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Helmut M. Frick

ZfU-Faculty: Finanzen & Controlling
Leiter Kompetenz-Zentrum ZfU International Business School

 

Die SEC will neu IFRS-Bilanzen akzeptieren

Untitled Document Die US-Börsenaufsicht SEC will neu die IFRS für eine Notierung ausländischer Firmen an Wall Street anerkennen. Das ist eine Sensation. Um solche Forderungen wird seit Jahren gerungen. Seit Ausländer in der Wall Street nicht mehr Schlange stehen und New York als Finanzplatz gegenüber London in Rücklage gerät, werden internationale Interessen nun offensichtlich verstärkt wahrgenommen. Zuvor waren die Gralshüter des weltgrössten Kapitalmarktes den Ausländern bereits mit vereinfachten Delisting-Regeln entgegengekommen.

Die SEC anerkennt definitv IFRS-Abschlüsse ohne Überleitung auf US GAAP. Am 20. Juni hat die SEC unter Release No 33-8818 die vorgeschlagene Regelung veröffentlicht, nach der ausländischen Emittenten ermöglicht werden soll, einen IFRS-Abschluss ohne eine Überleitungsrechnung auf US GAAP bei der SEC einzureichen. Es wird deutlich gemacht, dass sich die Befreiung nur auf Abschlüsse bezieht, die nach den vom IASB – in englischer Sprache – veröffentlichte IFRSs aufgestellt wurden. Der Anwendungszeitpunkt wird nicht vorgegeben, sondern zur Diskussion gestellt.

Die Änderungen würden für die 2009 bei der SEC eingereichten Abschlüsse, die das Jahr 2008 betreffen, greifen. Darüber hinaus plant die SEC, innerhalb der kommenden Monate ein sog. Concept Release (ähnlich einem Diskussionspapier) zu veröffentlichen. Dieses soll sich an die US-amerikanischen Unternehmen richten. Im Zuge der Veröffentlichung werden Stellungnahmen zu der Frage ersucht, ob US-amerikanischen Emittenten erlaubt werden soll, ihre Abschlüsse nach IFRS zu erstellen.

Es gibt noch eine ganze Reihe offener Fragen. Dass in New York notierte Konzerne wie Ciba SC oder ABB künftig ihre Abschlüsse nicht mehr auf die US-GAAP überleiten müssen, bringt zwar
enorme Einsparungen. Sorgen bereitet indes die Einschränkung, dass die IFRS nur in Reinform akzeptiert werden sollen und nicht als IFRS-Variante, wie sie mit dem in Europa etablierten zusätzlichen Anerkennungsverfahren ausgearbeitet wurde. Das sorgt verständlicherweise für Unmut bei den Europäern. Gegenseitige Anerkennung muss für sie bedeuten, auf der einen Seite US-GAAP und auf der anderen die EU-Normen zu billigen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass sich die SEC mit dem Votum für IFRS auf das Wagnis einlässt, Standards zu akzeptieren, die in wichtigen Punkten noch nicht in der endgültigen Form vorliegen. Zudem gibt es bislang keine Instanz, die EU-weit oder gar global die einheitliche Anwendung dieser Regeln überwacht. Aus diesem Szenario heraus ist die Sorge der Amerikaner zu verstehen.

Im Hinblick auf das Ziel weltweit einheitlicher Bilanzrichtlinien, sollte immer wieder hinterfragt werden, ob Europa auf seinem eigenen IFRS-Weg nicht in die Sackgasse fährt. Es herrscht bisweilen Unmut, weil der internationale Standardisierer IASB europäische Forderungen zu wenig integriere. Als Gegenkraft entscheidend sei somit die Möglichkeit, bei Standards auch Nein sagen zu können. Die Unzufriedenheit gipfelt im Anspruch, der EU politischen Einfluss beim IASB zu garantieren, – was dem Gedanken der Unabhängigkeit zuwiderliefe. Zweifellos ist es besser, ohne Proporzdenken konstruktiv beim IASB mitzuarbeiten. Dies dürfte in Zukunft noch wichtiger werden. Denn mit der IFRS-Anerkennung werden die USA mit voller Wucht beim IASB auftreten.


 

 

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