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Eduard Frey

Projektleiter ZfU International Business School

 

Wirtschaftskriminalität – Motive, Täterprofil, Ermittlung und Prävention

Untitled Document „Die meisten Verbrechen bleiben nicht nur ungeahnt, sondern auch ungeahndet“. Treffender als dieser Satz von Friedrich Dürrenmatt, könnte das Phänomen der Wirtschaftskriminalität und namentlich der Mitarbeiter-Delinquenz nicht formuliert werden.

Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Wirtschaftskriminalität besteht längst nicht nur aus Geldwäscherei und sog. organisiertem Verbrechen! Deliktische Handlungen sind zum Beispiel auch: Betrug, Korruption, Manipulation von Bilanzen, Fälschungen, Diebstahl oder Computerkriminalität.

Zum Täterprofil sagen mehrere Studien von Wirtschaftsprüfern übereinstimmend aus: durchschnittlich 35-45 Jahre alt und schon seit über 5 Jahre bei der gleichen Firma! Wirtschaftskriminelle sind in der Regel Wiederholungstäter. Verleitet vor allem durch Gelegenheit (mangelnde interne Kontrollen) und Gier.

Als Merkmale für einen Betrüger können, müssen aber nicht gelten: Impulsivität, manipulatives Wesen, Lügen, aber auch übertriebene Freundlichkeit, geringe Selbstkontrolle, Geltungssucht, plötzliche Steigerung des Lebensstils; schon ein neues Auto könnte ein Alarmsignal sein (jedoch genauso gut aus Ersparnissen, Börsengeschäften oder Erbschaften stammen). Der Zielkonflikt zur Personalführung, welche grösstmögliches Vertrauen schaffen will, ist offenbar.

In jedem Fall sind Verschleierung und Missbrauch des Vertrauens zulasten des (eigenen) Unternehmens zentrale Elemente der Wirtschaftskriminalität – und (nur) auf den ersten Blick paradox:
Wenn das Geschäft und die Konjunktur gut laufen, sinkt anscheinend die Hemmschwelle, in die eigene Firmenkasse zu greifen!

In der Schweiz wird der durch Wirtschaftsdelikte verursachte Schaden auf drei bis fünf Milliarden Franken, möglicherweise mehr, geschätzt. Man vermutet, dass mindestens jede fünfte aller Schweizer Firmen bereits Opfer von Wirtschaftsdelikten geworden ist (NZZ am Sonntag vom 13.5.2007), und dies ist eine Dunkelziffer: Wo kein Kläger, ist auch kein Richter!

Ermittlungen bei Verdacht auf wirtschaftskriminelle Handlungen müssen schnell, diskret und konzentriert ablaufen. Forensic Accounting ist die Prüfungstechnik, Fraud Services meint das Betrugsmanagement. Meistens ziehen Firmen dabei Experten privater Wirtschaftsprüfer den staatlichen Untersuchungsbehörden vor.

Betroffene Firmen haben nämlich erheblich Angst vor Imageschäden für ihre Reputation und kommunizieren wirtschaftskriminelle Delikte nicht gern, oft werden sie nicht einmal (weiter)verfolgt, auch weil die Firmen den Verlust meist selber tragen. Prävention bleibt deshalb das klar wirksamste und kostengünstigste Mittel gegen Wirtschaftskriminalität.

Nicht der Gärtner oder der Butler, sondern der Mitarbeiter / Manager ist der Täter, lautet also eine Kurzformel der Wirtschaftskriminalität. Das ist die schlechte Nachricht!

Nun, als der junge, unbekannte Dürrenmatt sich bei verschiedenen Verlagen anbot, einen Fortsetzungsroman zu schreiben und schliesslich von der Zeitschrift BEOBACHTER für „Der Richter und sein Henker“, aus dem das Zitat eingangs stammt, einen Vorschuss erhielt, an jenem glücklichen Tag mit 500 Schweizer Franken in bar nach Hause kam, meinte seine Frau spontan, er habe gestohlen! Doch nicht jeder Verdacht ist begründet: Das ist die gute Nachricht!


 

 

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