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Alexander Meili

ZfU-Faculty: Marketing & Vertrieb
Fachbereich Marketing
Lehrauftrag für Internationales Loyalitätsmarketing

Alexander Meili, Strategic Planning Director, ICLP Europa, Zürich / Madrid 2006. Alexander Meili, Strategic Planning Director von ICLP Europa, Zürich und Madrid. Alexander Meili hat mehrere international ausgezeichnete Loyalitätsprogramme.

 

Shall we dance?

oder: der Kampf der Programme um einen Platz im Portemonnaie

Written by Alexander Meili, Strategic Planning Director, ICLP Europa, Zürich / Madrid 2006

Der Trend ist klar: Wir werden in der Zukunft noch mehr Kundenbindungs- oder Treueprogramme im Markt haben. Die Mehrheit der grösseren Unternehmen plant erhebliche Budgeterhöhungen für ihre Kundenbindungsmassnahmen. Sie haben erkannt, dass das Sammeln von Bonuspunkten oder Flugmeilen das Steckenpferd ihrer Konsumenten ist und sie die Umsätze durch ein attraktives Kundenbindungsprogramm signifikant erhöhen können. Dabei gilt: Mit einer Erhöhung einer Kundenbindung um 5% ist eine Profitsteigerung von ca. 25% möglich.

Doch ein Kundenbindungsprogramm alleine ist kein Garant für den Erfolg. Entscheidend ist, ob es dem Programm gelingt, die Gunst der Kunden zu gewinnen – und zwar nachhaltig.

Versetzen Sie sich in die Lage der Konsumenten

Heutzutage wird der Konsument in vielen Branchen mit ähnlichen Kundenbindungsprogrammen nahezu überhäuft. Die

Orientierung in der Flut der Loyalty Programme wird immer schwieriger. Eine wirkliche Differenzierung und ein einmaliger Benefit ist für den Kunden nicht immer auf Anhieb ersichtlich.

In den meisten Fällen handelt es sich um Rabattprogramme, welche die wiederholte Kauffrequenz in Form von Prämien oder Sonderkonditionen belohnen. Für des Kunden Portemonnaie ist dies sicherlich attraktiv. Deshalb wundert es auch nicht, dass die Konsumenten heute bei weit mehr als nur einem Treueprogramm Mitglied sind.

Ein Beispiel aus der Reisebranche: Europäische Vielflieger sammeln ihre Meilen bei 2–3 verschiedenen Kundenbindungsprogrammen, die Amerikaner nehmen sogar an 3–4 Programmen oder mehr teil.

Weitere Mitgliedschaften aus anderen Branchen kommen dazu (z.B. für Einkäufe des täglichen Bedarfs), so dass Konsumenten mit einem halben Dutzend Programm-Mitgliedschaften keine Seltenheit sind.

In der Flut der Angebote konzentrieren sich die Konsumenten deshalb wieder auf möglichst wenige und ausgesuchte Kundenbindungsprogramme. Und sie sind immer weniger gewillt, ihre persönlichen Daten einer Vielzahl von Programmen zu überlassen!

Hinzu kommt – so simpel es auch scheint –, dass die Steckplätze im Portemonnaie des Konsumenten zum Grossteil schon belegt sind. In den meisten Portemonnaies ist Platz für maximal fünf Plastikkarten vorgesehen. Daher ist der Kunde nicht bereit, mehr als drei Kundenkarten einen festen Platz einzuräumen und damit die Möglichkeit zu geben, tagtäglich ins Blickfeld und somit zu einem Teil der Kaufentscheidung zu werden.

Versetzen Sie sich in die Lage der Unternehmen

Oft fristen Programme ein “Mauerblümchen-Dasein" oder ähneln sich stark jenen der verschiedenen Marktteilnehmer.

Der Konsument reagiert darauf zunehmend mit Indifferenz oder sogar Treuebruch: “Das haben wir / kennen wir bereits“ oder “nichts Weiteres als eine Kopie der Konkurrenz“.

Angesichts des Konsumenten-Fokus auf nur wenige Programme muss es Unternehmen gelingen, auf ihre Kundenbindungsaktivitäten aufmerksam zu machen und sich von der Konkurrenz “überzeugend zu differenzieren“. Kundenumfragen haben ergeben, dass einer der Hauptgründe, NICHT einem (neuen) Programm beizutreten, dessen Unbekanntheit ist.

In diesem Sinn ist die Differenzierung der beste Weg Aufmerksamkeit (Awareness) und Interesse zu erzeugen. Denn trotz eines immer komplexer werdenden Umfelds nehmen Konsumenten neue Produkte und guten Service, die sich vom Durchschnitt abheben, durchaus wahr und reagieren positiv.

Wie erzielen Programme eine effektive Wahrnehmung beim Kunden?

Der Schlüssel liegt in der Differenzierung!

