Finanzielle Führung als funktionale Aufgabe
Finanzielle Unternehmensführung wird anspruchsvoller. Es gilt einem umfassenden
Aufgabenkatalog gerecht zu werden. Zunächst ist für ein effizientes Finanzmanagement zu
sorgen. Dieses hat die Finanzfunktion wahrzunehmen, wobei Liquiditäts- und
Finanzstruktursteuerung im Vordergrund stehen. Damit verbunden sind Planungs-,
Entscheidungs- und Überwachungsaufgaben aller Art, deren Ausprägung mit Grösse,
Struktur und Positionierung eines Unternehmens (Konzerns) zusammenhängt. Einige
Finanzmanagementelemente leiten fliessend in die finanzielle Gesamtführung einer
Gesellschaft über, so im Bereich der Dividenden- und Eigenkapitalpolitik.
Ausweitung auf die wertorientierte Gesamtführung
Die finanzielle Gesamtführung ist durch die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat
(Vorstand) gesamtheitlich wahrzunehmen. Dabei geht es um die finanzielle Wertgenerierung
aus leistungsseitiger wie auch aus finanzwirtschaftlicher Sicht. Leistungsmässig
betrachtet, muss auf die Realisierung einer wertgenerierenden Geschäftspolitik geachtet
werden. Investitionen sind stets auf ihren Wertbeitrag zu überprüfen. Im Sinne der
Economic Profit- oder EVA®- (Economic-Value-Added-)Denkweise haben Investitionen eine
minimale Zielrendite zu erbringen.
Dies geschieht durch einen Vergleich von ROIC (Return on Invested Capital) und WACC
(Weighted Average Cost of Capital). Ein positiver ROIC-WACC-Spread signalisiert
Wertsteigerung, ein negativer Wertvernichtung. Multipliziert mit dem investierten Kapital
(Capital employed), führt der ROIC-WACC-Spread zum sogenannten Economic Profit oder EVA
pro Geschäftsperiode. Derartige Systeme erlauben die Verbindung des strategischen
Managements (DCF-, d.h. Discounted Cash-Flow-Orientierung) mit den Anliegen der operativen
Wertsphäre, wo reine Cash-Flow-Grössen unzureichend sind.
Wertgenerierung, Werttransformation und Werttransfer
Voraussetzung einer finanziell erfolgreichen Unternehmenspolitik bildet die finanzielle
Wertgenerierung im oben skizzierten Sinne. Dabei stellt die Wertschaffung nur eine Seite
der Medaille dar. Im Rahmen der finanziellen Gesamtführung einer Gesellschaft ist darauf
zu achten, dass die Wertgenerierung vom Markt wahrgenommen und in eine entsprechende
Aktienkursbildung (bzw. externe Einschätzung) transformiert wird. Darüber hinaus gilt
es, einen optimalen Werttransfer an die Investoren herbeizuführen.
Der Aktionärswert wird durch Zahlungen an die Anteilseigner, insbesondere in Form von
Dividenden, Bezugsrechtserlösen und Aktienrückkäufen, und mittels Aktienwertsteigerung,
begründet. Für private Anleger ist die Erzielung von Kapitalgewinnen unter den meisten
Steuergesetzen vorteilhaft, indem von einer reduzierten oder wegfallenden Besteuerung
profitiert wird (z.B. Schweiz, Deutschland). So erstaunt es kaum, dass die bei
angelsächsischen Gesellschaften seit vielen Jahren praktizierten Aktienrückkäufe jetzt
auch in die kontinentaleuropäische Praxis Eingang finden. Dabei spielen Schweizer
Gesellschaften wie im Shareholder-Value-Management eine gewisse Vorreiterrolle.
Wertmessung, Wertcontrolling, Value Reporting und Management Compensation als
Herausforderung
Finanzielle Wertmessung muss zukunftsgerichtet sein. Auf fester Basis stehen aber nur
Vergangenheitszahlen, deren Wertrelevanz indessen fraglich ist. DCF-Analysen orientieren
sich konsequent an den erwarteten Free Cash Flows, deren Prognose, wie auch die
WACC-Bestimmung, grossen Unsicherheiten unterliegt. Accounting-orientierte Messgrössen,
auch Economic Profit und EVA, weisen einen viel stärkeren Vergangenheitsbezug auf. Dies
erleichtert die Plausibilisierung der Zahlen, reduziert aber die Wertrelevanz der damit
gewonnenen Aussagen.
Die Schaffung überzeugender Wertmess- und Wertcontrollingsysteme stellt daher eine
eigentliche Herausforderung für Theorie und Praxis dar. Schwierige und ungelöste
Probleme liegen im Bereich des Value Reporting. Auch eine hohen Ansprüchen genügende
Finanzpublizität (FER, IAS, US-GAAP) ist hinsichtlich der Wertdimension limitiert. Dazu
kommen Informationsineffizienzen der Finanzmärkte. Zu fordern sind neue Wege eines
wirksamen Value Reporting, etwa auf der Basis der im Wertmanagement aktuellen «Balanced
Scorecard», ein zwischen Strategiebildung und finanziellem Wertmanagement stehendes
Führungsinstrument. Wichtigste Dimensionen sind darin Kunden-, Prozess-, Fähigkeits- und
Finanzperspektive. Hauptanliegen ist eine wirksame Umsetzung der Strategie.
Als letztes, wichtiges Glied im Wertmanagement ist eine wertabhängige Management
Compensation zu sehen. Sie erst stellt die Wirksamkeit der Wertsysteme sicher, indem
wertkompatible variable Entlohnungsschemen zur Anwendung gelangen. Neben der
Herbeiführung eines angemessenen Wertverhaltens wird damit auch die finanzielle Sicherung
der Gesellschaft erleichtert.
Folgerungen und Empfehlungen
Die finanzielle Gesamtführung stellt in Form eines umfassenden Wertmanagements eine
grosse Herausforderung dar. Neue Systeme sind notwendig. Voraussetzung für eine
erfolgreiche Umsetzung sind «Commitment» der Führungsspitze, vertikale
Systemintegration, Verständlichkeit der Instrumente, interne und externe Weiterbildung,
Einbindung der externen Wertkommunikation und werteffiziente Gestaltung der
Management-Salarierung.