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Brigitte Heitfeld
Sie ist freie Journalistin, zuvor während 7 Jahren Korrespondentin für deutsche Tageszeitungen in der Medienmetropole Hamburg. Mehrmonatige Tätigkeit in New Yorker Büro eines Grossverlages. |
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Wer was zu sagen hat, braucht keine grossen Worte |
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„Mit gewöhnlichen Worten ungewöhnliche
Dinge sagen.“, das war die Maxime des berühmten
Reporters Egon Erwin Kisch. Wenn man die Pressemeldungen
und Statements von Unternehmen und Agenturen unter
die Lupe nimmt, die an die Presse verschickt werden,
so scheint es mitunter, als sei dieser Leitsatz umgekehrt
worden.
Da wird beschönigt, verkompliziert, vom Thema
abgelenkt oder ein künstliches Thema inszeniert.
Und das wird dann in schönfärberische Sprache
verpackt, die alle Widersprüche, Ecken und Kanten
des Themas verschleiern soll. Bestimmte Begriffe für
PR-Zwecke haben offenbar Saison wie Modeartikel.
„
Wir setzen auf Innovation und Kontinuität“ war
als Begriffskombination mehrere Jahre en vogue. Das
lässt sich schließlich für einen Ölmulti
ebenso verwenden wie für ein Luftfahrtunternehmen,
für einen Personaldienstleister oder für
eine Kaufhauskette. „Transparenz“ und „Nachhaltigkeit“ sind
als Wörter in. „Und“, so erzählte
mir ein Kollege, „pro-aktiv wird immer sehr,
sehr gern genommen.“ „Strategisch“,
so gestand ein Vorstand, finde hingegen bevorzugt Anwendung,
wenn „irgendeine Aktion, ein Projekt dem Unternehmen
so gar keinen finanziellen Nutzen eingebracht hat/einbringt,
aber dennoch Positives darüber in der Öffentlichkeit
kommuniziert werden soll. Derzeit ganz gross in deutschsprachigen
Unternehmen ist das Schlagwort „Diversity“,
was immer sich im konkreten Alltag dahinter verbergen
mag.
Es ist also Aufgabe der „bösen“ Journalisten,
zu entschlüsseln, was sich hinter solchen Worthülsen
für echte Geschichten und Nachrichten verbergen.
Wenn überhaupt ein echtes Thema dahintersteckt.
Worin besteht die gepriesene „Innovation“ tatsächlich?
Was steckt hinter „strategisch?“ Soll „pro-aktiv“ die
Steigerung von „aktiv“ sein?
Ein Szenario, das man sich als Journalist problemlos
ausmalen kann. Ein Geschäftszweig oder ein Produkt
in einem Unternehmen läuft nicht so gut. Dann
fällt einem Verantwortlichen aus der Marketing-
oder PR-Abteilung ein: „Da müssen wir mal
schnell was machen!“. Aktionismus heißt
die Devise. Eine Pressemitteilung soll versandt werden.
Die wird von jemandem in der Presseabteilung oder im
Marketing geschrieben. Dann folgt der lange Weg über
die Schreibtische und Vorlagen. Denn alle Verantwortungsträger
der unternehmensinternen Bürokratie müssen
das Papier absegnen, bevor es in die Öffentlichkeit
gerät. Die Pressemitteilung wird also bei jeder
Korrekturphase verwässert und verschlimmbessert,
um ja keine politische Befindlichkeit zu verletzen
oder irgendwo anzuecken. Was dabei herauskommt, sind
Texte und Communiqués, die vor „Nachhaltigkeit“ und „Transparenz“ und „Pro-Aktivität“ und „Innovation“ nur
so strotzen. Und dann wundern sich die netten PR-Fuzzis
noch obendrein, wenn ein Journalist sich weigert, solche
Ergüsse ungeprüft zu vervielfältigen
und sich auf die Suche nach einer echten Meldung macht.
Guter Journalismus handelt davon, verschiedene Standpunkte
einzuholen, Widersprüche aufzuzeigen, Sachverhalte
zu analysieren und lauthals verkündete „Wahrheiten“ zu
hinterfragen. Noch dazu möchte man eine Geschichte
oder ein gutes Interview exklusiv veröffentlichen.
Und nicht als altbekannte „Neuheit“, die
einem der Pressesprecher unterjubelt. Was Journalisten
sich wünschen, sich aufgeschlossene Ansprechpartner,
ob bei einer Agentur oder im Unternehmen, die auf dem
aktuellen Stand der Diskussion in ihrer Branche sind,
die schnell und unbürokratisch einen guten Interviewpartner
besorgen und die nicht aus übertriebener Angst
vor Fehlern alles schriftlich per Fax mit mehrwöchiger
Bearbeitungszeit verlangen. Und: Mancher Pressesprecher
sollten sich vielleicht einfach von der Illusion verabschieden,
dass Journalisten dazu sind, mitzuhelfen, das Produkt
seines Unternehmens in den Markt zu „drücken“.
Journalisten sind dazu da, aus verschiedenen und widersprüchlichen
Informationen aus mehreren zuverlässigen Quellen
ein konsumierbares Extrakt herzustellen. Er ist seinem
Leser mit guten Infos, Berichten und Kommentaren verpflichtet.
Richig guten Geschichten eben. Genau das was Presssprecher
und Unternehmenschefs über alle andere Themen
auch von ihrer täglichen Zeitung und Nachrichtensendung
erwarten.
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