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Lernen als Weg

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Dr. Fritz Haselbeck

Gründer und Leiter der International Business School ZfU (Zentrum für Unternehmungsführung) in Thalwil. Das breite Management-Ausbildungs-Angebot umfasst diverse fachspezifische Master-Programme, zertifizierte Lehrgänge, Seminare und Workshops.

 

Lernen aus Fehlern – ein anspruchsvoller Weg

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Im Altertum skizzierte Konfuzius das Sinnbild des Lernweges auf dreierlei Art: man kann ihn mit Nachdenken, Nachahmen oder mit Sammeln von Erfahrungen beschreiten. Den ersten Weg beurteilte er als den edelsten, den zweiten als leichtesten und den dritten - lernen aus eigenen Fehlern - als den bittersten.

Edles Lernen durch Reflexion

Nachdenken spielt sich virtuell ab, Modelle entwickeln sich mental. Kreativität und Imagination beflügeln diese geistigen Produkte. Mit hoher Vorstellungskraft lassen sich potenzielle Fehlwürfe vorwegnehmen. Geistesblitze sind die Macheten, mit denen sich unbekannte, verschlungene Pfade erschliessen. Über eigenständige Lösungen staunen Mitbewerber, weil die Produkte oder Leistungen „ab–wegig“ originell sind.

Dieser geistige Prozess mit all seinen Verzweigungen und Schlaufen wird in Gedanken, auf Papier oder im Computer durchgespielt. Ein Resultat dieser Königsdisziplin ist zum Beispiel der Entwicklungsgang der neuen Boeing Flugzeug-Generation.

Makel in Abläufen, die per intelligentem Gehirnschmalz entwickelt wurden, lassen sich virtuell korrigieren. Das verursacht keinen Schaden, es beansprucht lediglich Zeit und den Einsatz intuitiver Substanz.

Bequemes Lernen aus den Fehlern anderer

Jede auf Praxis ausgerichtete Business School arbeitet mit Cases: praktische Fälle mit exemplarischen Management- Fehlern werden durchgespielt. Der veritable Cailler-Flop von Nestlé wäre ein dankbares Beispiel. Was lief schief? Warum scheiterte der Versuch, eine traditionsreiche Schokolade in neuem Edelgewand erscheinen zu lassen? Auf die gleiche Weise lassen sich Erfolgsstrategien herauskristallisieren. Wie kam Red Bull zu seinem kommerziellen Erfolg im Vergleich zu anderen Soft Drinks?

Der Transfer ins eigene Leben, in die eigene Arbeit findet durch Nachahmen der zielführenden Schlüssellösungen statt. Wir transferieren das Gute und weichen den Fallen aus. Eine effiziente, kostengünstige Form, das so genannte "stellvertretende Lernen“. Kosten von Fehltritten sind vermeidbar, wenn diese von anderen prototypisch begangen wurden. Stattdessen kann der Etat für Ausbildung mit Fallstudien verwendet werden, die günstig per CBT oder Blended Learning vermittelt werden.

Die härteste Form der Weiterbildung: aus eigenen Fehlern lernen

Es geht um jene alltäglichen Fehler, die sich zu Hause oder im Beruf begeben. Die Rede ist vom "entdeckenden Lernen". Der Knackpunkt: Fehlleistungen sind meist mit dem Gefühl des Scheiterns verknüpft. Darum gilt die Regel: Fehler als Quelle für das "Abenteuer Lernen" packen, statt sich in ein Gedankentief fallen zu lassen. Denn positive Dynamik beschleunigt den Antrieb auf der Suche nach neuen Lösungswegen.

Eine gute Lernkultur im sozialen Umfeld fördert diese Denkhaltung ausserordentlich. Der Irrtum als Gelegenheit zum Weiterentwickeln rüttelt auf.

In der Neurophysiologie wurde entdeckt, dass Lern-Motivation über den Erfolg entscheidet. Wer Misserfolg und Ärger mit Frust und Angst paart, dem wird die Aufnahme von neuem Wissen komplett versperrt. Ergeht sich ein Fehler-Produzent in Selbstvorwürfen, wird er zu zaghaft. Unsicherheit zermürbt ihn, hält ihn davon ab, Neues zu wagen. Fatal: Er wird wieder in dieselbe Falle tappen!

