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Die US-Börsenaufsicht SEC will neu die IFRS für eine Notierung ausländischer
Firmen an Wall Street anerkennen. Das ist eine Sensation. Um solche Forderungen
wird seit Jahren gerungen. Seit Ausländer in der Wall Street nicht mehr
Schlange stehen und New York als Finanzplatz gegenüber London in Rücklage
gerät, werden internationale Interessen nun offensichtlich verstärkt
wahrgenommen. Zuvor waren die Gralshüter des weltgrössten Kapitalmarktes
den Ausländern bereits mit vereinfachten Delisting-Regeln entgegengekommen.
Die SEC anerkennt definitv IFRS-Abschlüsse ohne Überleitung auf
US GAAP. Am 20. Juni hat die SEC unter Release No 33-8818 die vorgeschlagene
Regelung veröffentlicht, nach der ausländischen Emittenten ermöglicht
werden soll, einen IFRS-Abschluss ohne eine Überleitungsrechnung auf US
GAAP bei der SEC einzureichen. Es wird deutlich gemacht, dass sich die Befreiung
nur auf Abschlüsse bezieht, die nach den vom IASB – in englischer
Sprache – veröffentlichte IFRSs aufgestellt wurden. Der Anwendungszeitpunkt
wird nicht vorgegeben, sondern zur Diskussion gestellt.
Die Änderungen würden für die 2009 bei der SEC eingereichten
Abschlüsse, die das Jahr 2008 betreffen, greifen. Darüber hinaus
plant die SEC, innerhalb der kommenden Monate ein sog. Concept Release (ähnlich
einem Diskussionspapier) zu veröffentlichen. Dieses soll sich an die US-amerikanischen
Unternehmen richten. Im Zuge der Veröffentlichung werden Stellungnahmen
zu der Frage ersucht, ob US-amerikanischen Emittenten erlaubt werden soll,
ihre Abschlüsse nach IFRS zu erstellen.
Es gibt noch eine ganze Reihe offener Fragen. Dass in New York notierte Konzerne
wie Ciba SC oder ABB künftig ihre Abschlüsse nicht mehr auf die US-GAAP überleiten
müssen, bringt zwar
enorme Einsparungen. Sorgen bereitet indes die Einschränkung, dass die
IFRS nur in Reinform akzeptiert werden sollen und nicht als IFRS-Variante,
wie sie mit dem in Europa etablierten zusätzlichen Anerkennungsverfahren
ausgearbeitet wurde. Das sorgt verständlicherweise für Unmut bei
den Europäern. Gegenseitige Anerkennung muss für sie bedeuten, auf
der einen Seite US-GAAP und auf der anderen die EU-Normen zu billigen. Zu berücksichtigen
ist jedoch, dass sich die SEC mit dem Votum für IFRS auf das Wagnis einlässt,
Standards zu akzeptieren, die in wichtigen Punkten noch nicht in der endgültigen
Form vorliegen. Zudem gibt es bislang keine Instanz, die EU-weit oder gar global
die einheitliche Anwendung dieser Regeln überwacht. Aus diesem Szenario
heraus ist die Sorge der Amerikaner zu verstehen.
Im Hinblick auf das Ziel weltweit einheitlicher Bilanzrichtlinien, sollte
immer wieder hinterfragt werden, ob Europa auf seinem eigenen IFRS-Weg nicht
in die Sackgasse fährt. Es herrscht bisweilen Unmut, weil der internationale
Standardisierer IASB europäische Forderungen zu wenig integriere. Als
Gegenkraft entscheidend sei somit die Möglichkeit, bei Standards auch
Nein sagen zu können. Die Unzufriedenheit gipfelt im Anspruch, der EU
politischen Einfluss beim IASB zu garantieren, – was dem Gedanken der
Unabhängigkeit zuwiderliefe. Zweifellos ist es besser, ohne Proporzdenken
konstruktiv beim IASB mitzuarbeiten. Dies dürfte in Zukunft noch wichtiger
werden. Denn mit der IFRS-Anerkennung werden die USA mit voller Wucht beim
IASB auftreten.