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„Die meisten Verbrechen bleiben nicht nur ungeahnt, sondern auch ungeahndet“.
Treffender als dieser Satz von Friedrich Dürrenmatt, könnte das Phänomen
der Wirtschaftskriminalität und namentlich der Mitarbeiter-Delinquenz nicht
formuliert werden.
Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Wirtschaftskriminalität besteht
längst nicht nur aus Geldwäscherei und sog. organisiertem Verbrechen!
Deliktische Handlungen sind zum Beispiel auch: Betrug, Korruption, Manipulation
von Bilanzen, Fälschungen, Diebstahl oder Computerkriminalität.
Zum Täterprofil sagen mehrere Studien von Wirtschaftsprüfern übereinstimmend
aus: durchschnittlich 35-45 Jahre alt und schon seit über 5 Jahre bei
der gleichen Firma! Wirtschaftskriminelle sind in der Regel Wiederholungstäter.
Verleitet vor allem durch Gelegenheit (mangelnde interne Kontrollen) und Gier.
Als Merkmale für einen Betrüger können, müssen aber nicht
gelten: Impulsivität, manipulatives Wesen, Lügen, aber auch übertriebene
Freundlichkeit, geringe Selbstkontrolle, Geltungssucht, plötzliche Steigerung
des Lebensstils; schon ein neues Auto könnte ein Alarmsignal sein (jedoch
genauso gut aus Ersparnissen, Börsengeschäften oder Erbschaften stammen).
Der Zielkonflikt zur Personalführung, welche grösstmögliches
Vertrauen schaffen will, ist offenbar.
In jedem Fall sind Verschleierung und Missbrauch des Vertrauens zulasten des
(eigenen) Unternehmens zentrale Elemente der Wirtschaftskriminalität – und
(nur) auf den ersten Blick paradox:
Wenn das Geschäft und die Konjunktur gut laufen, sinkt anscheinend die
Hemmschwelle, in die eigene Firmenkasse zu greifen!
In der Schweiz wird der durch Wirtschaftsdelikte verursachte Schaden auf drei
bis fünf Milliarden Franken, möglicherweise mehr, geschätzt.
Man vermutet, dass mindestens jede fünfte aller Schweizer Firmen bereits
Opfer von Wirtschaftsdelikten geworden ist (NZZ am Sonntag vom 13.5.2007),
und dies ist eine Dunkelziffer: Wo kein Kläger, ist auch kein Richter!
Ermittlungen bei Verdacht auf wirtschaftskriminelle Handlungen müssen
schnell, diskret und konzentriert ablaufen. Forensic Accounting ist die Prüfungstechnik,
Fraud Services meint das Betrugsmanagement. Meistens ziehen Firmen dabei Experten
privater Wirtschaftsprüfer den staatlichen Untersuchungsbehörden
vor.
Betroffene Firmen haben nämlich erheblich Angst vor Imageschäden
für ihre Reputation und kommunizieren wirtschaftskriminelle Delikte nicht
gern, oft werden sie nicht einmal (weiter)verfolgt, auch weil die Firmen den
Verlust meist selber tragen. Prävention bleibt deshalb das klar wirksamste
und kostengünstigste Mittel gegen Wirtschaftskriminalität.
Nicht der Gärtner oder der Butler, sondern der Mitarbeiter / Manager
ist der Täter, lautet also eine Kurzformel der Wirtschaftskriminalität.
Das ist die schlechte Nachricht!
Nun, als der junge, unbekannte Dürrenmatt sich bei verschiedenen Verlagen
anbot, einen Fortsetzungsroman zu schreiben und schliesslich von der Zeitschrift
BEOBACHTER für „Der Richter und sein Henker“, aus dem das
Zitat eingangs stammt, einen Vorschuss erhielt, an jenem glücklichen Tag
mit 500 Schweizer Franken in bar nach Hause kam, meinte seine Frau spontan,
er habe gestohlen! Doch nicht jeder Verdacht ist begründet: Das ist die
gute Nachricht!