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Lernen als Weg

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Edith Kohler

ZfU-Faculty: Human Resources, Organisations- & Personal-Entwicklung
Leiterin ZfU- Kompetenz-Zentrum Organisation, Prozess- & Projektmanagement

 

Die lernende Projektorganisation


Wie wir persönlich – also auf der individuellen Ebene – lernen, ist ganz gut bekannt. Aber wie lernen Organisationen und welchen Beitrag leisten Projekte dazu? Diesem Thema sind wir mit einer Unternehmensbefragung zur lernenden Projektorganisation nachgegangen:

  • Wie werden Erfahrungen zum Projektmanagement für Lernprozesse verfügbar?
  • Wie wird das Management-Wissen aus Projekten gespeichert?
  • Welche Unterschiede gibt es zwischen Branchen, Unternehmensgrössen und Projektmanagement-Gebieten?

Nach einem kurzen Aufriss zu der Frage, was Lernen für eine Organisation bedeutet, erhalten Sie einen Einblick in die Ergebnisse und Branchenvergleiche der Unternehmensbefragung. Ein Ausblick über die konkreten Herausforderungen in der lernenden Projektorganisation setzt den Schlusspunkt.

Ein Aufriss: Die Kernfragen der „Lernenden Projektorganisation“

In einer praxisorientierten Sichtweise bedeutet Lernen „den Erwerb einer überdauernden Verhaltensänderung“. Der entscheidenden Punkt liegt darin, dass nach dem rein kognitiven Verstehen die Umsetzung in konkrete Handlungen erfolgt ohne wieder in die alten Muster zurückzufallen.

Eine unabdingbare Voraussetzung für das Lernen ist die Neugier und der Mut, die Routinen zu verlassen. Nur wer die ausgetretenen Pfade verlässt, hinterlässt Spuren. Wahllos bewährte Wege zu meiden, wäre jedoch unklug und risikoreich. Ein Beispiel, wie eine Organisation eine Idee einer neuen Methode aufnimmt und umsetzt, zeigt uns eine differenzierte Betrachtungsweise der einzelnen Lernschritte.

Wir können Lernen in fünf Schritte fassen:
1. Wissen identifizieren
2. Wissen in Handlungsoptionen übersetzen
3. Neue Handlungsoptionen ausprobieren
4. Effekte untersuchen
5. Erfolgreiche Teile dauerhaft im Repertoire verankern

Ein Projektleiter eines projektorientierten Unternehmens lernt an einem externen Kurs eine Flow-Style-Methode kennen, wie Projektteams effizienter ihre Meetings gestalten können (Wissen identifizieren). Der Projektleiter überlegt sich die Anwendungsfelder dieser Methode und Nutzenpunkte für sein Projekt und übersetzt die Traktanden der wöchentlichen Teamsitzung, wie es vorgeschlagen ist. Neugier, Unsicherheit und offensichtliche Skepsis seiner Mitarbeiter prägen das erste Meeting. Nach drei Wochen läuft dies bereits in deutlich kürzerer Zeit ab und die Inputs nehmen merklich zu.

Dieses Beispiel zeigt auf, wie die lernende Organisation im Grunde das stellvertretende Lernen der Organisationsmitglieder ist. Diese Erkenntnis ist keinenfalls neu. Schon Carnegie stellte 1930 fest: „Das einzige unersetzliche Kapital, dass eine Organisation besitzt, ist das Wissen und die Fähigkeiten ihrer Menschen. Die Produktivität dieses Kapitals hängt davon ab, wie effizient Menschen ihre Kompetenzen mit jenen teilen, die sie verwenden können.“

Ein Einblick: Empirische Befunde zu der Studie
Projektleiter und Projektmanagementverantwortliche aus 83 Unternehmen haben an der von HLP Hirzel Leder & Partner, und ZfU gemeinsam durchgeführten Unternehmensbefragung teilgenommen. Der schriftliche Fragebogen konnte direkt auf dem Internet oder über den Postweg ausgefüllt werden. Die Antworten waren jeweils über eine vierstufige Skala von „trifft sehr zu“ bis „trifft gar nicht zu“ möglich.

