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Prof. Dr. Rudolf Steiger

ZfU-Faculty: Strategische Unternehmensführung & Entrepreneurship
Fachbereich Strategische Unternehmensführung
Lehrauftrag für menschenorientierte Führung

Dozent an der ETH Zürich und Direktor der Militärakademie im Range eines Brigadiers. Seine praxisnahen Bücher zu Themen der Menschenführung und Kommunikation sind in über 30 Auflagen erschienen und in mehrere Sprachen übersetzt worden.

 

Acht hilfreiche Schritte zur Überwindung einer Beziehungsstörung

Wie man im beruflichen Alltag Vertrauen nicht anordnen kann, lassen sich auch Beziehungsstörungen weder grundsätzlich vermeiden noch verbieten.Um die Überwindung einer Beziehungsstörung in acht Vorgehensschritten
aufzuzeigen, gehen wir von folgender stark vereinfacht dargestellten Situation aus:

Ein Teamleiter einer renommierten Unternehmensberatung weist die äusserst aufwändige Vorbereitung einer Kundenpräsentation durch einen seiner Consultants, der erst vor kurzem eingestellt wurde, mit folgendem Kurzkommentar zur Überarbeitung zurück: «Zu viele Folien, zuwenig Substanz!» Auf seinen überarbeiteten Präsentationsvorschlag bekommt der Consultant keine Rückmeldung. Verunsichert meidet er in der Folge Kontakte zu seinem Vorgesetzten; die Beziehung zum Teamleiter scheint gestört, bevor sie sich richtig entwickeln konnte.

1. Beziehungsstörung wahrnehmen
Um die Beziehungsstörung mit seinem Mitarbeiter zu überwinden, muss der Teamleiter möglichst bald die Störung wahrnehmen. Dabei ist es wichtig, dass er den Konflikt richtig einstuft und ihn weder herunterspielt noch hochstilisiert.

2. Den Konfliktgegner ernstnehmen
Für den erfahrenen Teamleiter ist es wichtig, mit seinem noch unerfahrenen Consultant ein offenes Gespräch zu führen und ihn als neu eingestellten Mitarbeiter ernstzunehmen.

3. Problem definieren
Der Teamleiter erläutert seinem Mitarbeiter, dass er sich tatsächlich über die «Folienflut» und die mangelnde Substanz seines Präsentationsvorschlages geärgert habe. Sein Unmut habe ihn zu diesem offenbar verletzenden Kurzkommentar veranlasst.

4. Ursachenanalyse
Im Gespräch stellt der Teamleiter fest, dass sein neuer Consultant weder im Verlaufe seiner bisherigen Berufstätigkeit noch seit seiner Anstellung bei der Unternehmensberatung die Gelegenheit hatte, sich die erforderlichen Qualifikationen anzueignen. Er anerkennt auch, dass sein Mitarbeiter mit enormem Engagement seine erste Präsentation vorbereiten wollte und dabei übers Ziel hinausschoss.

5. Kritische Selbstbeurteilung
Allerdings stellt der Teamleiter auch fest, dass sein Kurzkommentar «Zu viele Folien, zuwenig Substanz» auf den engagierten Consultant demotivierend wirkte. Dafür, dass sein ausgebliebenes Feedback auf die gründliche Überarbeitung der Unterlagen den neuen Mitarbeiter erst recht verunsicherte, entschuldigt sich der Teamleiter. Aber auch der Consultant ist in dieser Gesprächsphase selbstkritisch der Meinung, dass er ja seinen Vorgesetzten telefonisch um dessen Beurteilung der überarbeiteten Unterlagen hätte bitten können, statt das Schweigen gekränkt als Beziehungsstörung einzustufen.

6. Konkreter Problemverminderer
Im Sinne eines konkreten Problemverminderers schlägt der Teamleiter seinem Mitarbeiter vor, dass dieser die Unterlagen für die nächste Kundenpräsentation mit einem erfahrenen Senior-Consultant aus dem Team vorbesprechen soll. Und falls weitere Fragen auftauchen, könne er sich auch direkt an ihn wenden.

7. Erfolgskontrolle
Anhand der vom neuen Consultant erstellten Unterlagen erläutert ihm der Teamleiter praxisnah, was er unter einer substanziellen Präsentation versteht und wie viele Folien ihm angemessen scheinen, dass ein Beitrag nicht «überladen» wirkt. Nur mit aussagekräftigen Erfolgskontrollen lassen sich positive Massnahmen verstärken und negative minimieren.

8. Kontakt pflegen
Nach einer erfolgreich durchgeführten Serie von Kundenpräsentationen vereinbart der Teamleiter mit den Consultants seines Teams das Datum für eine Herbstwanderung mit gemeinsamem Nachtessen in einer Waldhütte. Insbesondere im Consulting, wo bei überdurchschnittlichen Präsenz- und Arbeitszeiten die Diskussion und Aufarbeitung von Problemen zeitlich kaum Platz findet, ist es wichtig, dass der ausserberufliche Kontakt nicht vernachlässigt wird. Führungskräfte können echtes Vertrauen nicht anordnen, wohl aber gezielt aufbauen und bewusst pflegen!


 

 

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