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Project Alliancing ist ein neuer, innovativer Vertragsmechanismus, der auf
partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Projektparteien aufbaut. Ziel
der Projektallianz ist das optimale Projektergebnis für alle Beteiligten.
Traum oder Wirklichkeit? In Australien wird dieses Konzept seit einigen Jahren
mit grossem Erfolg eingesetzt.
Im Folgenden möchten wir die Grundgedanken von Project Alliancing zusammenfassen.
Anschliessend werfen wir einen Blick auf die Chancen und Grenzen der Praxisanwendung.
Der Ursprung des Project Alliancing
Das Umfeld grosser Investitionsprojekte (z.B. im Anlagenbau oder Bauwesen)
ist zunehmend geprägt von schnellen Veränderungen und unvorhersehbaren
Einflüssen. Dennoch haben auch diese Projekte enge Zeit-, Budget- und
Qualitätsvorgaben. Traditionelle Vertragswerke sind wenig geeignet auf
ein sich änderndes Umfeld zu reagieren. Im Gegenteil, üblicherweise
versucht der Auftraggeber, im Vertrag, alle Details aufwendig festzuschreiben,
um sich gegen alle Szenarien abzusichern und Risiken soweit möglich an
den oder die Auftragnehmer weiterzugeben. Im Projektverlauf versucht dann jede
Projektpartei, innerhalb dieses Vertragswerkes den eigenen Profit zu maximieren,
was oft zu Lasten des Projekterfolgs geht. Je dynamischer die Projekte nun
werden, desto problematischer scheint dieses Vorgehen.
Erste Anwendungen: British Petroleum (BP) und Australischer Staat
Aus diesem Dilemma heraus entwickelte ursprünglich die BP für Projekte
in der Nordsee einen neuen, innovativen Vertragsmechanismus, der auf partnerschaftlichen
Beziehungen zwischen den Projektparteien aufbaut. Der Australische Staat hat
die Methode dann verbreitet und bei Grossprojekten wie der „Pacific Motorway“ in
Queensland oder dem Nationalmuseum in Canberra angewandt. In der Australischen
Industrie wird das Konzept des Project Alliancing inzwischen ebenfalls mit
Erfolg eingesetzt. In Europa wird das Project Alliancing bei Grossprojekten
im öffentlichen Bereich eingesetzt, allerdings hat es bisher keine grosse
Verbreitung gefunden.
Kernelemente von Project Alliancing
Der markanteste Unterschied von Project Alliancing zu traditionellen Projekten
ist, dass die Projektpartner Anreize haben, ganzheitlich als Team zusammen
zu arbeiten, weil alle vom Gesamterfolg profitieren oder den Misserfolg teilen
(„Pain Share / Gain Share“ Konzept). Gewinne und Verluste werden
zu einem gewissen Grad „vom Projekt“ , und nicht von einzelnen
Projektpartnern getragen.
Projektallianzverträge basieren auf folgenden Rahmenbedingungen:
Es findet ein Kulturwandel von „Einkäufer – Dienstleister-Verhältnis“ zu
einer partnerschaftlichen Beziehung statt.
- Es werden Gewinne, aber auch Verluste, auf Grund einer vorher abgesprochenen
Basis geteilt.
- Alle Projektpartner tragen eine gemeinsame Verantwortung. Die Projektallianz
wird von einem „Projektsteuerungskomittee“ (gebildet aus Vertretern
aller Projektpartner) geleitet, das die strategischen Entscheidungen fällt.
- Alle Projektpartner haben ein gleiches Stimmrecht und Entscheide werden
im Hinblick auf das beste Projektresultat getroffen.
- Es ist eine Teamkultur ohne Schuldzuweisung gefragt. Auftretende Probleme
werden partnerschaftlich mit Blick auf das beste Projektergebnis gelöst.
- Volle Transparenz und eine Politik „der offenen Bücher“ wird
gelebt. D.h. alle Parteien haben vollen Zugriff auf alle Ressourcen, Kompetenzen
und Erfahrungen
- Daraus folgt eine offene und ehrliche Kommunikation ohne „Hidden
Agenda“.
Praxistransfer des „Pain Share – Gain Share“ Konzeptes
Das Ziel eines jeden Investitionsprojektes ist es, ein Werk innerhalb eines vorgegebenen
Zeitrahmens, in bestmöglicher Qualität und zu kleinstmöglichen
Kosten zu erstellen.
