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Anfried Baier-Fuchs. M.A.
ZfU-Faculty: Strategische Unternehmensführung & Entrepreneurship Fachbereich Strategische Unternehmensführung Lehrauftrag für Corporate Communication
Dozentin und Inhaberin der Unternehmensberatung ?Anfried Baier-Fuchs Strategische Kommunikation?. |
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Kommunikation heisst Führen und Gestalten |
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Ist Ihr Motto „Die Leute sollen sich auf ihre Arbeit
konzentrieren – um den Rest kümmern wir
uns“? Oder halten Sie es mit Jacques Welch „Was
ich den Mitarbeitern nicht verständlich machen
kann, kann ich nicht realisieren“? Machen Sie
Ihre Mit-Arbeiter zu Mit-Wissern und zu Mit-Treibern.
„Und ich hab‘ nichts davon geahnt .....“ oder „Das
wahre Märchen von der internen Kommunikation“
Rolf Meier liest beim Frühstück in der Zeitung,
sein Unternehmen werde Arbeitsplätze ins Ausland
verlagern. Jörg Völler hört es auf dem
Weg zur Arbeit im Autoradio, Anne Kuhn in der Kantine,
wo sie sich einen Kaffee mit zum Schreibtisch nehmen
will. Auf den Fluren des Verwaltungsgebäudes der
Ingo Benz GmbH ist an diesem Vormittag immer wieder
zu hören: „Und ich hab‘ nichts davon
geahnt...“. In der Produktion des Kartonagenherstellers
ist keiner konzentriert bei der Sache. Der Aussendienst
hängt nur noch an seinen Mobiltelefonen, um sich
zu informieren, inwieweit er betroffen sei.
Nur: Es gibt keine Information im Unternehmen – wie
so oft schon. Die Meldung in den Medien geht zurück
auf eine Äusserung des Geschäftsführers
am Rande eines Business-Lunches – zufällig
aufgeschnappt von einem anwesenden Journalisten und
gerne übernommen, da sonst wenig zu erfahren ist über
die Ingo Benz GmbH.
Die Aufregung in der Geschäftsleitung ist gross: über
die verantwortungslosen Medien und ihre unseriöse
Berichterstattung. Der Betriebsrat ist alarmiert und
verlangt umgehende Aufklärung. Und die Mitarbeiter?
Sie sind schockiert, suchen nach Antworten, die keiner
gibt, sie rätseln, spekulieren, erfinden Geschichten
und erzählen sie weiter. Zumindest für diesen
Tag ist ihr Engagement für die Firma auf dem Nullpunkt
und die Gerüchteküche brodelt.
Wie dieses „wahre Märchen“ weiter
geht? Es gibt zwei Möglichkeiten:
Entweder, das Top-Management igelt sich ein, verweist
auf „nicht spruchreife Gedankenspiele angesichts
möglicherweise erforderlicher Zukunftsszenarien
zum Wohle des Unternehmens und seiner Mitarbeiter .....,
blablatrödtröd.....“. Die Folge? Eine
auf Dauer unglaubwürdige Geschäftsleitung
und verunsicherte Mitarbeiter, wahrlich keine Basis
für wettbewerbsfähiges, erfolgreiches Wirtschaften.
Geheimniskrämerei
Oder der Chef erkennt, dass die bisher übliche
Geheimniskrämerei spätestens in schwierigen
Zeiten die dann sowieso vorhandenen Probleme noch verstärkt.
Er reisst diesmal das Ruder ‚rum, entschliesst
sich zu aktiver Information und Kommunikation nach
innen wie nach aussen. Keine leichte Aufgabe, denn
das Misstrauen bei den Gesprächspartnern dürfte
gross sein und kann nur Schritt für Schritt und
mit langem Atem abgebaut werden.
Die andere Version des Märchens „vom Luxus
der internen Kommunikation“ ist schnell erzählt:
Meldungen verschiedener Medien über den angeblich
bevorstehenden Arbeitsplatzabbau des Kartonagenherstellers
werden von den Mitarbeitern eher beiläufig zur
Kenntnis genommen. Gegenüber Freunden und Familienangehörigen
nehmen sie souverän Stellung, rücken reisserische
Kommentare zurecht. Sie selber wissen es besser und
haben über die Jahre erfahren, dass sie sich auf
die Informationen aus der Geschäftsleitung verlassen
können.
