myzfu
Villa Diana
Lernen als Weg

Fachartikel

nach Referenten sortiert

Artikel
 

Beat Schillig

lic oec. HSG, Geschäftsführender Partner des IFJ Instiut für Jungunternehmen, St. Gallen und des KMU-Portals eStarter.ch

 

Businessplan - Schaumschlägerei als Voraussetzung für den Erfolg?


Seit dem Fiasko an den Börsen werden Businesspläne von potentiellen Investoren durch eine ganz andere Optik betrachtet. Wer im Boom die Gunst der Investoren erobern wollte, musste in seinem Businessplan wahnwitzige Expansionsstrategien präsentieren. Heute ist die grenzenlose Euphorie einer grundsätzlichen Skepsis auch gegenüber innovativen unternehmerischen Vorhaben gewichen. Businesspläne müssen daher auf realistischen Marktchancen und tragfähigen Stärken seitens des Unternehmens beruhen. Gefragt ist nicht mehr Schaumschlägerei, sondern eine solide und konsistente Planung als Voraussetzung für den Erfolg. Nachfolgend wird aufgezeigt, in welchen unternehmerischen Situationen die Erstellung eines Businessplan angezeigt ist und wie ein Businessplan abgefasst sein muss, damit er zum Erfolg führt.

Businessplan als strategisches Führungsinstrument

Ein Businessplan ist die knappe und präzise Darstellung eines geschäftlichen Vorhabens mit einer besonderen Betonung der finanziellen Aspekte. Die Dokumentation sollte einerseits auf den minimalsten Umfang konzentriert und andererseits sehr aussagekräftig sein. Idealerweise liegen zu den einzelnen Kapiteln detaillierte Analysen, Konzepte und Massnahmenpläne etc. vor, welche bei Bedarf beigelegt oder in den Verhandlungen zur Untermauerung eingesetzt werden können.

Ein Businessplan dient dem Management,

  • zukunftsweisende Projekte optimal vorzubereiten, zu planen und zu kommunizieren.
  • die Erfolgschancen eines Projektes aufgrund der finanziellen Konsequenzen und anhand von Risikoabwägungen schlüssiger zu beurteilen.
  • das Projekt basierend auf erkannten Risiken und Schwächen laufend weiter zu entwickeln und zu verbessern.
  • Projekte strategischen Partnern (Shareholder und Stakeholder) überzeugend zu "verkaufen" und diese für ein Engagement zu begeistern.


Partner gewinnen dank Businessplan

Einerseits ist die Ausarbeitung eines Businessplans in jedem Fall sinnvoll, um sich Klarheit über die Erfolgschancen und das konkrete Vorgehen bei der Umsetzung einer Geschäftsidee zu verschaffen. Andererseits ist ein professioneller Businessplan fast zwingende Voraussetzung, wenn Unternehmer für die Realisierung ihres Vorhabens auf Partner angewiesen sind. Gegenüber potentiellen Partnern müssen Unternehmer ihr Projekt überzeugend kommunizieren können und ihnen vertrauenserweckende Entscheidungsgrundlagen liefern. Dafür hat sich die Form des Businessplans einzigartig bewährt. Für professionelle Investoren und auch bei Banken ist das Vorhandensein eines Businessplans eine Grundvoraussetzung, damit man sich überhaupt mit einem Projekt auseinandersetzt.

In folgenden Situationen leistet ein Businessplan wertvolle Dienste:

  • Vorbereitung auf die Firmengründung
  • Kauf oder Verkauf von Unternehmen; Management Buy-out; Spin-off's
  • Nachfolgeplanung und -regelung
  • Planung wichtiger Expansionsschritte wie Aufbau von Exportmärkten, neue Standorte, Einführung neuer Produkte etc.
  • Sicherstellung von Finanzierungen (Venture-Capital-Gesellschaften, Banken, Bürgschaftsgenossenschaften, Leasinggesellschaften etc.)
  • Gewinnen von Partnern (Distributoren, Franchisepartner, Lieferanten, Netzwerkpartner etc.)
  • Behördengänge (Unterstützungsgsuche für die Wirtschaftsförderung etc.)
  • Effektive und effiziente Zusammenarbeit mit Unternehmensberatern
  • Akquisition von Key Accounts


Keine Finanzierung für Startups ohne Businessplan

Mangelnde Finanzen stellen für viele Unternehmer das zentrale Problem bei der Firmengründung und oft auch bei nachfolgenden Expansionsschritten dar. Ohne überzeugenden Businessplan lässt sich jedoch kaum Kapital beschaffen. Mit der Sicherstellung der Start-Finanzierung allein ist es nicht getan. Das Finanzierungsthema begleitet das Unternehmen während seiner ganzen Existenz, welche leider wegen einer schlechten Planungsarbeit oft nur kurz ist (50% der Startups überleben die ersten fünf Jahre nicht).

Mit der Formulierung eines konsistenten Businessplans ist das Startup-Unternehmen gefordert, den Beweis anzutreten, dass das Projekt das Ideenstadium verlassen hat. Im Rahmen dieser anspruchsvollen Arbeit reift das Projekt erfahrungsgemäss entscheidend. Die ursprüngliche Idee erfährt oft massgebliche Korrekturen oder wird gar ganz verworfen. Mit schönen Worten allein lässt sich heute kaum mehr ein Partner finden, welcher die Finanzierung mit Aktienkapital, Darlehen oder Leasing sicherstellt. Bei der herrschenden Zurückhaltung der Banken braucht es überzeugendere Argumente: Neben der Persönlichkeit des Unternehmers, guten Produkten und einem aktiven Verkauf ist vor allem ein aussagekräftiger und fundierter Businessplan gefragt.


