Grundlagen strategischer Positionen
Strategische Positionen entspringen drei getrennten Quellen, die sich
wechselseitig keineswegs ausschliessen, ja sogar häufig zusammentreffen. Erstens kann
eine Marktposition darauf basieren, dass in einer Branche nur eine Teilmenge an Produkten
oder Leistungen hergestellt wird. Ich nenne das variantenbezogene Positionierung, da es
hier um die Wahl von Produkt- oder Servicevarianten geht statt um Kundengruppen. Eine
solche Positionierung ist wirtschaftlich dann gerechtfertigt, wenn ein Unternehmen
bestimmte Produkte oder Leistungen infolge spezieller Tätigkeiten besser als andere
produzieren kann.
Die zweite Grundlage einer Positionierung besteht darin, die meisten oder alle
Bedürfnisse einer spezifischen Kundengruppe zu befriedigen. Ich nenne das bedarfsbezogene
Positionierung; sie entspricht mehr dem traditionellen Denken darüber, wie man einer
Gruppe von Kunden gerecht wird. In Frage kommt diese Positionierung, wenn es Kunden mit
voneinander klar abweichenden Bedürfnissen gibt und diese am besten mit einer Reihe
speziell zugeschnittener Tätigkeiten befriedigt werden können. Manche Kundengruppen etwa
sind preisbewusster als die übrigen, wünschen sich andere Produktmerkmale oder verlangen
ein besonderes Mass an Information, Hilfe und Service.
Eine Variante der bedarfsbezogenen Positionierung kommt ins Spiel, wenn derselbe Kunde bei
unterschiedlichen Gelegenheiten oder Arten von Transaktionen unterschiedliche Bedürfnisse
offenbart. So kann eine Person auf Geschäftsreise andere Bedürfnisse hegen als bei einer
Vergnügungsreise mit der Familie.
Arten der Positionierung
Die meisten Manager verstehen intuitiv ihr Geschäft mit Blick auf die
Kundenbedürfnisse, die sie zu erfüllen suchen. Doch was bei bedarfsbezogener
Positionierung den Ausschlag, gibt, ist keineswegs intuitiv und wird oft übersehen.
Unterschiede in den Bedürfnissen sind nur dann für eine sinnvolle Positionierung
nutzbar, wenn sich die besten Aktivitäten zur Bedürfnisbefriedigung ebenfalls von den
üblichen unterscheiden. Sollte das nicht der Fall sein, wäre jeder Konkurrent fähig,
dieselben Bedürfnisse zu befriedigen, an der gewählten Positionierung wäre nichts
Einzigartiges oder Werthaltiges. Die dritte Grundlage einer Positionierung besteht darin,
Kunden danach zu segmentieren, wie sie am besten anzusprechen sind. Da mögen die
Bedürfnisse einer Gruppe denen anderer Gruppen ähnlich sein – die beste Art
und Weise, diese Gruppe mit bestimmten Geschäftstätigkeiten gezielt zu erreichen, wird
sich dann von den sonstigen Vorgehensweisen unterscheiden. Ich nenne das zugangsbezogene
Positionierung. Dabei hängt die Art des Zugangs vom Standort des Kunden ab oder von
seiner Grösse – oder von allem, was eine aussergewöhnliche Reihe von
Tätigkeiten erfordert, um ihn auf die beste Weise zu erreichen.
Kundenbedürfnisse
Bei einer Positionierung kommt es nicht darauf an, sich eine Nische zu sichern:
eine Marktstellung, die aus einer der genannten Grundlagen hervorgeht, kann breit oder eng
definiert sein. Fokussierte Wettbewerber wie lkea zielen auf die spezifischen Bedürfnisse
einer Teilgruppe von Kunden und haben Erfolg, weil die Konkurrenz entweder zu viel Service
bietet (und der teuer bezahlt werden muss) oder zu wenig (so dass alles zu billig wird).
Unternehmen mit breiterer Zielgruppenansprache bedienen ein breites Bedürfnisspektrum und
führen daher verschiedene Tätigkeiten aus, die auf diese allgemeinen Bedürfnisse
abgestimmt sind; die bestimmten Kundengruppen eigentümlichen Bedürfnisse ignorieren sie
oder erfüllen sie nur teilweise. Was aber auch die Grundlage sein mag –
Varianten, Bedürfnisse, Zugang oder eine Kombination der drei Elemente: Positionierung
verlangt nach einer genau bemessenen Reihe von Tätigkeiten. Stets kommt es auf die
Unterschiede im Leistungsangebot an, also auf unterscheidbare Tätigkeiten. Dagegen hängt
eine Position nicht in jedem Fall von Unterschieden auf der Nachfrage- oder Kundenseite
ab; insbesondere varianten- und zugangsbezogene Positionierungen gründen nicht auf
Unterschieden bei den Kunden. In der Praxis kommen Unterschiede in Varianten oder Zugang
häufig mit verschiedenartigen Bedürfnissen daher.
Strategie
Mit der Klärung der Frage, was Positionierung bedeutet, können wir uns nun der
Frage zuwenden: «Was ist eigentlich Strategie?» Antwort: Strategie ist das Schaffen
einer einzigartigen und werthaltigen Marktposition unter Einschluss einer Reihe
differenter Geschäftstätigkeiten. Gäbe es nur eine einzige ideale Position, wäre
Strategie nicht weiter notwendig. Die Unternehmen würden sich einem simplen Gebot
konfrontiert sehen: Gewinne das Wettrennen, bei dem es einzig darum geht, diese
Marktposition zu entdecken und zu besetzen. Der Kern von strategischer Positionierung
besteht darin, Tätigkeiten zu wählen, die sich von denen der Rivalen unterscheiden. Wenn
aber eine ganz bestimmte Reihe von Tätigkeiten geeignet wäre, auf beste Weise alle
Varianten zu produzieren, alle Bedürfnisse zu erfüllen und Zugang zu allen Kunden zu
finden, dann brauchten die Unternehmen nur zu diesen Tätigkeiten überzugehen, und die
betriebliche Effektivität würde die Performance bestimmen.