Eine sportliche Haltung Fehlern gegenüber hilft. Wer dazu steht, dem fällt es leichter, rasch alle Betroffenen zu informieren, um gemeinsam zu korrigieren. Es gilt, einen Fehler frühzeitig zu erkennen, damit er möglichst wenig Unheil anrichtet. In einem solchen Augenblick sagt Jens Corssen, einer der profiliertesten Management-Berater und Spezialist für mentale Selbstführung: "Die Situation ist mein Coach. Welche Botschaft vermittelt mir die Situation, was will sie mich lehren?". In seinem Buch 'Der Selbstentwickler' präsentiert er in ermutigender Weise die Erfolgsparameter des Inner-Coachings. Sind wir richtig geeicht, trainieren wir uns in eine Aufwärtsspirale. Doch wie kann eine solche innere Einstellung in eine Organisation fliessen? In der ZfU International Business School lassen wir Lernerlebnisse der vergangenen Tage einmal pro Woche Revue passieren. Durch Abhalten von Lernmeetings beim Abschluss grösserer Projekte werden Kristalle bildende Punkte für Prozess-Verbesserungen eruiert: Welche Denkfehler wurden gemacht? Was haben wir als Gruppe daraus gelernt? Wie werden wir es das nächste Mal anders, besser machen? Bei der nächsten Arbeit startet man so bereits auf höherer Stufe! Bei Prozessen, Produkten und Dienstleistungen wird eine neue Kultur der kontinuierlichen Verbesserung erreicht.

Das reflektive Erlernen führt häufig zu kreativen, neuen Lösungen. Beim Erfassen unternehmerischer Fallstudien und tatsächlichen Fehler-Ereignissen profitieren wir von der Eigeninitiative, der persönlichen involvierten Aktivität. Durch die Integration eigener Wahrnehmung und eigenem Agieren wird der Lerneffekt intensiviert.

Prof. Dr. Theo Wehner von der ETH Zürich, Institut für Arbeitspsychologie, steht daher der steigenden Sucht des Zertifizierens beim Qualitätsmanagement kritisch gegenüber. Das übermässige Überwachen der Qualität aller Abläufe schafft Diffusion: Die Eigenverantwortung rückt in den Hintergrund, weil sich jeder auf den Null-Fehler-Prozess des Anderen verlässt. Nachlässigkeit schleicht sich in die Organisation ein. Besser ist, die Selbstverantwortung des Einzelnen zu stärken und Konsequenzen eines Fehls ohne Tadel zu reduzieren.

Die Fehlerkultur im sozialen Radius:

Wie viel können wir aus eigenen Fehlern bei der täglichen Arbeit lernen? Entscheidend ist, wie weit unsere Bezugspersonen im beruflichen oder im privaten Umfeld bestrafend, gewährend, verstehend und lernorientiert sind. Jede dieser Haltungen hat einen prägenden Einfluss auf den Betroffenen, dem ein Fehlgriff unterlaufen ist. Hier werden die Weichen zur Lebens- und Arbeitsfreude sowie zur persönlichen Entwicklung gestellt. Ein konstruktiver Umgang mit Irrtümern, die Misserfolge, Krisen und Enttäuschungen auslösen, sind Impulsgeber und Nährboden für Neues. Sie sind die Basis für fehlerfreie Verbesserungen und Erfindungen. Gehen wir daher freundlich und dankbar mit diesen wichtigen Anregern um. Nutzen wir auch jeden noch so kleinen Fauxpas als Sprungbrett in die Zukunft. Halten wir es mit Dale Carnegie, US-amerikanischer Schriftsteller (u. a. „Besser miteinander reden“) und legendärer Motivationstrainer im Bereich des positiven Denkens: Einer seiner Mitarbeiter erwartete nach einem Millionenfehler den Hinauswurf. Carnegie reagierte überlegt und fragte seinen Mitarbeiter: "Warum soll ich Sie entlassen, nachdem ich Millionen in ihre Ausbildung investiert habe?" Ein Fehler kann sich durchaus auch als rentable Investition in einem Lernprozess offenbaren.


 

 

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  • Im Park 4 - CH-8800 Thalwil/Zürich
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