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BPR, KVP, BSC, CRM… Seit den 80er Jahren jagt ein Management-Konzept das
andere. Wer bei Geschäftsleitungssitzungen Protokoll führen oder Slides
zusammenstellen muss oder gar um Rat gebeten wird, steht vor einer unangenehmen
Situation: Nachfragen oder doch lieber warten, bis auch diese Mode vorübergeht?
In der Geschäftsleitungssitzung wird wieder einmal heftig um die strategische
Ausrichtung gestritten. Das Marketing propagiert Customer-Relationship Management.
Der IT-Verantwortliche nickt unterstützend, während vom Controlling
die längst versprochene Einführung der Balanced Scorecard gefordert
wird. Der CEO, der gerade einen Workshop zu Corporate Governance hinter sich
hat, unterstützt dieses Anliegen. Die Human Ressource Verantwortliche,
dieses Mal auch zur Sitzung eingeladen, warnt jedoch davor, etwas Neues einzuführen,
bis nicht das Management by Objectives richtig gelebt wird. Der Produktionschef
sagt nichts, er ist immer noch gedanklich mit den Ergebnissen des letzten Quality
Circle beschäftigt, während der Qualitätsverantwortliche die
plötzliche Stille zu einem Plädoyer für die Umstellung aller
unternehmensrelevanten Funktionen in Richtung Prozessorientierung nach Business
Process Reengineering-Muster nutzt. Der CEO winkt ab: „Da kommen Sie
rund 10 Jahre zu spät!“ Plötzlich dreht sich die ganze Runde
langsam zu Ihnen um:„Und was meinen Sie dazu?“ Stille.
Wie schön wäre es da, wenn man sich jetzt lächelnd zurücklehnen
könnte in der Gewissheit, darauf eine treffende Antwort zu haben. Kann
man sich diese Gewissheit erwerben, ohne gleich ein Studium zu machen oder
seine gesamte Freizeit mit nicht immer ganz spannender BWL-Lektüre zu
verbringen? Die Antwort lautet ja.
Die Szene könnte dann so weitergehen. Sie setzen sich auf, blicken in
die Runde und geben mit ruhiger Stimme die folgende Antwort:
„Danke, dass Sie mich fragen. Ihre Konzepte konkurrenzieren sich meines
Erachtens nicht, sie ergänzen sich vielmehr. Allerdings greifen sie an
unterschiedlichen Orten und unterschiedlich schnell. Die Frage ist daher weniger,
was Sie auswählen, sondern vielmehr, wann sie es einsetzen. Lassen Sie
mich zur Verdeutlichung die vom Controlling angesprochene Balanced Scorecard
heranziehen.“ Sie stehen auf, gehen auf das Flipchart zu, und während
Sie fortfahren, zeichnen Sie darauf die folgende Grafik:

„Für jedes Unternehmen sind gute Finanzergebnisse entscheidend.
Erreicht werden können sie nur durch zufriedene Kunden. Das gelingt dann,
wenn auch die Produkte und Dienstleistungen stimmen, was durch gute Prozesse
sichergestellt wird. Die können nur so gut sein, wie die Menschen, welche
daran arbeiten. Mit dieser einfachen und überzeugenden Logik gelingt es
den Erfindern Kaplan und Norton, die Grundzusammenhänge im Unternehmen
fassbar zu machen.“
Sie wenden sich dem Marketingverantwortlichen zu:„Als diejenige Abteilung,
deren Auftrag die Kundenzufriedenheit ist, ist es richtig und sinnvoll, ein
Customer Relationship Management zu fordern. Alle Möglichkeiten, die Beziehung
zum Kunden zu pflegen, sollten wir ergreifen. Genauso, wie wir an jeder privaten
Beziehung permanent arbeiten müssen.
Alle Informationen, die uns ermöglichen, das professionell zu tun, speichern
wir sinnvollerweise in Zukunft in einer speziell dafür ausgerüsteten
CRM-Datenbank. Damit werden wir immer massgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen
anbieten können und unseren Mitbewerbern immer eine Nasenlänge voraus
sein.