Wir haben die Fragen nach den drei Phasen Projektstart, Projektlaufzeit und Projektabschluss gegliedert. Innerhalb dieser Phasen haben wir jeweils von der personenbezogenen, eigenen Erfahrung des Projektleiters, über den kollegialen Austausch bis hin zu verschiedenen Formen an externen und internen Wissensspeichern untersucht.

Die Ergebnisse über alle Branchen hinweg bestätigen die Hypothese, dass die eigene Erfahrung Hauptwissensquelle in Projekten ist (93%). Die formalen Datenspeicher wie Datenbanken erreichen immerhin noch 41 % bei dem Projektstart.

Die Reflexion unter Kollegen gewinnt erst während der Projektlaufzeit an Bedeutung (73%) und wird dann sogar der eigenen Reflexion vorgezogen (65%). Diese Ergebnisse lassen sich auf jeden Fall mit den wachsenden Teamstrukturen im Verlaufe des Projektes erklären.

Nach Projektende bleibt das Wissen grösstenteils bei der eigenen Person (70%). Dies korreliert zwar mit der Aussage, dass bei Projektstart die eigene Erfahrung die Haupt-informationsquelle ist, zeigt aber auch wie stark das Organisationslernen vom stellvertretenden Lernen ihrer Mitglieder abhängt. Nur die Hälfte aller befragten Unternehmen machen zum Projektabschluss noch eine Reflexionsrunde und gerade 43% pflegen die Informationen in eine Datenbank ein.

Einblick in die einzelnen Branchen
Die Knowlegde-Tools haben in der Praxis für das Lernen nicht die tragende Rolle. Vielmehr ist das Thema personen- und kulturbezogen. Unter dieser Brille lohnt sich ein Blick in die einzelnen Branchen. Die 83 beteiligten Unternehmen lassen sich in sechs Branchencluster gliedern.

Die IT-Profis sind nur minimal die fleissigeren Datenbankpfleger als die übrigen Branchen (50% anstatt 43%). Dafür meiden Sie die institutionalisierten Erfahrungsgruppen vor dem Projektstart am meisten (20% versus 28%).

Für die Dienstleister und Berater ist der informelle Austausch unter Kollegen vor und während dem Projekt die wichtigste Informationsquelle. Die Beraternetzwerke sind auch am diszipliniertesten bei der Datenbankpflege.

Die NPO’s messen dem ganzen Thema offensichtlich weniger Bedeutung zu und bewerten jegliche Informations- und Lernquellen unterdurchschnittlich.

Die Investitionsgüter- und Automobil-Industrie prägt den Mittelwert. Während die Pharma und Chemie sehr stark auf externes Wissen wie Beratung und Schulung zurückgreift.

Ein Ausblick: Praktische Herausforderungen für Ihre Projekt-Praxis
Formale Wissenspeicher sind unbestritten eine hilfreiche Grundvoraussetzung, um gemachte Erfahrungen und Wissen strukturiert abzulegen und für alle zugänglich zu machen. Die Informationen als solches sind aber in der Regel nicht die Mangelware, sondern die Übersetzung in konkretes Handeln. Das reine Abspeichern der Kursunterlagen zu der Flow-Style-Methode ist erst ein kleiner, wenn auch nicht zu unterschätzender Schritt für effizientere Projektsitzungen. Der entscheidende Punkt liegt bei dem Projektleiter, der dieses Methodenwissen in die Unternehmenssituation überträgt und daraus Erfahrungswissen generiert.

Projekte werden als Innovations- und Lernplattform ihre zentrale Bedeutung beibehalten. Damit werden die Projektleiter als Knowledge-Generierer und Knowledge-Träger wichtige Triebfedern für die Entwicklung einer lernenden Organisation. Damit Sie diese Funktion auch wahrnehmen können, braucht es eine entsprechende Kultur und attraktive Projektleiter-Karriere-Modelle.




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