Der grösste Teil des immateriellen Wertes entsteht
aus dem spezifischem Wissen einer Organisation und
dieses wiederum aus der Interaktion qualifizierter
Mitarbeiter. Der springende Punkt für Unternehmen
ist, dass meist nicht die Organisation, sondern die
Mitarbeiter im Besitz dieses Wissens sind.
Immaterielle Werte manifestieren sich in einer Vielzahl
von finanziell und strategisch bedeutenden Erscheinungsformen,
wie z.B. Marken, Kundenbeziehungen, Patente, Software,
Know-how, F&E Aufwendungen, usw. Unbestritten ist,
dass Marken von beträchtlichem Wert sein können
oder dass das Know-How einer Organisation durchaus
ein Grund für eine Übernahmeofferte sein
kann. Niemand würde auch bestreiten, dass beim
Zusammenbruch einer Organisation weit mehr als nur
materielle Werte verloren gehen. Märkte und Manager
haben längst erkannt, wieviel immaterielle Werte
in einer Organisation stecken. Dies drückt sich
auch in entsprechenden Buchwerten, Börsenkursen
oder Übernahmeangeboten aus. Seit 1996 regeln
daher die Swiss GAAP FER 9 für an der Schweizer
Börse kotierte Unternehmen auch die Behandlung
von immateriellen Werten in der Jahresberichterstattung.
Unter bestimmten Bedingungen können (und sollen)
diese aktiviert und abgeschrieben werden.
Wo entsteht Wert?
Der grösste Teil des immateriellen Wertes entsteht
aus dem spezifischem Wissen einer Organisation und
dieses wiederum aus der Interaktion qualifizierter
Mitarbeiter. Zugleich sehen sich Organisationen und
ihre Mitarbeiter aufgrund neuer Kommunikations- und
Informationstechnologien mit einer überwältigenden
Flut von Informationen konfrontiert. Nicht mehr die
herkömmlichen Produktionsfaktoren Kapital, Arbeit
oder Boden sind in unserer Wirtschaft entscheidend,
sondern Wissen. Der springende Punkt für Unternehmen
ist, dass meist nicht die Organisation, sondern die
Mitarbeiter im Besitz dieses Wissens sind.
Die grösste Herausforderung für Manager ist
heute, diese Kopfarbeiter richtig zu managen. Wie aber
misst man deren Effektivität und Effizienz ?
Das Wissen einer Mitarbeiterin zu messen und direkt
mit dem Wert des Unternehmens in Verbindung zu bringen,
stellt sich in den meisten Fällen als äusserst
schwierig heraus. Je weiter eine Person am Anfang der
Wertschöpfungskette steht, desto schwieriger ist
es, einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Wissen
einer einzelnen Person und dem Erfolg einer Leistung
am Markt herzustellen. Das Problem ist bekannt und
es existieren daher auch externe wie interne Ansätze
das Wissen einer Unternehmung zu erfassen und seinem
Wert entsprechend zu managen.
Wie wird Wissen bewertet?
Externe Ansätze setzen meist am Marktwert einer
Organisation an und leiten daraus eine Bewertung des
gesamten «Intellectual Capital» einer Organisation
ab. So wird der Marktwert als Summe aus Nettogegenwartswert
(Discounted Free Cash Flows) und einer Residualgrösse
ausgedrückt. Diese Residualgrösse beschreibt
den Wert aller immateriellen Werte sowie das Wertschöpfungspotential
der betreffenden Organisation. Andere Ansätze
gehen von der Differenz zwischen Übernahmepreis
und Marktwert aus oder nehmen Marktwert vs. Wiederbeschaffungskosten
als Richtgrösse. Das grösste Problem solcher
Residualgrössen ist jedoch, dass sie lediglich
den Gesamtwert des Wissens einer Organisation beziffern
können, jedoch nichts aussagen über die Zusammensetzung
oder Entstehung einzelner Komponenten. Effizienz- und
Effektivitätsüberlegungen beispielsweise
in Bezug auf Personalentwicklungsmassnahmen können
basierend auf solchen Grössen nicht angestellt
werden. Hinzu kommt, dass Marktwerte auf Einschätzungen
von Aussenseitern beruhen, die nur eine beschränkte
Sicht der tatsächlichen Verhältnisse im Unternehmen
haben.
Interne Bewertungsversuche wie z.B. Personalcontrolling-Konzepte
oder Balanced Scorecards zielen stärker auf Effizienz-
und Effektivität des Wissens ab. Das Hauptproblem
hier ist (neben Fragen der Quantifizierbarkeit, des
vertretbaren Aufwands, der Validität und anderen)
die Messbarkeit und damit auch eine (finanzielle) Bewertung.
Wie soll zum Beispiel eine besonders innovative Kultur
gemessen und bewertet werden?
Interne wie externe Ansätze haben beide eine gewisse
Aussagekraft bezüglich Effizienz, Effektivität
und Wert des Wissens, können jedoch keine direkte
Verbindung zwischen individuellem Wissen und dem «Intellectual
Capital» der ganzen Organisation herstellen.
Da es sich hier jedoch um den entscheidenden Produktionsfaktor
handelt, muss man trotzdem versuchen, Wissen in irgendeiner
Form zu erfassen und zu beurteilen. Was kann man also
tun, um für Aktionäre, Kooperationspartner,
Kunden, Mitarbeiter und nicht zuletzt für sich
selbst eine Brücke zwischen Effizienz und Effektivität
des Wissens einzelner Mitarbeiter und dem Gesamtwert
des Wissens für die Unternehmung zu schlagen?
Was können Manager tun?
1. Stellen Sie sich regelmässig folgende Fragen:
- Welches Wissen ist relevant?
- Woher kommt dieses Wissen?
- Wie erfolgt die Umsetzung in die Praxis?
- Wo und in welcher Form wird dieses Wissen am
besten dokumentiert?
- Wie soll dieses Wissen geteilt und verteilt
werden?
- Was muss ich entlernen oder vergessen?
2. Stellen sie sicher, dass sich Investitionen
und Aktivitäten im Bereich Personalentwicklung immer
an den vereinbarten persönlichen
Zielen orientieren, und dass
sich diese voll und ganz
aus den Bereichszielen
ableiten. Diese wiederum sollten
immer Ausdruck einer klaren,
ausformulierten Bereichs- resp.
Unternehmensstrategie
sein.
3. Schaffen sie Anreize, welche
die Bildung, das Teilen und die
Umsetzung
von Wissen
fördern. Sie rennen
damit offene Türen ein. Menschen haben in der
Regel ein Bedürfnis zu lernen.
4. Identifizieren sie für ihren Bereich relevante
Messgrössen, wie z.B. Fluktuationsrate, Anzahl
neuer Patente, Beiträge auf Datenbanken, Bildungsausgaben,
Zeit vom Konzept bis zur Markteinführung,
etc. ... und verfolgen sie diese.
Fragen sie sich aber
zuvor:
- Wozu werden diese Indikatoren
verfolgt?
- Was wird gemessen und
wie zuverlässig
lassen sich die Werte erfassen?
- Ist der Aufwand vertretbar?
- Was sind
die Benchmarks?
- Sind nur finanzielle oder
auch nicht finanzielle
Indikatoren angebracht?
- Soll der Input oder Output
an Wissen gemessen werden
oder beides?
- Muss diese Kombination
von Indikatoren von
Zeit zu Zeit
veränderten Umständen
angepasst werden?
- Wie werden die gemessenen
Werte kommuniziert?
- Und welche Konsequenzen
sind daraus zu
ziehen?