Wie der Boss, so die Kultur
Mit ehrgeizigen Zielen und einer expansiven Strategie will sich der neu ernannte Top-Manager profilieren. Vorsicht: explizite und kommunizierte Vorstellungen sind noch keine Garantie dafür, dass sich Mitarbeiter entsprechend beeinflussen lassen. Das geschieht meist weit banaler. In einem Artikel des Harvard Business Manager wies Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, auf unbewusste Faustregeln hin. Jeder, der die Führungsrolle innehat, wendet sie an.
Effiziente Arbeit unterliegt einfachen Regeln, nach denen man sich ungefähr richten kann. Fühlt sich der Chef beispielsweise durch zu viele E-Mails gestört, wird ein Untergebener im Zweifelsfall kein E-Mail senden. Reagiert eine Führungskraft misstrauisch auf das Fehlen von Mitarbeitern, können diese abgehalten werden, Seminare und Tagungen zu besuchen. Ignoriert ein Chef gute Vorschläge, versiegt die Quelle schnell. Belohnt er gute Vorschläge, sprudeln die Ideen. Die unbewussten Verhaltensmuster prägen im Verlaufe der Zeit nachhaltig die Unternehmenskultur. Sie diffundieren auch. Es lohnt sich daher für jeden Chef, über den unbewussten Einfluss seines Arbeitsstils zu reflektieren. Eine Kultur kann offener oder geschlossener, formeller oder unkonventioneller werden. Die gute Seite davon: Ueber Chef-Gewohnheiten lässt sich eine Kultur positiv gestalten. Hält der Manager Ausschau nach Lösungen und hat kein Ohr für Probleme, wird sich das in der Organisation verinnerlichen. Fördert er Wagnisse wird die Freude am Experiment steigen, toleriert er dabei aber keine Fehler, wird alles beim Gewohnten bleiben. Kurz: Der Boss prägt.
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