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Michael E. Porter

ZfU-Faculty: Strategische Unternehmensführung & Entrepreneurship
Fachbereich Strategische Unternehmensführung
Lehrauftrag für strategische Wettbewerbsvorteile

Michael E. Porter ist die unangefochtene Autorität auf dem Gebiet der Wettbewerbsstrategie. Unnachahmlich verknüpft er Wirtschaftstheorie und Managementpraxis zu einer verläßlichen Orientierung im globalen Wettbewerb.

 

Führen ist nicht verwalten

Die Aufgabe, eine klare Strategie zu entwickeln oder erneut abzusichern, ist vor allem eine innerbetriebliche Herausforderung. Angesichts der vielen Kräfte, die in einem Unternehmen strategischen Entscheidungen und Abwägungen widerstreben, wird ein analytischer Rahmen gebraucht, der die Gewichte ausgleicht und den strategischen Überlegungen Richtung verleiht. Wichtig sind zudem starke Führungspersönlichkeiten mit dem Willen, strategische Entscheidungen zu treffen.

In vielen Unternehmen ist Führung dazu verkümmert, nur betriebliche Verbesserungen voranzutreiben und Geschäftsabschlüsse zu tätigen. Doch zur Rolle von Unternehmensführern gehört einiges mehr, und das wiegt stärker. General Management ist mehr als Verwaltung der einzelnen Fachbereiche - seine Kernaufgabe ist Strategie, also die besondere Position des Unternehmens festzulegen und zu verkünden, Trade-off-Abwägungen vorzunehmen und alle Aktivitäten aufeinander abzustimmen.

Unternehmensführer müssen die Disziplin aufbringen zu entscheiden, auf welche Veränderungen in der Branche und welche Kundenbedürfnisse reagiert werden soll, ohne im Unternehmen Wirrwarr zu stiften und das Besondere seiner Geschäftspraxis zu verwischen.

Den Managern unterer Ebenen fehlt es meist an Perspektive und Zuversicht, um eine Strategie durchzusetzen. Sie stehen ständig unter dem Druck, Kompromisse eingehen, von getroffenen Regelungen abweichen und Konkurrenzfirmen nachahmen zu müssen. Diese Mitarbeiter über die Strategie aufzuklären, gehört zu den Pflichten der Führung - wie auch der Wille, nein zu sagen. Denn Strategie heisst auch klarzumachen, was nicht getan werden soll.

Die Führung muss auch Grenzen setzen. Um welche Zielgruppen und Bedürfnisse soll es gehen? Die Anwort darauf ist für eine Strategie von elementarer Bedeutung, ebenso wie die Entscheidung, bestimmte Kunden oder Bedürfnisse nicht zu beachten und auf bestimmte Produktmerkmale oder Services zu verzichten. Strategie verlangt nach ständiger Disziplin und klarer Kommunikation. Nur dann lernen Mitarbeiter ihre Aufgaben verstehen, sehen sich bei ihrer Arbeit und ihren Alltagsentscheidungen geführt, wägen jeweils richtig ab.

Die betriebliche Effektivität zu erhöhen zählt gewiss zu den Managerpflichten. Das allein ist aber noch keine Strategie. Die Verwechslung des einen mit dem anderen hat Manager ungewollt auf ein Wettbewerbsdenken zurückfallen lassen, von dem in vielen Branchen ein Prozess ausgelöst wird, in dem sich die Rivalen immer ähnlicher verhalten.

An allen Stellen operativ fortlaufend besser zu werden ist geboten, wo es keine Abwägungen vorzunehmen gibt. Und nötig ist es ausserdem, denn sogar Unternehmen mit einer guten Strategie können verwundbar werden. Auf der Tagesordnung operativer Verbesserungen stehen darum zu Recht die Aufgaben ständiger Veränderung, mehr Flexibilität und unermüdliches Anstreben der besten Praktiken. Zur strategischen Tagesordnung zählen dagegen Definieren einer einzigartigen Position, klare Abwägungen, enge Abstimmungen und ständiges Suchen nach Wegen, die Positionen des Unternehmens zu stärken. Und dabei kommt es auf Disziplin und Kontinuität an; Gift sind Konfusion und Halbheiten.

Möglich, dass ein Unternehmen sich gezwungen sieht, seine Strategie zu ändern, wenn in seiner Branche erhebliche strukturelle Veränderungen stattfinden. Durch sie kommen häufig neue strategische Positionen zustande, die von historisch unbelasteten Newcomern besonders leicht genutzt werden können. Aber die Wahl einer neuen Position muss von der Fähigkeit des Unternehmens bestimmt sein, neue Trade-off-Abwägungen vorzunehmen und daraus ein neues Geschäftssystem komplementärer Tätigkeiten zu entwickeln, das zu einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil wird.


 

 

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