Nachdem der charismatische Moses mit Hilfe einer grossen Vision (Gott) für sein neues
«Unternehmen» einen spektakulären Aufbruch, den Auszug aus Ägypten (Exodus),
inszeniert hatte, brauchte er ein integrales und tragfähiges Leitbild
Die «Zehn Gebote» (Dekalogos) liess er laut Überlieferung dann mit höchst dramatischen
und beeindruckenden Mitteln durch «Gott» verkünden: auf einer in Donner, Blitz, Feuer,
Rauch, Beben und Posaunenklang gehüllten Bergspitze. Er hat damit wichtige Inhalte in
einer angemessenen Form derart «nachhaltig» präsentiert, dass sie uns auch heute noch
umtreiben. Aber!
Selbst dieser gewaltige Deus-Ex-Machina-Auftritt wirkte nur eine gewisse, die
alttestamentarische Zeit lang und verlor zunehmend an Kraft. Ein «Reengineering» musste
her, die jüdische Botschaft inhaltlich und formal in einer christlichen erneuert werden
(Innovation).
Im Evangelium des Johannes heisst es dazu: «Am Anfang war das Wort (Logos), ...» und
einige Abschnitte später steht: «Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, ...»
Mit dem Fleisch war der «Sohn Gottes» gemeint, der dann um das Jahr Null auf den Plan
trat, um «das Unternehmen» mit neuen Inhalten in neuer Form zu neuen Ufern zu führen
und damit bis in unsere Zeit hinein «zukunftsfähig» zu perpetuieren.
Abgesehen von diversen Kriegen, «Divisions» und «Mergers» hatte sich die
«Unternehmensgruppe» aus dem Nahen Osten über Jahrtausende glänzend entwickelt und zum
Global Player hochgespielt.
Werfen wir einmal ein Auge auf die Kommunikation in der Führungsetage des anfänglichen
«Unternehmens». Der «Manager» Christus löste den «Unternehmer» Moses und seine
Erben als «Wortführer» ab: der patriarchalische wurde durch den partizipativen
Führungs-, Präsentations- und Kommunikationsstil ersetzt. Vom Monolog zum Dialog. Vom
Zauberer zum Magier (persisch = Wissenschaftler). Vom Diktat zum Motiv. Vom Äusserlichen
zum Innerlichen.
Wir Menschen haben in tausenden von Jahren menschlicher Kulturgeschichte gelernt,
hinter die Gesichter zu schauen, in den Seelen zu lesen. Wir können inzwischen äussere
und innere Welt und ihre Wechselwirkungen immer feiner differenzieren, erkennen,
darstellen und nutzen.
Welchen Schaden unsere Kultur durch unfähige Führungskräfte nimmt, ist nicht zu
ermessen. Das damit verbundene menschliche Leid darf einem gar nicht in den Sinn kommen.
Hier nun der Versuch, einen «modernen Dekalog», ein tragfähiges und flexibles Leitbild,
auf der Höhe der Zeit zu entwickeln. Diese «Prinzipienliste» fasst die wichtigsten
Essenzen der Kommunikation für Führungskräfte zusammen. Sie umreisst zugleich die
notwendigen Anforderungen und das damit verbundene beträchtliche Lernprogramm.
Eins. Wortwalter
Nur der Wortgewaltige verfügt erkennbar über Geist und kann durch ihn wirken.
Wortverführer sind Blender und erreichen am Ende nichts. Führen ist zum grossen Teil
«Sprechhandeln».
Zwei. Vorahmer
Nur der Vorausahnende und der Vormachende hat Zukunft und gewinnt Menschen. Ja!
Mach einen Plan! Beispiel geben und Vorbild sein! Und, denke daran: Onkel Toms Hütte ist
überall. Nachahmen ist auch eine Tugend, aber Vorahmen steht dem «Unternehmer» besser.
Drei. Nachdenker
Nur der Nachdenkende lernt aus dem Geschehen, verwahrt sich dadurch gegen Hektik
und wird zum wahren Praktiker.Wer die Vergangenheit ignoriert, ist schon verloren: er hat
keine Zukunft. Also, den schlechten Plan in den Papierkorb!
Vier. Schöpfer
Nur der Schöpfer geht in die Tiefe und muss dadurch nicht alles ausschöpfen was
«drin» ist. Kreative Vielfalt, Weite und Üppigkeit ist das eine, kreative Einfalt,
Tiefe und Beschränkung das andere. Kunst ist, wenn man nichts mehr weglassen kann. Der
«Wert-Schöpfer» ist der wahre Ökonom.
Fünf. Vermuter
Nur wer Mut hat, ist ein grosser Vermuter, Ermutiger und Zumuter. Feige Manager
sind das «Grauen» des Unternehmens und das Leid der Mitarbeiter. Nur der Mutige kann
notwendig kühne Vermutungen anstellen, Mut zusprechen und auch mal das eine oder andere
zumuten, sprich: delegieren.
Sechs. Bezwinger
Manchmal, mindestens einmal, muss man etwas bezwingen, zum Beispiel sich selbst.
Erst im Zwang lernt man Sanftmut, Langmut und Demut kennen. Leider es tut halt weh
braucht der gute Manager auch Niederlagen. Seine Selbstherrlichkeit braucht
Bezwingung, um ein erträglicher Mensch und wirklicher «Führer» werden zu können.
Sieben. Erkenner
Die Schönheit kommt nach der Güte, die Güte nach der Wahrheit, die Wahrheit
entsteht aus dem Nichtwissen, und davor kommt eine Menge Wissen und Erfahrung. Ästhetik
und Ethik sind zwei Seiten einer Medaille. Normen und Strategien stehen vor den
Operationen, und dahinter.
Acht. Verbinder
Die kleinste Einheit sind zwei: also verbinden! Jedes Blatt Papier hat zwei
Seiten. Wer sie trennen wollte, begibt sich in die ineffektiven Fahrwasser von Don
Quichote. In einer Organisation gibt es viele Qualitäten, die es zu verbinden gilt.
Neun. Entscheider
Es gibt immer mindestens zwei Wege: also entscheiden, welchen der beiden Wege man
geht! Die «Ausweglosigkeit» gibt es nur im Kopf. Das ist aber entscheidend. Entscheiden
heisst handeln. Besser einen falschen, als gar keinen Weg gehen! Keine Angst vor der
Einsamkeit der Entscheidung.
Zehn. Spieler
Ludo ergo sum Ich spiele, also bin ich.
«Global player», was ist das? Einer, der überall «herumspielt»?
Geht es nicht eigentlich um die Beherrschung der «Kunst des Spiels»?
Intelligenz und Integrität sind die wichtigsten Voraussetzungen für «Spielfähigkeit».
Zum Spiel gehört vor allem «Spielraum», Ernst und Humor, Enthusiasmus und «innere
Freiheit»: eben «Spielgeist». Spiel ist immer «Zusammenspiel». Jedes Spiel hat seine
Zeit. Spielen heisst nicht: Falschspielen. Nur ein «Player» kann seine Organisation zu
einem «Global Play» entwickeln.