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Ulrich Egger

ZfU-Faculty: Sozial-Kompetenz: Führung & Kommunikation
Fachbereich Kommunikation
Lehrauftrag für Verhandlungsführung

Mitinhaber und geschäftsführender Partner von Egger, Philips + Partner AG, Zürich (gegründet 1985), der einzigen europäische Beratungsfirma, die von der Harvard Universität autorisiert und lizenziert ist, Kunden nach dem Harvard-Konzept zu beraten.

 

Professionell verhandeln
Interview mit Ulrich Egger

Ulrich Egger:
Verhandlungen enthalten das Element der Gemeinsamkeit und der Zusammenarbeit ebenso wie das Element der Auseinandersetzung und des Konfliktes. Wir definieren Verhandeln als eine kommunikative Tätigkeit, durch die Parteien versuchen, trotz unterschiedlicher Bedürfnisse und Sichtweisen zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen. Für echte Verhandlungen ist somit ein grundsätzlicher Wille oder zumindest eine Bereitschaft aller Beteiligter für eine gemeinsame Lösung notwendig.

Der erfolgreiche Verhandler von morgen kann auf Tricks und Manipulation verzichten. Obwohl er hart in der Sache sein kann, schafft er es, auch mit schwierigen Kontrahenden eine funktionierende Beziehung herzustellen, und so seine Verhandlungsgegner zu Partnern zu machen.

Der echte Gewinn-Gewinn-Stratege wird an den Schlüsselstellen von Wirtschaft und Politik stehen, nicht zuletzt deshalb, weil es ihm mit (relativ) geringem Zeit- und Energieaufwand gelingt, den klassischen Gegensatz zwischen «Erfolgsstreben» und «Menschlichkeit» zu überwinden!

Welche Faktoren verhindern in der Realität eine perfekte Verhandlung?

Ulrich Egger:
Früher gab es noch saftige Begriffe, die für solche Fragen herbeigezogen werden konnten. Denken Sie nur an die sog. 7 Todsünden: Hoffart, Neid, Zorn, Geiz, Unzucht, Unmässigkeit, Trägheit. Wir müssen die Begriffe nur modernisieren, sie decken fast alle Problemfelder ab. Am Übergang zum dritten Jahrtausend würde ich 7 weitere Faktoren hinzufügen:

  • Die Unfähigkeit, sich aus dem Mythos des Nullsummenspieles zu lösen
  • Die Erstarrung im gewohnten Musterverhalten des Druckmachens
  • Das Festklammern an Sieger-Verlierer-Strukturen
  • Existentiell verspürter Erfolgsdruck, der zu kurzfristiger Optik führt
  • Machtstreben
  • Die meist trügerische Hoffnung, klüger zu sein als das Gegenüber, nach dem Motto «Ich sage Dir, wie ‹man› es lösen muss!», anstatt das Problem durch einen gemeinsamen Lernprozess zu bewältigen
  • Die Illusion, sich mit manipulativen Mitteln längerfristige Vorteile verschaffen zu können

Im übrigen hat mich nicht nur die theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik, sondern die praktische Erfahrung gelehrt, dass selbst sehr destruktiv eingestellte Menschen kaum gute Verhandlungen echt «ver»-hindern können. Ich spreche lieber von «be»-hindern. Denn die meisten Tricks und Kniffe sind für einen Verhandlungsprofi durchschaubar.

Was kann ich tun, um selbst ein guter Verhandler zu sein oder zu werden?

Ulrich Egger:
Nach jeder Verhandlung nicht nur das Ergebnis bewerten, sondern sich rückwirkend über den Ablauf Gedanken machen (Was kann ich beim nächsten Mal noch besser machen?). Ideal wäre ein Feedbackgespräch mit dem echten Verhandlungspartner:

  • Verhandlungen üben, d.h., verschiedene Szenarien als Rollenspiele «spielen»
  • Verhandlungstrainings absolvieren
  • sich systematisch vorbereiten
  • während der Verhandlung im «Hier und Jetzt» bleiben
  • stets flexibel bleiben und gleichzeitig das Ziel im Auge behalten
  • Zwischenergebnisse sichern, und am Schluss gemeinsame Ergebnisse festhalten (Konsens und Dissens)

Was sind die wichtigsten Regeln für gutes Verhandeln?

Ulrich Egger:
Es ist ein Verdienst der Wissenschaftler an der Harvard Universität, welche sich seit bald 20 Jahren systematisch mit Gesetzmässigkeiten von Verhandlungsprozessen befasst, dass es Ihnen gelingt, immer wieder leicht verständliche Empfehlungen zu formulieren, die sich inzwischen in Tausenden von komplexen Fällen in der Praxis bewährt haben. Es gibt heute kaum eine neue Publikation, die nicht irgendwo die Wurzel in den Ansätzen des inzwischen weltberühmten Harvard-Konzeptes haben. Dieses ABC des Verhandelns lautet:

  1. Unterscheide zwischen dem Verhandlungsgegenstand einerseits und der Beziehung zwischen den Verhandlungspartnern anderseits!
  2. Konzentriere dich nicht auf Tatsachen (objektive Sachverhalte), sondern auf Wahrnehmungen (subjektive Sichtweisen)!
  3. Konzentriere dich nicht auf Positionen, sondern auf Interessen!
  4. Entwickle zuerst möglichst viele Optionen, bewerte und entscheide später!
  5. Löse Interessenkonflikte durch Hinzuziehen von «objektiven Kriterien» im Sinne von neutralen Beurteilungskriterien!
  6. Entscheide dich für oder gegen eine Verhandlungsübereinkunft durch deren Vergleich mit deiner besten Alternativen dazu!

 

 

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