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Abt Dr. Daniel Schönbächler

ZfU-Faculty: Sozial-Kompetenz: Führung & Kommunikation
Mitglied der Benediktiner-abtei Disentis; Lizentiat der Theologie (Rom), Doktorat in Germanistik & Kunstwissenschaft (München, Zürich). Gymnasiallehrer und langjähriges Mitglied der ZfU-Faculty.

 

Das kreative Potential unserer Schwächen

Referat vom 8. Oktober 1998 / ZfU-Apéro-Forum im Swissôtel Zürich

Der Titel des Referates ist pointiert. Denn Schwächen einzugestehen, fällt uns für gewöhnlich schwer, und vor anderen wollen wir sie möglichst verstecken. Dass wir gewisse Schwächen kaum ablegen können, demütigt uns. Das Referat will das Wort Schwäche von der moralischen Abwertung loslösen und aufzeigen, dass ein Mangel durchaus eine schöpferische Kraft entwickeln kann.

Der Ursprung unserer Schwächen: unsere Zwänge
Schwächen gehen letztlich auf nicht gelebte Lebenssegmente zurück. Neurologische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass jeder Mensch schon im pränatalen Stadium und dann eine kurze Zeit unmittelbar nach der Geburt sein «Gehirn vernetzt». Dabei werden einzelne Lebensimpulse akzeptiert, andere verstärkt, wieder andere zurückgedrängt. Auf die Dauer kann aber Leben nicht verdrängt werden - es muss gelebt werden und ist dabei höchst erfinderisch! Wir gleichen dem Wasser, das hinunterfliessen darf/kann. So verläuft alles selbstverständlich. Wenn das Wasser aber z.B. durch einen Erdrutsch am Fliessen gehindert wird, muss es fliessen - dann wird die Sache aufsehenerregend!

So ist es auch bei uns: wenn wir etwas dürfen/können, leben wir es in Freiheit und Souveränität. Andernfalls aber müssen wir es leben. Dann reagieren die einen von uns mit Angriff (Überkompensation), die andern mit Flucht (Verdrängung und in der Folge mit Sublimation): Unsere Schwächen haben ein ungeheures kreatives Potential! Und wenn alles nichts nützt, sagen sie: «Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!»: Es kommt zu (noo)psychosomatischen Problemen. Neurosen kann man als Konflikte zwischen unbewussten Motiven und darüber gestülpten bewussten Werten definieren.

Wege zum Erkennen und Akzeptieren unserer Schwächen
Es stellt sich die Frage: Wie erkenne ich die Grundmotivation meines Verhaltens? Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir die primären «Weichenstellungen» für unser Verhalten in jener sehr früher Zeit gestellt haben, als wir uns dessen gar nicht bewusst sein konnten. Seither greifen wir immer wieder automatisch auf die damals «gelernten» Mechanismen zurück, selbst wenn sich die Umstände mittlerweile grundlegend geändert haben. Wir leben aus der Vergangenheit.

Man kann andere nicht belügen, nur sich selber. Andere erkennen unsere Schwächen oft besser als wir selber. Somit wäre ihr Urteil eine Hilfe zur Selbsterkenntnis. Nehmen wir ihre Kritik an? Oder bekommen wir schlechte Gefühle und projizieren den Ärger sofort zurück, indem wir sie ablehnen?

Sigmund Freud hat das Un- und Unterbewusste erkannt. Doch eine Psychoanalyse ist nicht jedermanns Weg – und muss es auch nicht sein. In jüngster Zeit wurden neue psychologische Wege entdeckt. In meiner Arbeit hat sichdie Psycho-Kinesiologie bewährt. Der sogenannte «Muskeltest» ermöglicht Informationen aus dem Unbewussten zu erhalten. Doch braucht es dazu grosse Erfahrung, denn man erhält nur Antwort auf die Fragen, die man stellt, und ausserdem besteht die Gefahr der Suggestion.

(Literatur: Dietrich Klinghardt: Lehrbuch der Psycho-Kinesiologie. Verlag Hermann Bauer, Freiburg i.B. 1996.)

Zur Erkenntnis des Charakters wurden seit alters her Typologien entworfen. Es gibt mittlerweile über 250 Modelle. Für mich selber ist das Enneagramm das dynamischste und findet seine Stütze in den aktuellen neurologischen Forschungen. Ich gebe in diesem Referat eine Einführung dazu. Ein Grobraster:

  • «Kopfmenschen» kämpfen ihr Leben lang gegen das tiefe Gefühl, unfähig zu sein.

  • «Herzmenschen» kämpfen ihr Leben lang gegen das tiefe Gefühl, nicht liebenswert zu sein.

  • «Bauchmenschen» kämpfen ihr Leben lang gegen das tiefe Gefühl, nicht wichtig zu sein.

Jeder Mensch hat seine Schwächen, die aus der frühkindlich geprägten Charakterstruktur voraussagbar sind. Die Strategien, solche Schwächen zu überwinden, sind zum einen Teil typisch, zum andern Teil höchst individuell (so dass eine Typologie immer auch offen bleiben muss auf das jeweilige Individuum!). Bei der Bestimmung der Enneagrammstruktur bieten Fragebogen keine Gewähr -   ich wende deshalb auch dazu kinesiologische Methoden an. (Literatur: Zur Einführung geeignet: Richard Rohr / Klaus Ebert: Das Enneagramm. Die 9 Gesichter der Seele. Claudius Verlag, München 13. Aufl. 1991. - Oder u.a.: Kathleen V. Hurley / Theodor Dobson: Wer bin ich? Persönlichkeitsfindung mit dem Enneagramm. Herder-Spektrum 4312.)

Chancen der Veränderung
Erkenne ich meine Charakterstruktur und die meiner Mitmenschen, wird sich mein Umgang mit ihnen (und mit mir selbst) wesentlich vertiefen oder verbessern. Bewusstwerdung ist der erste Schritt zur Veränderung.

Was einst «gute Vorsätze» hiess, nennt man heute Affirmationen. Das sind Sätze, die ich mir immer wieder sage, bis sie ganz stark in mir sind und «ich mich in sie verwandle». Es gibt kaum mehr Spitzensportler, die nicht mental arbeiten. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass ich tatsächlich die richtige Affirmation anwende, die mir in der jetzigen Situation und im jetzigen Augenblick weiterhilft. Auch da bietet sich die kinesiologische Methode zur Verifizierung an. Sehr oft hilft blosse mentale Arbeit allerdings nicht wesentlich weiter. Dann kann die Verankerung der Affirmation über die Körperebene geschehen: auf der energetischen oder auf der neurologischen Ebene. Diesbezügliche Methoden in diesem Referat vorzuführen, würde allerdings zu weit gehen. Es sei auch da auf die Psycho-Kinesiologie verwiesen.

Erst wenn das kreative Potential unserer Schwächen sich frei und souverän entfalten darf/kann, wird sie wahrhaft fruchtbar.


Veranstaltungen

Ein Tag mit Benediktiner-Abt Daniel Schönbächler 
Kloster Disentis: Persönlichkeit - die Grundlage gelingender Kommunikation 

 

 

  • ZfU International Business School
  • Im Park 4 - CH-8800 Thalwil/Zürich
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