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Villa Diana
Lernen als Weg

Villa Diana - im Park - Thalwil

 

Denkmalpflegeobjekt
Das neubarocke Haupthaus „Villa Diana“ datiert aus den Jahren 1873–1875. Gebaut wurde diese einzigartige Villa vom Textilindustriellen Julius Schwarzenbach-Meier. 1897 wurde in der Villa die elektrische Beleuchtungsanlage installiert. Der im Jahre 1990 renovierte Gebäudekomplex «Villa Diana» wurde 1981 unter Denkmalschutz gestellt.

Industrielle Entwicklung in Thalwil
Die erste grosse bauliche Entwicklung Thalwil’s erfolgte in den Jahren 1838 bis 1840 durch den Bau der Seestrasse. Das Dorf war früher nur auf dem Seeweg und durch die Landstrasse mit der Stadt und den übrigen Gemeinden verbunden. Diese neue, nicht ohne Widerstand erbaute Verkehrsverbindung brachte den Neubau von stattlichen Herrenhäusern sowie den Aufschwung der Industrie. So entstanden im Laufe der Zeit neben verschiedenen kleineren Betrieben die späteren grossen Textilunternehmungen, wie die Färberei Weidmann, die Seidenfirma Robert Schwarzenbach & Co. AG; ferner die Seidenfirma Gebr. Schmid, später Heer & Co. sowie die Baumwollspinnerei Schmid AG in Gattikon. Diese Unternehmungen veränderten, zusammen mit dem 1875 erfolgten Bau der Eisenbahnlinie, das Dorfbild in starkem Masse. Neue Wohnsiedlungen entstanden für die Arbeiterschaft, und es setzte eine Bauspekulation ein, wie man sie erst wieder nach dem zweiten Weltkrieg neu erlebte.

Seidenzwirnerei Robert Schwarzenbach in Thalwil, einer der weltweit grössten Textilkonzerne im 19. Jahrhundert.

Die Zürcher Seidenindustrie ging aus aristokratischen, städtischen Handelshäusern des 18. Jahrhunderts hervor und verlagerte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Zürichseegegend. Zentren der Seidenindustrie wurden Horgen und Thalwil, das den Beinamen «Lyon am Zürichsee» erhielt.

Die Villa Diana ist eine prominente Zeugin einer im Wesen barocken Phase des 19. Jahrhunderts, der drei Jahrzehnte 1860-1890. Zu Beginn des 18. Jahrhundert wurde das Barocke durch die Neoklassizismus, Neogotik und später durch Neurenaissance verdrängt. Ende des 19. Jahrhunderts kehrte die barocke Phase in Form des Neubarock zurück. Die Villa Diana ist ein interessantes Zeugnis dieser Epoche.

Barock ist der hierarchische Geschossaufbau der Villa mit einer entschiedenen Rangordnung im Innern. Dies äussert sich in äusserst repräsentativen Haupt- und einfachen Nebenräumen. Die Oeil-de-Boeuf-Mansarden – benannt nach ihren runden Dachfenstern  - sind ebenfalls typisch für den barocken Baustil.

Interessante Details zur Villa Diana

Villa Diana
Der Baustil des Neubarock manifestiert sich darin, dass eine ganze Anzahl von Werkstoffen imitiert wurde. Die ursprüngliche Marmorierung des Treppenhauses fand man bei der Renovation unter dem später aufgetragenen Putz. Das Grund-Material für die Marmorierung ist Gips. Die Marmorierung des Treppenhauses wurde bei der Renovation von Kunstmalern sehr aufwändig im ursprünglichen Stil marmoriert (Marmorimitation). Auch die Holzimitation an der Kassettendecke des heutigen Sitzungszimmer ist ebenfalls aus Gips und das Tannenholz im Sitzungszimmer ist mit Eichenmaserierung bemalt. Der Kachelofen im Parterre wie im obersten Stock (Zylinderofen mit Reliefkranz) sind Originalstücke, heute aber nicht mehr beheizbar. Die Fensternischen sind tief, der Fenstersims aus Marmor und die Heizkörper sind mit alten Verkleidungen ausgestattet. Die Türen sind entsprechend dem Rauminnern mit Jugendstilgriffen gestaltet.

Das Ökonomiegebäude
Das Ökonomiegebäude, ursprünglich als Schuppen gebaut, wurde 1897 um Stallungen, Remise, Waschhaus und Dienstzimmer erweitert. Der Farbton der Aussenbalken und Fensterläden entspricht dem Original. Farbreste wurden vom Landesmuseum analysiert. Im Innern erlaubte der Denkmalschutz eine Kombination der ursprünglichen Bausubstanz mit etwas ganz Modernem (Zwischenboden, Farben Gelb und Blau).

Die Orangerie
Die Orangerie, 1878 als Gewächshaus mit Ofen erstellt, wurde 1897 zur heutigen zweiflügligen Anlage mit Mittelpavillon ausgebaut.
Die bemalte Kuppel hat stark unter der Feuchtigkeit des Gewächshauses gelitten. Dem Restaurator gelang es allerdings, einige Farbteile durch einen Abzug zu retten, mit dem diese später wieder aufgeklebt wurden. Die Orangerie verdient als besonders seltene Baugattung eine entsprechende Wertschätzung. Im Kanton Zürich ist sie die einzige Vertreterin dieser Baugattung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.
Erbaut wurde die Gebäudegruppe, auf dem Grundstück «Wanne und Schoss» genannt, vom damaligen Thalwiler Seidenfärbereibesitzer, Chemiker, Gemeindepräsident und 1897 Stifter des Gemeindehauses Thalwil, Julius Schwarzenbach-Meier.

Der Park
Der Park steht unter Naturschutz. Die Reichhaltigkeit des Baumbestandes auf relativ kleiner Fläche ist für den Kanton Zürich einzigartig. Die älteren Bäume, die zum Teil 100 Jahre alt sind, erreichen eine Höhe von über 30 Metern. Mindestens 2 Dutzend Pflanzen sind im höchsten Masse schützenswert. Darunter Sequoias, eine Zeder, ein Tulpenbaum. Auch die ganze Gartengestaltung wurde wieder so hergestellt, wie es früher war (Teich, kleiner Brunnen, etc.). Julius Schwarzenbach war ein grosser Botaniker. Er zog sich aus dem Geschäftsleben zurück und widmete sich hauptsächlich seinem Park, an dessen Stelle früher ein Rebberg war.

Allgemeines
Politisch-wirtschaftlich führend waren zur damaligen Zeit Eisenbahnherren, Bankdirektoren und Fabrikanten. Für den Typus ihrer Residenz ist die Villa Diana repräsentativ. Prominentester Zeuge dieser so genannten neubarocken Phase ist der Zürcher Hauptbahnhof. Weltgeschichtlich bedeutet das Jahr 1870 das Ende das «Second Empire» und den Beginn des «Zweiten Deutschen Reiches». Bald danach beginnt der deutsche Einfluss in der schweizerischen Architektur. Die meisten Bauten des Neubarocks sind seit 1920 verschwunden, weil sie der technisch-funktionellen Bauideologie widersprechen. Der Architekt der Villa Diana ist nicht bekannt. Nur wenige Gemeinden im Kanton Zürich besitzen einen vergleichbaren architektonischen Komplex, d.h. die Villa Diana ist beispielhaft für den ganzen Kanton Zürich.

i_pdf.gif (144 Byte) Flyer Villa

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  • Im Park 4 - CH-8800 Thalwil/Zürich
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