Primär geht es darum, den Kunden und seine Bedürfnisse zu kennen, um die passende Strategie für das Dialogmarketing zu wählen. Dabei gehen wir – sofern vorhanden – von den Kundendaten aus, wo durch systematische und individuelle (nicht kumulierte!) Analyse der sogenannte “Customer Insight“ gewonnen wird. Selbstverständlich werden hier auch noch andere Quellen beigezogen: Umfragen, Kundengespräche und –feedbacks sowie Benchmarking des kompetitiven Umfelds.

Basierend auf diesem “Customer Insight” definiert ICLP Differenzierung nach folgenden Dimensionen:

1. Kunden: Erwartungen übertreffen und aufkommende Bedürfnisse antizipieren

Differenzierung beim Kunden wird über die Vermittlung von überzeugenden Vorteilen und Privilegien erzielt – in anderen Worten: durch eine positive Überraschung der Erwartungshaltung – durch ein echtes “Wow!“ - Erlebnis. Diese Möglichkeit bietet sich in Bereichen, in denen die Konsumenten Bedürfnisse haben (z.B. durch Ereignisse im Lebenszyklus), die erst am Aufkeimen sind oder – besser noch – die sie noch gar nicht bemerkt haben.

Gelingt es dem Kundenbindungsprogramm, diese Bedürfnisse rechtzeitig zu antizipieren und mit adäquaten Mitteln darauf zu reagieren (Harvard Business Review nannte es kürzlich: “die perfekte Botschaft im richtigen Moment“), dann ist die „Differenzierung“ am wirksamsten.

2. Programm: Plattform im technologischen/funktionalen Bereich weiterentwickeln

Nachhaltig wird die Differenzierung erst dann, wenn sie nicht gleich von anderen Programmen kopiert werden kann. Innovative Weiterentwicklungen in Technologie und Software erschweren der Konkurrenz, Schritt zu halten, dies macht die Differenzierung langlebiger.

3. Konkurrenz: “Time to market” und Visibilität planen/inszenieren

“Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gilt auch im Loyalty Marketing – sowohl in Bezug auf die Marktanteile (z.B. bei einem neuen Geschäftsfeld) als auch im Bewusstsein der Konsumenten (beispielsweise bei einer neuen Technologie). Der gezielte Einsatz von CRM leistet der Differenzierung zusätzlichen Vorschub, indem sie spezielle “Benefits & Rewards“ im stark personalisierten Dialogmarketing nur einem ausgewählten Kundenstamm zugänglich macht. Durch die eingeschränkte Visibilität wird die Differenzierung im Sinne der Exklusivität noch wertvoller.

Das Geheimnis liegt in der Emotion

Bemühungen um Aufmerksamkeit und eine Interaktion mit dem Kunden werden nur dann erfolgreich, wenn es dem Betreiber der Kundenbindungsaktivitäten gelingt, geschaffene Differenzierungen emotional zum richtigen Zeitpunkt individuell zu transportieren und emotionale Befriedigung beim Kunden zu erzielen. US-Consultant Alain Weiss bringt es auf den Punkt: ”Logic makes people think, Emotion makes them act”. Um die Emotionalität zu fördern, offerieren immer mehr Programme hierzulande ihren Kunden so genannte “Lifestyle-Prämien“ (z.B. Ballonfahrten oder wie kürzlich Virgin Atlantic: einen Flug in das All ab 2008).

Hier werden, im Verbund mit hochqualitativen Serviceleistungen aus dem Freizeitbereich, einmalige Erlebnisse (once-in-a-life-time) angeboten. Für viele (nicht alle) Kunden können solche Prämien den Grund bilden, wofür es sich lohnt, Punkte zu sammeln. Dies wiederum bedeutet für die Programmbetreiber erhöhte Loyalität und Umsatzwachstum.

Fazit

Trotz harter Konkurrenz und der wachsenden Anzahl von Kundenbindungsprogrammen gibt es noch genügend Raum für kreative Ideen und Methoden, um die Aufmerksamkeit und Gunst der Kunden zu erzielen. Allerdings: Ideen alleine genügen nicht. Das Team, welches für das Programmmanagement verantwortlich zeichnet, muss die immer besser werdenden Techniken des Loyalty Marketing beherrschen, um Strategien zur Attraktivitätssteigerung des Programms erfolgreich in die Tat umzusetzen. Respektive den Kunden individuell zum Tanz aufzufordern, der in eine längerfristige Beziehung mündet.

über ICLP

ICLP ist die Nummer 1 unter den Loyalty Marketing Agenturen mit Niederlassungen in London, Dallas, Dubai, Hong Kong, Kuala Lumpur, San Francisco, Shanghai, Singapore, Sydney, Tokyo und Zürich. ICLP gehört zu den ersten Adressen für Loyalty Marketing. Das Leistungsspektrum umfasst Beratung, Entwicklung, Implementierung und Programm-Management.


 

 

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