Für das Top-Management der Ingo Benz GmbH ist
eine funktionierende interne Unternehmenskommunikation
weder lästige Pflicht noch verzichtbarer Luxus.
Hier nutzt man den stetigen und offenen Dialog, auch
zu kritischen Themen und über alle Hierarchieebenen
hinweg als Führungsinstrument. Darüber hinaus
hat man erfahren, dass aufgeklärte Führungskräfte
wie Mitarbeiter auch einen unschätzbaren Beitrag
leisten zu einer glaubwürdigen Öffentlichkeitsarbeit.
Im konkreten Fall wissen alle Betriebs-angehörigen,
dass ein Teil der Produktion mittelfristig nach Slowenien
verlagert werden soll.
Die Führungskräfte unterstützen diese
Entwicklung, waren sie doch in die Entscheidungsprozesse
eingebunden. Die Mitarbeiter der betroffenen Bereiche
sind alle persönlich informiert und können
sich darauf verlassen, zeitnah über konkretere
Beschlüsse ins Bild gesetzt zu werden. So vermeidet
die Ingo Benz GmbH auch das Abwandern frustrierter
oder verunsicherter Leistungsträger. Gleichzeitig
ermöglicht sie Betroffenen, sich frühzeitig
innerhalb wie ausserhalb neu zu orientieren.
Kommunikation heisst
Führen und Gestalten
Ist Ihr Motto „Die Leute sollen sich auf ihre
Arbeit konzentrieren – um den Rest kümmern
wir uns“? Oder halten Sie es mit Jacques Welch „Was
ich den Mitarbeitern nicht verständlich machen
kann, kann ich nicht realisieren“?
In der Theorie stimmt inzwischen die Mehrheit der Unternehmensführer
dem legendären Amerikaner zu. Doch im praktischen
Alltag sieht das oft noch anders aus. Da fehlt es angeblich
an der Zeit für die regelmässigen Informationskaskaden;
da befürchtet man Ärger oder gar wirtschaftlichen
Schaden durch zu frühe, zu detaillierte Mitteilungen;
da wird die Börsennotierung als Hinderungsgrund
ins Feld geführt; und schliesslich verlässt
Viele der Mut spätestens dann, wenn es negative
Entwicklungen zu berichten gibt. Ergebnis ist eine
Belegschaft von Einzelkämpfern; jeder hat seine
eigen, selbst gestrickte Vorstellung vom Unternehmen,
seinen Zielen und seiner aktuellen Situation. Wie können
solche führungslosen Mitarbeiter an einem Strang
und in die gleiche Richtung ziehen?
Kommunikation mit Mitarbeitern
Die Kommunikation mit den Mitarbeitern ist kein Selbstzweck.
Es geht weder um die Befriedigung simpler Neugier noch
darum, dem Zeitgeist zu frönen. Es geht darum,
den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu gestalten.
Die Mitarbeiter wollen ihren Beitrag dazu leisten.
Dafür müssen sie aber wissen, wohin die Reise
geht. Nehmen Sie sie an die Hand, führen Sie sie über
die oft holprigen Wege – mithilfe einer langfristig
angelegten, konsequent offenen, verlässlichen
und konsistenten Kommunikation.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass interne Kommunikation
nicht als „stand alone“ angesehen wird.
Zusammen mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
der Marketingkommunikation, gegebenenfalls Investor
Relations etc. muss sie zu einem in sich stimmigen
Gesamtauftritt führen. Der Mitarbeiter kennt ja
nicht nur das Intranet oder hört die Argumente
seines Vorgesetzten. Er liest die Zeitung, spricht
mit Kunden, nutzt vielleicht selber die Dienstleistungen
seiner Firma oder besitzt gar Belegschaftsaktien. Interne
Kommunikation kann also nur erfolgreich sein, wenn
sie als integraler Bestandteil, als ein Baustein der
gesamten Unternehmenskommunikation verstanden wird – immer
mit der Massgabe: Zuerst die Mitarbeiter.
Einbezug von Mitarbeitern
Beziehen Sie die Belegschaft frühzeitig und regelmässig
ein in die grosse Linie Ihrer strategischen Überlegungen,
in Abläufe und Prozesse. Warten Sie nicht mit
der Kommunikation „bis alle Entscheidungen stehen“.
