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Villa Diana
Lernen als Weg

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Hannes Müller

ZfU-Faculty: Selbst- und Leistungskompetenz
Fachbereich Kommunikation
Lehrstuhl für Rhetorik und Sprache

Führender Rhetorik-Trainer im deutschsprachigen Raum für öffentliche Seminare, firmeninterne Veranstaltungen und Einzelcoaching.

 

Reden ist ein öffentlicher Denkprozess
Ein Gespräch mit dem Rhetorik-Trainer Hannes Müller

Was muss ein Redner beachten, damit seine Rede erfolgreich wird?

Reden Sie frei – nur so können Sie Ihren Gedanken freien Raum geben. Die Rhetorik, wie auch die Bühne, will dem Text neue Dimensionen erschliessen, den Text interpretieren. Nur ein lebendiger Text wirkt.

Was da von Kanzeln, in Hörsälen, Symposien zelebriert wird, ist meist Friedhof. Die «Rednerbühne» ist programmatisch gestaltet, Rednerpult mit Blumenarrangements wie bei einer Aufbahrung. Wollen Sie Ihre Gedanken zu Grabe tragen, dann verbergen Sie sich hinter einem solchen «Mumiensarg». Zeigen Sie möglichst wenig von sich. Maskieren Sie Ihre Sprache. Verwenden Sie einen hochtrabenden, komplizierten Fachjargon. Verbrämen Sie das dünne Surrogat mit einer Orgie von Substantivierungen.

Wie wichtig ist die Sprache?

Stimmt die Sprache nicht, haben Ihre Gedanken keinen Biss. Bilden Sie schlanke Hauptsätze. Raus mit dem Firlefanz. Klar muss Ihre Sprache sein.

Gibts noch weitere Elemente einer guten Rede?

Vor allem muss ein Redner von sich und seinen Ideen überzeugt sein. Der Redner ist der «Fleisch gewordene Gedanke.» Er baut den geistigen Raum, in dem das Publikum seine eigenen Gedanken und Phantasien weiterspinnen kann.

In Ihren Seminaren verwenden Sie den Spruch: «Rhetorik ist ein Kampfsport».

Rhetorik will wirken – will bewirken. Das Publikum muss am Ende der Präsentation reicher sein, innerlich einen Weg gegangen sein. Wenn nicht, haben Sie was falsch gemacht.

Wer andere bewegen will, muss selbst bewegt sein. Wie in der Schule: Die Lehrerpersönlichkeit zieht mich rein in den Stoff. Plötzlich bin ich gefangen, plötzlich macht mir das Lernen Spass. Macht mir das Lernen Spass, geht auch was rein ins Hirn. Spass ist das magische Wort.

Ich erinnere mich an Vorlesungen, da sassen Hörer aller Fakultäten drin. Sicher, der Stoff war interessant, das Ereignis aber war der Professor. Beispiele, Apercus, Witz, Situationen, ein Reichtum von sinnlichen Elementen machen den Text lebendig.

Die Gegenwelt kennen Sie: Das Publikum wird stundenlang malträtiert von einem gediegenen Langeweiler, der Bedeutung zelebriert. Kein Mensch ist gekommen um zuzuhören, wie ein Text schlecht vorgelesen wird, ohne Ausdruck, mit toten Augen. Die Sakkoknöpfe dieser Redner haben mehr Ausdruck als ihre Augen. Interessant: In der anschliessenden Diskussion wird plötzlich aus einer Papiermilbe ein Mensch mit Emotionen. Plötzlich moduliert die Stimme, die Augen leben, der Körper reagiert mit ausdrucksstarker Gestik.

Stört Sie der Referent beim Nachdenken, wehren Sie sich. Zeigen Sie ihm, dass Sie sich langweilen. Stehen Sie auf und verlassen den Raum, in dem Gedanken zu Grabe getragen werden.

Muss der gute Redner ein guter Schauspieler sein?

Der Redner darf nicht schauspielern. Übrigens, kein guter Schauspieler «schauspielert». Das unterscheidet ihn von der «Schmiere». Der echte Schauspieler identifiziert sich so mit seiner Rolle, dass der Rollentext sein Text wird. Diesen Text entwickelt er in jeder Vorstellung neu. Genauso entwickelt der Redner seine Gedanken in einem stetigen innern Dialog mit dem Auditorium. Reden ist öffentliches Denken.

Welche Bedeutung hat die optische Unterstützung eines Vortrages?

Alle optischen Hilfsmittel sind Konkurrenten, sind Energiefresser. Das hab ich auf der Bühne gelernt: Sei sparsam mit optischen Reizen! Weg mit dem Ornament. Der Redner muss wirken, nicht die Dekoration, oder das Logo am Rednerpult.

Textfolien sind gefährlich. Sie kennen die Redner, die ihre Sentenzen nochmals wie ein warnendes Menetekel auf der Leinwand erscheinen lassen. So versuchen sich impotente Redner abzusichern: «wenn die schon nicht zuhören, dann lesen sie es wenigstens.» Keine billigen Cartoons und Figuren aus dem Softwareprogramm amerikanischer Massenkultur. Wer sich hinter Charts versteckt, verliert seine Persönlichkeit. Persönlichkeit muss ständig gelebt werden, sonst verkümmert sie. Seien Sie eigenwilig – seien Sie ein Original.

Wie «original» darf ein Redner sein?

Die Konvention ist der Todfeind der Rhetorik. Antiquierte Anreden, all das «möchte» und «würde» verschleiert die Wirkung. Das Gegenargument ist immer wieder: mein Auditorium wünscht diese Formeln und Rituale. Quatsch! Das Publikum will gepackt werden – in interessante Gedankengebäude entführt werden – nichts anderes.

Das Notenblatt ist nicht die Musik.
Das Textbuch ist nicht das Drama.
Das Manuskript ist nicht die Rede.

Denken Sie öffentlich – reden Sie frei!


 

 

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