Die starke Drei-Minuten-Rede als wichtiges
Karriereinstrument
Sich in kürzester Zeit durchzusetzen, wird in der Führung, im
Verkauf und in der Politik zunehmend wichtiger. Die Menschen haben immer weniger Zeit und
sind ungeduldig. Wer sich nicht von Anfang an klar und deutlich ausdrücken kann, erweckt
den Eindruck, dass er nicht weiss, was er will. Und das ist fatal.
Von Harry Holzheu, einer der bekanntesten Verkaufs- und Kommunikationstrainer Europas
Vorträge und Präsentationen sind reine Überzeugungsreden. Sie
sollen etwas auslösen und bewegen: Meinungs- und Verhaltensänderungen. Aber auch in fast
allen anderen Kommunikationsformen kommt die Überzeugungsrede streckenweise vor: in
Verhandlungen, Diskussionen, Sitzungen, Radio- und Fernsehauftritten.
Nach drei Minuten ist die Redezeit um
In einem sehr erfolgreichen Grossunternehmen des Pharmabereichs in Deutschland,
vom Besitzer mit starker Hand geführt, wird bei den Geschäftsführern
rhetorisch-dialektische Brillanz vorausgesetzt. An den Sitzungen, die der oberste Chef
durchführt, erhält jeder Geschäftsführer Gelegenheit, ein Anliegen während exakt drei
Minuten vorzutragen. Überzieht er die Redezeit, wird er sofort gestoppt. Nach dem Vortrag
entscheidet der Chef, ob ja oder nein. Es wird nicht diskutiert und dasselbe Anliegen darf
nicht nochmals vorgetragen werden. Dieses sehr merkwürdig anmutende, offenbar aber doch
effiziente Vorgehen lehrt die Geschäftsführer, ihre Drei-Minuten-Vorträge sehr gut
vorzubereiten und effektvoll vorzutragen. An Sitzungen zeigt es sich immer wieder: Wenn in
den ersten drei Minuten nicht klar ist, worum es sich handelt und was die Konsequenzen
eines Vorschlages sind, kommt nicht viel heraus, auch wenn anschliessend noch stundenlang
argumentiert wird.
In der Kürze liegt die Glaubwürdigkeit
Auch im privaten Bereich sollte man andere in kurzer Zeit glaubhaft überzeugen können.
Wenn der Mann zu seiner Frau sagt: «Heute abend könnten wir doch zum Chinesen essen
gehen», sollte er sie von diesem Vorschlag überzeugen. Gelingt ihm das in drei Minuten,
geht man zum Chinesen, oder man bleibt eben zuhause. Langes Diskutieren bringt die
unliebsamen Zwischenresultate: Die Frau kommt widerwillig mit oder der Mann geht
alleine........
Ein erfolgreiches Konzept
Wie kann man aber das Wesentliche in lediglich drei Minuten ausdrücken und damit andere
glaubhaft von seinen Anliegen überzeugen, sie für seine Ideen begeistern, für eine
Kooperation gewinnen oder zur Mitarbeit motivieren? Anregungen wie: «Eine Rede muss einen
Anfang, eine Mitte und einen Schluss haben!» bringen nicht viel. Der folgende Ablauf geht
auf die alten Griechen zurück und hat sich sehr bewährt:
Schilderung des Sachverhalts: «So sieht diese Sache aus.»
These als persönliche Meinung formuliert: «So sehe ich die
Sache.»
Begründung der These: «Aus diesen Gründen sehe ich das so oder
so:»
Argumente mit Beweis-Charakter
Vergleiche: «Das ist wie...»
Selber erlebte Beispiele.
Vielleicht ein Zitat: «... hat gesagt:»
Schlusssatz. Der Schlusssatz ist zugleich die Hauptbotschaft. Der
Schlusssatz sollte eine Aufforderung zum Handeln sein: «Gehet nun also hin und tut dies
oder das» - oder ein persönliches Bekenntnis: «Aus diesen Gründen bin ich vollkommen
überzeugt, dass...»
Das eigene Credo
Auf der emotionalen Ebene kommuniziert man - ohne es zu wollen - durch die eigene
Körpersprache. Ein Redner, der von sich selbst und seinen Anliegen nicht überzeugt ist,
bewirkt durch seine negative Körpersprache zwangsläufig Skepsis und Ablehnung. Die
eigene Überzeugung muss in hohem Masse vorhanden sein. Ohne Credo kein Charisma! Alle
Körpersignale werden unbewusst wahrgenommen und mit den Aussagen verglichen. Sind
Abweichungen feststellbar, wird der Inhalt in Zweifel gezogen.
Eigene Gefühle äussern
Die wenigsten Redner und Rednerinnen kommunizieren auf der emotionalen Ebene verbal. Dabei
wäre es doch so überzeugend, etwa zu sagen: «Das macht mir grosse Sorgen, da ärgere
ich mich jedesmal, das verunsichert mich total...» und so weiter. Der Mut, zu seinen
eigenen Gefühlen zu stehen und sie auch auszusprechen, kennzeichnet den erfolgreichen
Menschen, der andere für sich gewinnen und auch emotional überzeugen kann. Das innere
Feuer strahlt nicht nur körpersprachlich aus ihm heraus. Die Gefühle werden beim Namen
genannt.
Die Kurzvorbereitung
Oft bleibt zu wenig Zeit, um sich umfassend vorzubereiten. Für die wichtigen Fragen, die
man sich stellen muss, genügen jedoch schon ein paar Minuten:
Was ist meine Hauptbotschaft?
Wie formuliere ich den Schlusssatz?
Was sind meine wichtigsten Argumente?
Welche Beispiele kann ich bringen?
Was für Gefühle habe ich eigentlich bei der ganzen Sache?
Wer sich auf diese Weise vorbereitet, kann die Drei-Minuten-Rede zu
einem wichtigen Instrument machen, das der eigenen Karriere förderlich sein kann.