firma und die Position
abgestimmt ist.
Wie wichtig ein realistisches Anforderungsprofil
ist, zeigt sich sehr schnell dann, wenn der
ideale Bewerber oder die ideale Bewerberin
nicht zu finden ist. In Zeiten mangelnder qualifizierter
Fach- und Führungskräfte ist dies
in der Praxis meist der Fall.
Wenn es jetzt darum geht, das ursprünglich
definierte Anforderungsprofil(das oft nur
einem Wunsch entspricht) abzuspecken, zeigt
sich wie notwendig die verschiedenen Anforderungskriterien
wirklich sind. Es ist entscheidend, dass
mindesten zwischen Musskriterien und „nice
to have“ unterschieden wird.
2. und 3. Klarer Leitfaden bzw. Gesprächsstruktur:
Sorgfältig abgestimmter und diagnostisch
sinnvoller Fragenkatalog
Die Aussagesicherheit bezüglich dem
späteren Erfolg der Führungskraft
auf der Grundlage eines Interviews ist sehr
niedrig. Gründe hierfür sind u.A.:
- Wie bereits oben erwähnt, das oft undifferenzierte
oder unrealistische Anforderungsprofil
- Zu geringe
Vorbereitung auf das Interview, so dass oft intuitiv
vorgegangen wird. In der Praxis lässt
sich oft beobachten, das es keine Gesprächsstruktur
für das Interview gibt.
- Ausserdem werden immer wieder verschiedene, z.T.
ungeeignete Fragen den unterschiedlichen Bewerbern
gestellt, so dass damit die Ergebnisse aus den verschiedenen
Interviews kaum miteinander verglichen werden können.
Inhaltlich bringen viele gestellte Fragen kaum wertvolle
Informationen.
- Darüber hinaus stossen wir schnell an unsere
Belastungsgrenze, wenn es im Interview zusätzlich
darum geht, das Gespräch „positiv und
werbewirksam zu führen”. Diese Probleme
werden noch dadurch verschärft, dass wir uns
bei der Beobachtung durch unsere Gefühle oft
zu früh leiten lassen und damit nur sehr schwer
die jeweilige Qualifikation prüfen können.
Wenn das Gespräch selbst stark gefühlsgesteuert
ist, haben Sie später keine Möglichkeit
mehr, Ihre subjektiven Eindrücke an Fakten festzumachen
und zu überprüfen.
Typische Beobachtungsfehler
sind dabei:
Kontrast-Effekt
Dieser Effekt entsteht dadurch, dass ein
sehr guter Bewerber, (der dann eventuell
absagt) andere, durchschnittlich qualifizierte
Bewerber schlecht aussehen lassen kann.
Hallo-Effekt:
Es kann vorkommen, dass ein persönliches
Merkmal besonders hervorsticht und man sich
dadurch blenden lässt. Wenn z.B. ein
Bewerber rhetorisch sehr gut ist, kann es
passieren, dass die anderen Faktoren dadurch
in den Hintergrund treten werden.
Effekt der Reihenfolge der Informationen:
Sehr wichtig ist der Effekt, den die Reihenfolge
der Informationen erzielt. Wenn zuerst ein
negatives Merkmal beobachtet wird, und dann
ein positives, so bleibt das negative länger
im Gedächtnis. Dieser Effekt ist vor
allem im Zusammenhang mit dem ersten Eindruck
wichtig. Deshalb ist es immer wieder wichtig
zu prüfen, ob sich der Eindruck vom
Bewerber über das Gesamtgespräch
hinweg verändert.
Milde-Effekt:
Der Milde-Effekt ist ein Fehler der dann
entsteht, wenn jemand zugibt, welche Schwächen
er hat oder sich spontan für ein Verhalten
entschuldigt. Es wird ihm dann verziehen
oder das Verhalten erhält einen geringeren
Stellenwert.
Wichtig ist es hierbei, sich immer wieder
die Fakten zu vergegenwärtigen.