Dann ist es schon zu spät, haben sich Legenden
gebildet und hat sich Verunsicherung breit gemacht.
Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter von Anfang an mit. So nutzen
Sie in jeder Phase ihr ganzes Potential – gerade
auch in Zeiten des Wandels, der Veränderung, neuer
Herausforderungen.
Je mehr der Einzelne weiss über Hintergründe
und Zusammenhänge, je regelmässiger er von
seinem Vorgesetzten à jour gehalten wird, desto
besser kann er die Bedeutung seines eigenen Beitrags
einschätzen, desto motivierter ist er bei der
Arbeit und desto produktiver setzt er sich für
Ihre Ziele ein. Darüber hinaus ist er stolz auf
sein Unternehmen und vertritt es glaubwürdig in
der Öffentlichkeit, gegenüber Freunden, Nachbarn,
Familienangehörigen.
Vor allem in schwierigen Situationen gilt: Überall
dort, wo die Geschäftsleitung ein Vakuum entstehen
lässt, wo mangels verlässlicher Information
die Gerüchte spriessen und eventuell Dritte eigennützige
Interessen verfolgen, nimmt das Unternehmen Schaden.
Wenn nicht erläutert wird, warum ein Merger erforderlich
wird, warum Personaleinschnitte nötig sind, die
Produktionsabläufe beschleunigt werden müssen
oder ein Standort zu schliessen ist, laufen Sie Gefahr,
dass Mitarbeiter konterkarieren, blockieren, opponieren – sei
es aus Nichtwissen, sei es aus Enttäuschung.
Besonders Dienstleistungsunternehmen mit Mitarbeitern
im direkten Kundenkontakt stehen dabei vor einer grossen
Herausforderung. Der Berater in der Bank, der Verkäufer
im Warenhaus, der Kassierer an der Kasse, der Begleiter
im Zug oder im Flugzeug – sie alle sind Teil
des Produktes und sie „machen Stimmung“,
entweder für oder gegen das Unternehmen.
Und nicht zuletzt gilt: Persönliche Betroffenheit
ist für den Einzelnen schlimm genug – aber
leichter zu ertragen, wenn der Vorgesetzte ihm die
Zusammenhänge erläutert. Auch das gehört
zu kompetenter Führung.
So machen Sie aus
Ihren Mit-Arbeitern Mit-Wisser und Mit-Treiber bei
den grossen Heraus-forderungen
und
den erforder-lichen Veränderungsprozessenin Ihrem
Unternehmen: 7 Gebote für den Chef:
- Interne Kommunikationist Chefsache!
Delegieren Sie das Kommunikationsmanagement – aber nicht die Kommunikation.
Kommunizieren Sie persönlich, wo und wann immer das möglich ist.
- Kommunizieren heisst führen!
Verpflichten Sie die Führungskräfte zum gleichen Verhalten, wie Sie
es vorleben. Machen Sie effektives Kommunikationsverhalten zum Bestandteil
der variablen Führungskräftevergütung.
- Zuerst die Mitarbeiter!
Die Mitarbeiter müssen schneller und intensiver informiert werden als
die breite Öffentlichkeit. Das nutzt den Abläufen im Unternehmen,
stärkt die Motivation und unterstützt Marketing wie Öffentlichkeitsarbeit.
- Nicht kneifen, wenn es brenzlig wird!
Bleiben Sie offen und gesprächsbereit – auch in schwierigen Zeiten
und vor allem gegenüber persönlich Betroffenen. Das schafft Vertrauen,
stärkt Ihre Glaubwürdigkeit und erleichtert so die Führung.
- Hören Sie den Mitarbeitern zu!
Bleiben Sie jederzeit offen und gesprächsbereit. Sie vermeiden Verunsicherung
und Unruhe – und erfahren ganz nebenbei viel Ungeschminktes, z.B. auch über
Kundenreaktionen.
- Sorgen Sie für denAuftritt aus einem
Guss!
Interne Kommunikation ist integraler Bestandteil
der Unternehmenskommunikation. Sprechen Sie intern
und extern, gegenüber allen Zielgruppen
mit einer Stimme.
- Fangen Sie heute an – und bleiben
Sie konsequent dran!
Vertrauen baut sich langsam auf – doch ohne Glaubwürdigkeit kann
keiner erfolgreich führen.
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