Raum für Neues schaffen
An Altem festhalten engt ein. Besonders gefährdet sind erfolgreiche Unternehmen, die laufend nur nachbessern. Evolution statt Revolution vermittelt Pseudo-Sicherheit. Das Geschäftsmodell wird zwar effizienter und ein gut laufendes Produkt wirkt frischer, doch mangelt es an echter Innovation. So verpasste Polaroid, einst Synonym für Erfindungsreichtum, den Anschluss an die digitale Fotografie. Eine Milliarde Dollar Schulden. Endstation!
Loslassen und Lernen, Neues zu entdecken, ist eine bewusst zu pflegende Kunst. Wer Priorität auf etwas Neuartiges setzt und sich gleichzeitig von etwas Althergebrachtem trennt, gewinnt an Innovationskraft. Vorwärts gehen, nicht verzetteln, hiess es bei Kimberly-Clark. Die Firma stieg aus ihren traditionellen Papierfabriken aus und fokussierte sich auf Papier-Hygieneprodukte wie Kleenex und Huggies-Windeln. Mit durchschlagendem Erfolg: in rund drei Jahrzehnten kletterte der Jahrsumsatz von 1 Mrd. auf 15 Mrd. $. Der Management-Denker der Moderne, Peter F. Drucker, wollte solche weisen Umstellungen institutionalisieren. Er schlug ein „Verfalldatum“ für jedes neu lancierte Produkt vor. Die besten Leute sollten auf neuem Gebiet arbeiten, weg vom Angestammten. 10% der Arbeitszeit sollte für Neues eingesetzt werden.
Den rasanten Wandel haben wir im Griff, aber die langsame Veränderung macht uns zu schaffen. Als Metapher gefällt mir das berühmte Beispiel mit dem Frosch. Landet der doch in einem Topf kalten Wassers auf heisser Herdplatte und bemerkt nicht, wie es wärmer, schließlich heiss und dann kochend wird. Zu spät! – Auch für jene Unternehmen, denen Veränderungen entgangen sind, weil das Prinzip "Hoffnung an das Alte" lenkt. Nur eine schockartige Krise könnte dort Überlebenswille wecken und zu neuen Produkten führen. Gleich jenem Frosch, der im heissen Wassertopf landete und völlig entsetzt den lebensrettenden Sprung unternommen hatte.
Wir werden zum einfachen Hinzulernen verführt. Der Erfolg ist greifbarer. Beim generativen Lernen stossen wir in eine höhere Form der geistigen Arbeit vor. Kreativität ist wichtig, auch wenn sie die Unsicherheit und das unternehmerische Risiko erhöht. Und doch: Gerade daraus entstehen die zukünftigen Wachstumspfade.
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