Ähnlichkeiten:
Wenn wir Ähnlichkeiten mit einer bekannten Person feststellen, dann werden
auch verschiedene Eigenschaften hineininterpretiert, die diese bekannte Person
hat.
Lösung:
- Gesprächsablauf festlegen
- Fragenkatalog erarbeiten, aus dem immer wieder
Fragen verwendet werden. Somit bleiben Sie flexibel
und können ihre Fragen an die Situation anpassen.
Die Ergebnisse sind dadurch besser vergleichbar.
Auf Grund ihrer konkreten Erfahrungen können
Sie im Laufe der Zeit die Qualität der Antworten
besser bewerten. Ausserdem sind Sie dadurch in der
Interviewphase entlastet und können sich stärker
auf das Beobachten konzentrieren.
- Sich die möglichen Beobachtungsfehler immer
wieder bewusst machen.
4. Eindeutige
Beobachtungsmerkmale
Die meisten Fehler werden bei der Beobachtung und
damit bei der Bewertung des jeweiligen Verhaltens
gemacht.
Wenn Sie sich selbst prüfen, können
Sie feststellen, wie klar es ihnen selbst
ist, an welchen Aussagen oder Verhaltensweisen
des Bewerbers Sie zu der Erkenntnis kommen,
dass er z.B. „kritikfähig“ ist.
Haben Sie eine Vorstellung, was Sie hier
im Interview beobachten könnten? Deshalb
empfehle ich Ihnen, sich bereits im Vorfeld
des Interviews zu den wichtigsten Anforderungskriterien
einen sogenannten Beobachtungsbogen zu entwickeln.
Hier wird konkretisiert, welches Verhalten
zu schwach oder zu intensiv ist, oder der
Anforderung entspricht.
5. Sequenzielle Prüfung der
Anforderungskriterien und Mindestinterviewdauer
Die Aussagefähigkeit über die Kompetenz
des Bewerbers wird dadurch verbessert, in
dem Sie die einzelnen Anforderungskriterien
jeweils getrennt und sequenziell „prüfen“.
Sie behalten so besser den Überblick
und die gegenseitige Beeinflussung der einzelnen
Beobachtungen wird weitgehend verhindert.
Damit reduzieren Sie eine wesentliche Fehlerquelle.
Ausserdem dauert ein systematisch geführtes
Interview zur Feststellung der Führungskompetenz
mindestens 1 ½ bis 2 Stunden, zuzüglich
der Prüfung der fachlichen Fähigkeiten.
Besser ist es, zwei Interviews zu führen,
da sich Bewerber im zweiten Gespräch
meist anders verhalten und Beobachtungen
aus dem ersten Interview können vertieft
bzw. ergänzt werden.
6. Zwei Interviewer
und als Ergänzung eine Potenzialanalyse
(Führungstest)
Viele Fehler können Sie durch einen
zweiten Interviewer reduzieren. Somit kann
sich immer eine Person auf den Gesprächsfluss
konzentrieren und die andere Person auf das
Beobachten. Diese Beobachtungen können
später wieder aufgegriffen und vertieft
werden.
Ich empfehle Ihnen auf Grund der niedrigen
Zuverlässigkeit der Aussage über
die Erfolgswahrscheinlichkeit des Bewerbers,
zusätzlich ein Testsystem/Potenzialanalyse
zur Absicherung Ihres subjektiven Eindrucks
zu machen. Untersuchungen zeigen, dass es
mit sehr gut durchgeführten Interviews
möglich ist, bis zu 45 % des späteren
Verhaltens zu prognostizieren. Qualitativ
hochwertige Potenzialanalysesysteme können
bis zu 75 % des späteren Verhaltens
beschreiben, so dass eine Kombination sinnvoll
ist.
Im Moment gibt es am Markt eine Vielzahl
solcher Systeme, die jedoch meist den notwendigen
praktischen Anforderungen oder wissenschaftlicher
Gütekriterien nicht standhalten.
Durch eine konsequente Umsetzung der obigen
Punkte werden Sie die Trefferquote bei der
Auswahl von Führungskräften deutlich
erhöhen.