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Im Altertum skizzierte Konfuzius das Sinnbild des Lernweges auf dreierlei
Art: man kann ihn mit Nachdenken, Nachahmen oder mit Sammeln von Erfahrungen
beschreiten. Den ersten Weg beurteilte er als den edelsten, den zweiten als
leichtesten und den dritten - lernen aus eigenen Fehlern - als den bittersten.
Edles Lernen durch Reflexion
Nachdenken spielt sich virtuell ab, Modelle entwickeln sich mental. Kreativität
und Imagination beflügeln diese geistigen Produkte. Mit hoher Vorstellungskraft
lassen sich potenzielle Fehlwürfe vorwegnehmen. Geistesblitze sind die
Macheten, mit denen sich unbekannte, verschlungene Pfade erschliessen. Über
eigenständige Lösungen staunen Mitbewerber, weil die Produkte oder
Leistungen „ab–wegig“ originell sind.
Dieser geistige Prozess mit all seinen Verzweigungen und Schlaufen wird in
Gedanken, auf Papier oder im Computer durchgespielt. Ein Resultat dieser Königsdisziplin
ist zum Beispiel der Entwicklungsgang der neuen Boeing Flugzeug-Generation.
Makel in Abläufen, die per intelligentem Gehirnschmalz entwickelt wurden,
lassen sich virtuell korrigieren. Das verursacht keinen Schaden, es beansprucht
lediglich Zeit und den Einsatz intuitiver Substanz.
Bequemes Lernen aus den Fehlern anderer
Jede auf Praxis ausgerichtete Business School arbeitet mit Cases: praktische
Fälle mit exemplarischen Management- Fehlern werden durchgespielt. Der
veritable Cailler-Flop von Nestlé wäre ein dankbares Beispiel.
Was lief schief? Warum scheiterte der Versuch, eine traditionsreiche Schokolade
in neuem Edelgewand erscheinen zu lassen? Auf die gleiche Weise lassen sich
Erfolgsstrategien herauskristallisieren. Wie kam Red Bull zu seinem kommerziellen
Erfolg im Vergleich zu anderen Soft Drinks?
Der Transfer ins eigene Leben, in die eigene Arbeit findet durch Nachahmen
der zielführenden Schlüssellösungen statt. Wir transferieren
das Gute und weichen den Fallen aus. Eine effiziente, kostengünstige Form,
das so genannte "stellvertretende Lernen“. Kosten von Fehltritten
sind vermeidbar, wenn diese von anderen prototypisch begangen wurden. Stattdessen
kann der Etat für Ausbildung mit Fallstudien verwendet werden, die günstig
per CBT oder Blended Learning vermittelt werden.
Die härteste Form der Weiterbildung: aus eigenen Fehlern lernen
Es geht um jene alltäglichen Fehler, die sich zu Hause oder im Beruf
begeben. Die Rede ist vom "entdeckenden Lernen". Der Knackpunkt:
Fehlleistungen sind meist mit dem Gefühl des Scheiterns verknüpft.
Darum gilt die Regel: Fehler als Quelle für das "Abenteuer Lernen" packen,
statt sich in ein Gedankentief fallen zu lassen. Denn positive Dynamik beschleunigt
den Antrieb auf der Suche nach neuen Lösungswegen.
Eine gute Lernkultur im sozialen Umfeld fördert diese Denkhaltung ausserordentlich.
Der Irrtum als Gelegenheit zum Weiterentwickeln rüttelt auf.
In der Neurophysiologie wurde entdeckt, dass Lern-Motivation über den
Erfolg entscheidet. Wer Misserfolg und Ärger mit Frust und Angst paart,
dem wird die Aufnahme von neuem Wissen komplett versperrt. Ergeht sich ein
Fehler-Produzent in Selbstvorwürfen, wird er zu zaghaft. Unsicherheit
zermürbt ihn, hält ihn davon ab, Neues zu wagen. Fatal: Er wird wieder
in dieselbe Falle tappen!