Ihr Blick schwenkt zum Qualitätsverantwortlichen:
„Die Kunden stellen wir allerdings nicht mit Datenbanken, sondern mit unseren
Produkten und Dienstleistungen zufrieden. Ich kann gut nachvollziehen, dass aus
der Sicht des Qualitätsmanagements der Wunsch nach einer Überprüfung
der Prozesse wünschenswert, ja nötig ist. Im Laufe der Zeit schleichen
sich überall gewisse Moden ein, die zu keinem Kundennutzen führen.
Die Kernfrage der beiden Business Process Reingeneering-Begründer Hammer
und Champy „Wenn ich das Unternehmen heute ganz neu gründen müsste,
wie würde es aussehen?“ bringt heute noch interessante Ergebnisse
zur Verbesserung hervor, obwohl das Gesamtkonzept BPR sich – da hat unser
CEO natürlich Recht, wohl überlebt hat.“
„Genauso wichtig wie die grossen Sprünge“, mit diesen Worten
wenden Sie sich dem Produktionschef zu, der immer noch etwas abwesend scheint, „vielleicht
für die Praxis sogar noch etwas wichtiger, sind die kleinen Schritte.
Die grossen Würfe bleiben meist Träume, das ist im Unternehmen nicht
anders als sonst im Leben. Nehmen wir die japanische Firma Toyota als Beispiel;
das moderne Qualitätsmanagement haben wir ja von Japan übernommen.“ Der
Produktionschef richtet sich auf und hört nun aufmerksam zu. “Zwei
Dinge sind dort wichtig: Es immer besser machen zu wollen und immer weniger
Abfall/Verschleiss dabei zu produzieren. Einfacher kann man ein Geschäftsprinzip
für einen Milliarden-Konzern nicht mehr auf den Punkt bringen.“
„Und wer sorgt dafür, dass aus Träumen Realität wird?“ Ihr
Blick ruht auf der Human Ressource Chefin. „Wenn die Mitarbeiter nicht
wissen, auf welches Ziel sie hinsteuern sollen, wird aller Einsatz nicht erfolgreich
sein. Das Herunterbrechen der strategischen Ziele in klare, erreichbare, messbare
Ziele ist dabei zentral und damit die Forderung aus dem Personal nur allzu
verständlich. Eine gelebte Führung durch Zielvereinbarung (Management
by Objectives) fördert Resultatorientierung und Selbstverantwortlichkeit.
Und jeder Praktiker weiss, wie gross manchmal der Graben zwischen eingeführten
und gelebten Konzepten ist.“
Schliesslich wenden Sie sich dem CEO zu:
„Da alle angesprochenen Konzepte Kosten verursachen und knappe Arbeitszeit
verschlingen, werden wohl nicht alle gemeinsam erfolgreich gestartet werden können.
Die Frage ist daher, wo die grösste Wirkung zu erwarten ist. Und dort würde
ich Ihnen empfehlen zu starten.“
Zugegeben, die Situation werden Sie wohl selten genau so antreffen. Man erwartet
vielleicht von der Assistentin keine so ausführliche Stellungnahme. Aber
es wäre beruhigend, solche Informationen präsent zu haben. Vielleicht
fragt der persönliche Vorgesetzte Sie nach der Sitzung nach ihrer Meinung
und dann haben Sie die Möglichkeit, etwas auszuholen.
Was braucht es alles dazu?
Eigentlich gar nicht so viel. Sie müssen nur jemanden finden, der die
Konzepte kennt, die Spreu vom Weizen trennen kann und Ihnen das in kurzer Zeit
verständlich und richtig vermitteln kann. Geschieht das in einem Seminar,
dann können Sie noch von einem weiteren Vorteil profitieren: Von den Praxiserfahrungen
Ihrer Seminarkolleginnen.