Entfernung ist ein «Auslaufmodell»
Banken und Versicherungen rücken näher zusammen, Grosskonzerne entstehen, Kunden
erwarten Komplettlösungen, und neue Technologien gewinnen zunehmend an Bedeutung. War
bisher der direkte Kontakt zum Kunden der Schlüssel zum Geschäft, wählt der Kunde heute
über das Internet anonym und schnell aus dem Angebot unterschiedlichster Anbieter.
Resultierende Veränderungen der Unternehmensstrukturen, flexible Produktangebote sowie
ein verstärkter Druck auf die Kosten stellen neue Ansprüche an die Unternehmensprozesse.
Die zukunftsorientierte Gestaltung von Prozessen wird zur Aufgabe aller Führungskräfte
im Unternehmen.
Wer erhalten will, muss verändern
Viele Entscheider stellen sich die Frage: «Können wir uns neben einem neuen
IT-Projekt auch noch eine Prozessoptimierung leisten?» Die Frage sollte besser lauten:
Können wir es uns leisten, ein neues Datenverarbeitungssystem (DV) einzuführen, ohne
vorher unsere Geschäftsprozesse zu optimieren? Was nützt ein automatischer Workflow,
wenn der nächste Sachbearbeiter den Vorgang erst einmal liegen lässt? Was nützt eine
integrierte Kreditsachbearbeitung, wenn die Filialen auf Einzelaufträge ausgerichtet
sind?
Sicherlich ermöglichen moderne DV-Systeme eine höhere Effizienz durch das Vermeiden
von Medienbrüchen, Transportzeiten oder Informationsdefiziten. Das Potential steckt in
der Beseitigung organisatorischer Barrieren wie einer zu hohen Arbeitsteilung, hohen
Liegezeiten, unklaren Zuständigkeiten, falschen Steuerungsprinzipien oder
Abteilungsdenken.
Das Potential zu Quantensprüngen liegt in der ganzheitlichen prozessualen Betrachtung
des Unternehmensgeschehens. Dieser Ansatz setzt voraus, dass von der üblichen abteilungs-
und funktionsbezogenen Denkweise Abstand genommen wird. Die prozessorientierte
Unternehmensphilosophie versteht nicht nur das Unternehmen, sondern auch seine Kunden,
Lieferanten und Partner als ein logisch zusammenhängendes System.
Nur wer seine Prozesse kennt, wird sie auch beherrschen
Die grösste Herausforderung der Prozessoptimierung besteht darin, die heutigen
komplexen Prozesse aufzulösen und durch intelligente Organisation einfach, durchgängig
und flexibel zu gestalten. Will man Prozesse verbessern, ist das kritische Durchleuchten
aller Tätigkeiten unabdingbar. Liebgewonnene Gewohnheiten müssen abgeschafft werden, um
effizienter, schneller und besser am Markt zu agieren.
Für die Optimierung der Prozesse gibt es zwei Blickrichtungen: das Reengineering, d.h.
die Optimierung der Ist-Prozesse, sowie die Modellierung, d.h. die Gestaltung von Modell-
und Zielprozessen als Vision für die nächsten Jahre. Während eines Projektes sollten
beide Vorgehensweisen durchgeführt werden. Dies stellt sicher, dass operationale und
strategische Ideen zielgerichtet implementiert werden.
Ungeahnte Kreativitätspotentiale nutzen
Zufriedene Kunden und produktive Prozesse lassen sich nur mit motivierten und
qualifizierten Mitarbeitern und Führungskräften realisieren. Sie stehen in einem
prozessorientierten Unternehmen im Mittelpunkt des Geschehens und sind die grössten
Erfolgsfaktoren.
reativität und Innovationsfähigkeit wird gefordert und gefördert. Mitarbeiter werden
motiviert, die Prozesse kontinuierlich zu verbessern und sich aktiv am gesamten
Unternehmensgeschehen zu beteiligen. Kreativitätspotentiale lassen sich durch ein
entsprechendes Arbeitsumfeld, Erfolgsorientierung und neue Anreizsysteme wecken. Eine
wachsende Zahl von Mitarbeitern will im Rahmen ihrer Arbeit eigene Vorschläge machen und
an deren Verwirklichung teilhaben. Sie wünschen zudem mehr Verantwortung und einen
grösseren Handlungsspielraum. Sie wollen die Methoden zur Lösung eines Problems selbst
bestimmen und in Entscheidungen ihrer Vorgesetzten mit einbezogen werden. Hier bietet die
Einführung der Prozessorientierung eine grosse Chance.
Zusammenfassung und Ausblick
Die besten Unternehmen zeichnen sich heute durch kompromisslose Einfachheit aus, sowohl
in der Zielsetzung als auch in Strukturen und Prozessen. Mit weniger Produkten, weniger
Personal erzielen sie bei deutlich kürzeren Durchlaufzeiten eine wesentlich höhere
Rendite.
Die Gestaltungs- und Optimierungsmöglichkeiten in Prozessen sowie neue
Informationstechnologien werden weiter an Bedeutung gewinnen und die Arbeit des Menschen
in Finanz- und Dienstleistungsunternehmen immer stärker unterstützen. Sie determinieren
nicht die Zukunft, sie eröffnen neue Gestaltungsspielräume. Die sich bietenden
Möglichkeiten sollten als Chancen und Herausforderungen verstanden werden.