1. Umsetzungsdruck im UnternehmenIm
Wettbewerb werden sich diejenigen Unternehmen behaupten können, die schneller, besser,
wirksamer und proaktiv die Anpassungsprozesse leisten können, allerdings unter Wahrung
ihrer Grundsätze, Werthaltungen und damit ihrer Identität.
Anfang der 90er Jahre lag der Fokus bei Unternehmensentwicklungen sehr stark darauf,
gemeinsam die Visionen und Strategien zu entwickeln, welche zukünftig den Erfolg des
Unternehmens ausmachen sollten. Aufgabe der Führungskräfte war, die internen Prozesse zu
moderieren, Teamprozesse zu verbessern und wenn möglich, anspruchsvolle Ziele gemeinsam
mit den Mitarbeitern zu vereinbaren.
Heute ist der Akzent aufgrund der von aussen wirkenden Rahmenbedingungen und des härteren
Wettbewerbs verlagert. Führungskräfte sind aufgerufen, Zielvorgaben der
Geschäftsleitung durchzusetzen, ohne Wenn und Aber. Zielvorgaben sind nur noch bedingt
diskussionsfähig, die Beschleunigung interner Prozesse um x% wird vorgegeben, die Fusion
muss zu Synergien und Einsparungen führen, die Expansionsziele (z.B. Verdopplung des
Umsatzes, +40%, Erhöhung des Marktanteils im Verdrängungswettbewerb um x % etc.) werden
nicht mehr verhandelt. Im Gegenteil: Zielerreichung wird in immer höherem Masse mit
variablen Entlohnungskomponenten verbunden, und das nicht nur in marktbezogenen Einheiten.
Aufgabe der Führungskräfte ist es, dafür zu sorgen, dass die projektierten Strategien,
Zielsetzungen und Veränderungsprozesse von allen nicht nur getragen, sondern aktiv gelebt
und mit hoher Eigenverantwortlichkeit von jedem einzelnen Mitarbeiter gestaltet werden.
Unternehmenserfolg hängt deshalb heute immer stärker davon ab, ob die Umsetzungsprozesse
im Unternehmen motivationswirksam gestaltet oder die Vorgaben der Organisation
übergestülpt und nur halbherzig umgesetzt werden.
Die Fähigkeit zur Gestaltung motivationswirksamer Umsetzungsprozesse wird zentrale
Management-Aufgabe.
2. Vitalisierung das Paradigma nach Change
In der heutigen Zeit hat Umsetzung sehr viel mit Mitdenken, Eigenverantwortung und
Gestaltung zu tun. Bei der Durchsetzung von Strategien, Zielsetzungen und
Veränderungsprozessen ist deshalb darauf zu achten, das Spannungsfeld von direktiver
Rahmensetzung und Freiheitsgraden in der Umsetzung klar zu kommunizieren und zu verankern.
Nur dann sind die Umsetzungsprozesse vital und werden aktiv gelebt.
Die Zielvorgaben sind nur dann realistisch, wenn jeder einzelne Mitarbeiter sich mit
voller Kraft und hoher Identifikation auf die Ziele einlassen kann. Das Dilemma wird
deutlich. Auf der einen Seite sind Zielvorgaben und Rahmen aus Unternehmenssicht direktiv
vorgegeben, andererseits sind die Ziele nur mit hoher Eigenverantwortlichkeit jedes
Mitarbeiters zu erreichen. Fähige und mitdenkende Mitarbeiter verlangen normalerweise
Mitgestaltung bei der Zieldefinition.
Führungskräfte müssen es heutzutage schaffen, das Spannungsfeld von Durchsetzen der
Firmenziele und Förderung der Eigenverantwortung und Gestaltungskraft von Mitarbeitern in
ihren Vorgehensweisen zu berücksichtigen.
3. Das Primat der Einstellungen
Organisation
| Vision |
Systeme |
| Strategie («Was») |
Qualität von Abläufen |
| Leitlinien («Wie») |
Anspruch an Prozesse |
| Funktion: Orientierung |
Funktion: Verbindlichkeit |
Einstellungen/Werte Techniken
| Persönlichkeit |
Kompetenzen |
| Einstellungen |
Fähigkeiten |
| Innere Werte |
Techniken |
| Funktion: Energieausrichtung |
Funktion: Umsetzung |
Person
Um Ziele und Strategien in einer Organisation erfolgreich gestalten bzw. durchsetzen zu
können, müssen alle vier Bereiche zusammenwirken. In ihrer Bedeutung aber sind sie
unterschiedlich gewichtet: A und O des Prozesses ist die Verankerung der Massnahmen in den
Einstellungen und Werten. Eine Management-Strategie, die diese Arbeit vernachlässigt, um
sich allein auf Technik-Training, Umsetzen und «Machen» zu konzentrieren, verliert sehr
schnell an Schubkraft und versandet bald im Nirgendwo. Wo hingegen die Thematisierung und
Klärung der Einstellungsebene von Person und Organisation geleistet wird, gewinnen
anschliessend die Umsetzungsaktivitäten zunehmend an Zielsicherheit und Drive. Weil nicht
das Sein das Bewusstsein bestimmt, sondern umgekehrt das Bewusstsein das Sein.
4. Anforderungen an Führungskräfte
Die Anforderungen an das Management lassen sich auf eine einfache Formel bringen:
Manager müssen dafür sorgen, dass
- alle wissen, was Sache ist.
- alle wollen, was Sache ist.
- alle tun, was Sache ist.
- alle koordiniert tun, was Sache ist.
Das Wissen bedeutet Klarheit der Zielsetzung in dem Sinne, dass die Aufgabenstellungen
so strukturiert sind, dass Zielerreichung und Feedback eindeutig stattfinden können.
Wollen und tun, was Sache ist, wird komplizierter. Die Ziele müssen so «im Herzen»
verankert werden, dass sie in hoher Eigenständigkeit vorangetrieben werden.
Die Koordination und Vernetzung der Ziele mit anderen Abteilungen, Projekten und die
Synchronisierung der Aktivitäten werden immer wichtiger.
5. Vitalisierungskompetenz neuer Qualifikationsbereich des Managements
Neben den klassischen Management-Qualifikationen wie Verhaltensmanagement,
Aufgabenmanagement und Selbstmanagement rücken neue Fähigkeiten für jede Führungskraft
ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
- Wie gestalte ich einen Zielprozess, der Commitment und emotionale Identifikation
auslöst?
- Wie kann ich noch mehr eigenverantwortliches Tun bei Mitarbeitern erzeugen und
unterstützen?
- Wie muss ich Kooperationsprozesse steuern und balancieren, damit die Betroffenen trotz
des hohen äusseren Drucks und der Direktiven im Boot sind?
- Wie kann ich die Vernetzung im Unternehmen nutzen und intensivieren?
- Wie kann und muss ich den Prozess vorantreiben (pushen) und wann ist dies gefährlich?
- Wie kann ich glaubwürdig bleiben bei direktiven Rahmensetzungen, die ich selbst nicht
mittragen kann?
etc.
Vitalisierungskompetenz bezieht sich auf Qualifikationen von Führungskräften, die es
ermöglichen, Notwendiges wirksam durchzusetzen unter Wahrung von Wertschätzung,
Eigenverantwortlichkeit und Teamorientierung.