Eine sportliche Haltung Fehlern gegenüber hilft. Wer dazu steht, dem
fällt es leichter, rasch alle Betroffenen zu informieren, um gemeinsam
zu korrigieren. Es gilt, einen Fehler frühzeitig zu erkennen, damit er
möglichst wenig Unheil anrichtet. In einem solchen Augenblick sagt Jens
Corssen, einer der profiliertesten Management-Berater und Spezialist für
mentale Selbstführung: "Die Situation ist mein Coach. Welche Botschaft
vermittelt mir die Situation, was will sie mich lehren?". In seinem Buch
'Der Selbstentwickler' präsentiert er in ermutigender Weise die Erfolgsparameter
des Inner-Coachings. Sind wir richtig geeicht, trainieren wir uns in eine Aufwärtsspirale.
Doch wie kann eine solche innere Einstellung in eine Organisation fliessen?
In der ZfU International Business School lassen wir Lernerlebnisse der vergangenen
Tage einmal pro Woche Revue passieren. Durch Abhalten von Lernmeetings beim
Abschluss grösserer Projekte werden Kristalle bildende Punkte für
Prozess-Verbesserungen eruiert: Welche Denkfehler wurden gemacht? Was haben
wir als Gruppe daraus gelernt? Wie werden wir es das nächste Mal anders,
besser machen? Bei der nächsten Arbeit startet man so bereits auf höherer
Stufe! Bei Prozessen, Produkten und Dienstleistungen wird eine neue Kultur
der kontinuierlichen Verbesserung erreicht.
Das reflektive Erlernen führt häufig zu kreativen, neuen Lösungen.
Beim Erfassen unternehmerischer Fallstudien und tatsächlichen Fehler-Ereignissen
profitieren wir von der Eigeninitiative, der persönlichen involvierten
Aktivität. Durch die Integration eigener Wahrnehmung und eigenem Agieren
wird der Lerneffekt intensiviert.
Prof. Dr. Theo Wehner von der ETH Zürich, Institut für Arbeitspsychologie,
steht daher der steigenden Sucht des Zertifizierens beim Qualitätsmanagement
kritisch gegenüber. Das übermässige Überwachen der Qualität
aller Abläufe schafft Diffusion: Die Eigenverantwortung rückt in
den Hintergrund, weil sich jeder auf den Null-Fehler-Prozess des Anderen verlässt.
Nachlässigkeit schleicht sich in die Organisation ein. Besser ist, die
Selbstverantwortung des Einzelnen zu stärken und Konsequenzen eines Fehls
ohne Tadel zu reduzieren.
Die Fehlerkultur im sozialen Radius:
Wie viel können wir aus eigenen Fehlern bei der täglichen Arbeit
lernen? Entscheidend ist, wie weit unsere Bezugspersonen im beruflichen oder
im privaten Umfeld bestrafend, gewährend, verstehend und lernorientiert
sind. Jede dieser Haltungen hat einen prägenden Einfluss auf den Betroffenen,
dem ein Fehlgriff unterlaufen ist. Hier werden die Weichen zur Lebens- und
Arbeitsfreude sowie zur persönlichen Entwicklung gestellt. Ein konstruktiver
Umgang mit Irrtümern, die Misserfolge, Krisen und Enttäuschungen
auslösen, sind Impulsgeber und Nährboden für Neues. Sie sind
die Basis für fehlerfreie Verbesserungen und Erfindungen. Gehen wir daher
freundlich und dankbar mit diesen wichtigen Anregern um. Nutzen wir auch jeden
noch so kleinen Fauxpas als Sprungbrett in die Zukunft. Halten wir es mit Dale
Carnegie, US-amerikanischer Schriftsteller (u. a. „Besser miteinander
reden“) und legendärer Motivationstrainer im Bereich des positiven
Denkens: Einer seiner Mitarbeiter erwartete nach einem Millionenfehler den
Hinauswurf. Carnegie reagierte überlegt und fragte seinen Mitarbeiter: "Warum
soll ich Sie entlassen, nachdem ich Millionen in ihre Ausbildung investiert
habe?" Ein Fehler kann sich durchaus auch als rentable Investition in
einem Lernprozess offenbaren.