31.01.2018

Resilienz ist lernbar!

Ein Interview mit Frau Prof. Dr. Anna Maria Pircher-Friedrich

Was bedeutet Resilienz aus ganzheitlicher Sicht?
Resilienz bedeutet Widerstandskraft und Frustrationstoleranz. Sie ist eine erlernbare Fähigkeit. Resilienz kann als das Rüstzeug erfolgreicher Menschen bezeichnet  werden, die an Schwierigkeiten, Verletzungen und Schicksalsschlägen nicht zerbrechen, sondern gestärkt und gewachsen daraus hervorgehen. Resiliente Menschen sehen Scheitern, Niederlagen und Schwierigkeiten als Teil des Lebens. Sie stellen sich den Herausforderungen, finden dabei neue Lösungen und entfalten ihre Potenziale.

Wie können wir Resilienz entwickeln?
Um Resilienz zu entwickeln, müssen wir uns den tieferen Fragen unseres menschlichen Seins und des Sinns stellen. Wir brauchen ein neues, ganzheitliches Verständnis unseres Menschseins. Dabei kommen wir nicht um Fragen herum: Wer bin ich, wer könnte ich sein. Welches Menschenbild müsste mich leiten, wenn ich erfolgreich, gesund erhaltend und erfüllt leben und leisten möchte. Dies setzt ein konsequentes Bewusstwerden, Korrigieren und gezieltes Steuern unseres Menschenbildes, Selbstbildes und Weltbildes voraus.

Was bedeuten unsere Menschenbilder für die Entwicklung von Resilienz?
Jede verantwortungsvolle und nachhaltige Veränderung muss bei unseren inneren Bildern ansetzen, um eine menschenwürdige, nachhaltige und gesund erhaltende Zukunft zu ermöglichen. Auf der Basis innerer Bilder schaffen Menschen Wirklichkeiten und Zukunftsszenarien. Diese Bilder prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, fühlt und handelt, ist ausschlaggebend dafür, welche neuronale Verknüpfungen in seinem Gehirn stabilisiert und ausgebaut und welche durch unzureichende Nutzung gelockert und aufgelöst werden. 

Sie sagen, der Mensch hat die «Freiheit zur Stellungnahme», was meinen Sie genau damit? 
Der Mensch ist ein dreidimensionales Wesen (Körper, Seele, Geist). Die geistige Dimension unterscheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen. Die Geschenke der geistigen Dimension sind: die Freiheit, die Verantwortung, die Selbstdistanzierung und die Selbsttranszendenz. Mit Blick auf Resilienz bedeutet dies, dass Menschen nicht Opfer vorgegebener Gesellschafts- und Unternehmensphilosophien und daraus resultierender Richtlinien sind, sondern immer die Freiheit zur Stellungnahme haben. Diese Erkenntnis kann aus der Opferrolle befreien und in die volle Selbstverantwortung und Entwicklung von Resilienz führen. Die Fähigkeit der Selbstdistanzierung befähigt Menschen, die Sackgasse der Selbstverliebtheit und des blossen Eigennutzens zu verlassen und echte  Beziehung zu anderen Menschen und der Welt aufzubauen und damit die notwendige Empathie für die Menschen und die Probleme dieser Welt zu entwickeln. Die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz ermöglicht echte, innerlich bejahte Hingabe an andere Menschen und Aufgaben, die Grundlage einer dienenden Lebens- und Führungshaltung und einer qualitativ hochstehenden Dienstleistungskultur, von der wir alle träumen.

Zur Person

Frau Prof. Dr. Anna Maria Pircher- Friedrich ist Professorin für Human Resources und Dienstleistungs- und Qualitätsmanagement am Management Center Innsbruck und Referentin an der ZfU-International Business School Thalwil/Zürich. Als international gefragte Vortragende und Seminarleiterin trainiert und coacht sie seit über 20 Jahren Führungskräfte aus Wirtschaft, Schulen und Krankenhäusern. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen. 

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