In der Projektallianz werden Gewinne unter den Projektpartnern entsprechend eines
von den Partnern festgelegten Bonussystems aufgeteilt. Aber auch die Projektrisiken
werden von der Projektallianz getragen. D.h. der Auftraggeber übernimmt
einen Teil dieser Risiken.
In der Praxis heisst dies:
Die Projekt Allianz Partner ermitteln gemeinsam auf der Basis der Selbstkosten
das Projektziel „Kosten“ (Net Target Cost Estimate). Im Laife des
Projektes entsteht aus dem „Net Target Cost Estimate“ durch Anpassungen
das „Final Target Cost Estimate“. Anpassungen (z.B. für eine
Veränderung des Projektumfangs) müssen vom Projektsteuerungkomittee
genehmigt werden. Am Ende des Projektes werden die tatsächlichen Kosten
mit dem „Final Target Cost Estimate“ verglichen. Liegen die tatsächlichen
Kosten über oder unter dem „Final Target Cost Estimate“, verändert
sich der Bonus entsprechend.
Die Bezahlung der Auftragnehmer erfolgt dabei in drei Stufen:
Stufe 1: Die Auftragnehmer bekommen ihren tatsächlichen Aufwand erstattet.
Stufe 2: Wird das Projektziel „Kosten“ exakt erreicht, erhalten
die Auftragnehmer einen kleinen , vorher gemeinsam festgelegten Profitanteil,
z.B. 5% ihres Aufwandes.
Stufe 3: Wird das Projektziel übertroffen (liegen die tatsächichen
Kosten also unter dem „Final Target Cost Estimate“), wird der Bonus
stufenweise auf ein Maximum erhöht. Werden die Kosten überschritten,
reduziert sich der Bonus stufenweise auf 0.
Theoretisch bekommen die Auftragnehmer also immer zumindest ihre Selbstkosten
erstattet. Die Bonushöhe ist für den Auftraggeber kostenneutral (der
Bouns wird von der „Einsparung“ gezahlt).
Die Auswahl der richtigen Projektallianzpartner ist daher für den Auftraggeber
von grösster Bedeutung. Er muss sicher sein, dass a) das „Target
Cost Estimate“ nicht von Beginn an aufgebläht wird (um einen grössere
Boni für die Auftragnehmer erzielen) und dass alle Allianzpartner auf
das gleiche Ziel (möglichst geringe Kosten) hinarbeiten (keine „Hidden
Agendas“).
Vor- und Nachteile für Auftraggeber und Auftragnehmer
Bevor eine Allianz gegründet wird, müssen sich alle Partner der
Konsequenzen bewusst sein. Insbesondere sind dass das erhöhte Risiko auf
der Auftraggeberseite und die „Open Book“ Politik auf der Auftragnehmerseite.
Die speziellen Anforderungen in einer Allianz müssen von den Projektpartnern
akzeptiert sein, sowie im Projektteam klar kommuniziert und gelebt werden.
Für den Projektpartner „Auftraggeber“ ist der mögliche
Vorteil der bestmögliche Preis und die bestmögliche Qualität.
Dafür nimmt er erhöhte Risiken in Kauf.
Für die Projektpartner „Auftragnehmer“ ist der mögliche
Vorteil die Risikominimierung. Dafür nehmen sie den Nachteil eines kleineren,
oder ganz entfallenden Profits in Kauf. Ebenso kann sich in späteren Projekten
die „Open Book“ Politik auf das Verhältnis zwischen den Parteien
auswirken.
Chancen und Grenzen der Anwendung
- Allianzen sind sinnvoll, wenn die Projektrisiken gross oder nur sehr schwer
erfassbar sind. Die Risikoteilung in einer Allianz kann das Projekt für
alle Partner akzeptabel machen in Situationen, in welchen die Auftragnehmer
einen traditionellen Vertrag nicht annehmen könnten.
- Sind die Risiken
dagegen klein und für alle Parteien hinreichend genau
einschätzbar, sind Allianzen nicht sinnvoll. Wenn zum Beispiel das Werk
mit dem Lieferumfang und den Spezifikationen exakt festgelegt ist, sind Allianzen
nicht sinnvoll. Der Auftraggeber kann nicht flexibel reagieren und z.B. „alternative
Lösungen“ aufgrund von fixen Spezifikationen oder Prozeduren nicht
akzeptieren. D.h., der mögliche Vorteil für den Auftraggeber ist
klein, dafür ist er erheblich am Projektrisiko beteiligt.