Ein Businessplan überzeugt durch seine logische Struktur

Um potentielle Partner zu überzeugen und für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, ist für die Darstellung des Projektes ein logischer, gut strukturierter Aufbau empfehlenswert. Im Anschluss an einen kurzen Beschrieb der Ausgangslage und der Grundidee interessieren die hinter dem Projekt stehenden Personen und deren Anträge besonders. Diese Informationen werden in einem kurzen Management Summary festgehalten.

Im Businessplan werden zuerst die zu erschliessenden Strategischen Geschäftsfelder (SGF's), resp. Zielmärkte definiert. Basierend auf einer Analyse des Markt- und Konkurrenzumfeldes, sowie der eigenen Voraussetzungen werden die strategischen Stossrichtungen und Prioritäten für die nächsten Jahre festgelegt. Um die definierten Wachstumsziele zu erreichen, müssen geeignete Massnahmen im Bereich Marketing und Infrastruktur sowie klare Meilensteine für die Umsetzung des Businessplans fixiert werden. Abschliessend werden den anvisierten Umsatzzielen die zu deren Erzielung notwendigen Investitionen und anfallenden Kosten gegenübergestellt, um einerseits den finanziellen Erfolg des Plans zu berechnen und andererseits den Kapitalbedarf zu ermitteln.

*********************************************

Kasten: Checkliste zum Businessplan

1. Management Summary

  • Vision
  • Wachstumsziele
  • Anträge
  • Argumente
  • Bisherige Resultate
  • Bilanzanalyse
  • Rechtsform
  • Schlüsselpersonen

2. Strategische Geschäftsfelder

  • Beschrieb
  • Kunden
  • Kundenbedürfnisse
  • Produkte
  • Kanäle
  • Regionen
  • Know-how

3. Analyse (pro Strategisches Geschäftsfeld)

  • Marktbeschrieb / -situation
  • Konkurrenz
  • Kundenanalyse
  • Chancen im Markt und im Marktumfeld
  • Gefahren im Markt und im Marktumfeld
  • Stärken unseres Unternehmens
  • Schwächen unseres Unternehmens
  • Wichtigste Herausforderungen

4. Strategie (pro Strategisches Geschäftsfeld)

  • Kernkompetenzen (SEP's)
  • Wichtigste geographische Märkte
  • Marktpartner
  • Wachstumsziele
  • Wichtigste Teilmärkte / Produktgruppen
  • Wichtigste Kunden
  • Marketing-Massnahmen
  • Lieferanten / externer Support
  • Entwicklung / Innovation
  • Infrastruktur
  • Produktion / Lager
  • Standort
  • Organisation
  • Personalplanung
  • Cashflow-Entwicklung
  • Qualitätsmanagement / Controlling

5. Realisierung (pro Strategisches Geschäftsfeld)

  • Meilensteine
  • Analyse potentieller Probleme

6. Finanzen

  • Planerfolgsrechnung
  • Investition / Desinvestiton
  • Leasing
  • Liquidität
  • Kapitalbedarf

7. Beilagen

(Quelle: Toolbox auf www.eStarter.ch mit kostenlosen Vorlagen und Muster-Businessplänen)

****************************************

Kasten: Tipps zum Businessplan

1. Tipp: Massarbeit für den Empfänger bieten
Bei wem wollen Sie mit Ihrem Businessplan ganz konkret welche Ziele erreichen? Passen Sie Ihren Businessplan bezüglich Anträgen, Argumenten, Formulierungen, Beilagen etc. dem jeweiligen Empfänger an. Unter Umständen werden Sie aus diesem Grund verschiedene Versionen ausarbeiten müssen. Betrachten Sie Businessplan-Checklisten und -Nustervorlagen deshalb lediglich als Orientierungshilfe.

2. Tipp: Einen guten ersten Eindruck machen
Auch beim Businessplan zählt der erste Eindruck des Empfängers. Achten Sie auf eine attraktive "Verpackung" und aussagekräftige und übersichtliche Beilagen.

3. Tipp: Konsistenz der Planung prüfen
Achten Sie bei Ihrem Businessplan darauf, dass er in sich stimmig ist: Können die gesetzten Umsatzziele mit den definierten Marketingmassnahmen und mit der Personalplanung erreicht werden? Halten die Anpassungen der Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt? Sind sämtliche anfallenden Kosten und notwendigen Investitionen berücksichtigt? Ist die terminliche Umsetzung realistisch?

4. Tipp: Den "Worst Case" berücksichtigen
Zur eigenen Sicherheit empfehlen wir Ihnen, bei der Finanzplanung unbedingt verschiedene Szenarios durchzurechnen: Einen realistischen "Management Case" mit Ihren effektiv budgetierten Zielen und einen "Worst Case", wo alles "doppelt so lange dauert und doppelt soviel kostet, aber in derselben Zeit nur die Hälfte des Umsatzes erzielt wird...".

5. Tipp: Monatliche Standortbestimmung vornehmen
Der Businessplan schafft die nötigen Voraussetzungen für ein monatliches Controlling, d.h. einen konsequenten Soll-Ist-Vergleich von Kundenkontakten, Offerten, Aufträgen, Umsätzen, Kosten und v.a. der Liquidität.

6. Tipp: Businessplan regelmässig aktualisieren
Obwohl der Businessplan auf die nächsten 3 Jahre ausgelegt ist, muss der Planungsprozess dynamisch erfolgen. Passen Sie Ihren Businessplan laufend den aktuellen Gegebenheiten und neuen Prioritäten an. Lassen Sie Erkenntnisse aus Ihrem monatlichen Controlling wieder in Ihren Businessplan einfliessen (mindestens 1 Mal jährlich).


 

 

  • ZfU International Business School
  • Im Park 4 - CH-8800 Thalwil/Zürich
  •