Fachartikel Übersicht

26.04.2016

Erfolg braucht ein Gesicht

Error: no file object

Der Trainer und Berater Ben Schulz gewährt Einblicke ins Personalbranding und erklärt, weshalb es heutzutage so wichtig ist einzigartig zu sein. Wie merklich der Unterschied ist zwischen Menschen, die in sich und auch für andere unverwechselbar sind und bleiben und wie direkt sich dies auf den persönlichen Erfolg auswirkt erfahren Sie hier:

Was sind die Mechanismen des Personal Branding und warum braucht Erfolg ein Gesicht?

Wenn wir heute ins Marketing schauen, ist die klassische Herangehensweise folgende – und hier nehme ich gerne die Metapher eines Hauses: Man macht sich Gedanken darüber, wie die Außenfassade eines Hauses in Form gebracht und inszeniert wird. So dass diese attraktiv ist und Wirkung zeigt. In der Vermarktung von Dienstleistungen oder Produkten ist das die generelle Herangehensweise.

Was nun das Besondere an Personal Branding ist – um in diesem Bild des Hauses zu bleiben – ist nicht, sich als erstes über die Fassade und damit die Inszenierung Gedanken zu machen, sondern nach innen zu gehen und die Statik anzuschauen. Was ist stabil? Was ist auffällig? Wo bröckelt eventuell etwas von der Wand? Hier taucht man in einen Prozess ein, bei dem man auch anfängt, an dieser Statik zu rütteln. Diese Vorgehensweise nenne ich Identitätsarbeit. Und das ist die Besonderheit. Wir schauen im Personal Branding also nicht von außen nach innen, denn das wäre Inszenierung und damit meist aufgesetzt. Wir arbeiten von innen nach außen, gehen vom Kern aus in die Außenwirkung, von der Identität hin zur Sichtbarkeit. Hierin liegt der elementare Unterschied.

Warum braucht Erfolg ein Gesicht? Ganz einfach: »Der Mensch kauft vom Menschen, nicht von Maschinen, nicht von Unternehmen« hat Lee. J. Colan so ähnlich einmal treffend gesagt. Menschen können sich viel leichter mit anderen Menschen identifizieren, als mit einem anonymen Konstrukt wie einem Unternehmen. Edgar Geffroy bringt folgende Aussage damit sehr treffend in Verbindung: »Wir leben heute in einem Zeitalter, in dem ein Einzelner so erfolgreich sein kann, wie ein großes Unternehmen.« Das muss man sich mal vorstellen. Viele unterschiedliche Branchen, aber auch Menschen unterschiedlichster Positionen wie Führungskräfte, Vorstände etcetera unterschätzen es, dass sie mit ihrem Namen oder ihrem Gesicht heute sehr erfolgreich sein können.

Inwiefern beeinflussen unsere Wertevorstellung, Glaubenssätze, negative Gedanken und gesellschaftliche Normvorstellungen unseren Erfolg?

Die beeinträchtigen massiv. Denn sie sind Bestandteil der eigenen Identität. Themen wie soziales Umfeld, Weltanschauung, Wertsystem, Prägungen und so weiter sind alles Dinge, die uns zu dem Menschen, zu der Identität geformt haben, die wir heute sind. Das Problem ist aber nicht, dass diese einen Einfluss haben. Die große Herausforderung liegt vielmehr darin, dass die wenigsten wissen, wie diese Themen bei sich aussehen. Wenn sie nämlich wüssten, welche Auswirkungen diese Themen auf ihre Entscheidungen und ihr Handeln haben, würden sie wahrscheinlich ganz anders agieren. So handeln sie aus der Unwissenheit heraus. Das hat einen massiven Einfluss. Es gibt nur ganz wenige Menschen, die etwas über ihre eigenen Prozesse wissen.

Wie kann man eine Verbindung zwischen der eigenen Persönlichkeit und dem eigenen Tun herstellen?

Wenn ich weiß, wer ich bin – wie meine Persönlichkeit und Charakter ist, wer mich geprägt hat und was meine Wertevorstellungen sind, nach denen ich leben will – bekomme ich ein Verständnis dafür, warum ich so denke und handle. Das bedeutet, ich werde mir bewusst darüber. Und das ist der Punkt. Es ist etwas nicht einfach so, weil man es immer schon so gemacht hat. Man muss sich auch mal bewusst infrage stellen: Sind die Dinge, die mich geprägt haben, etwas, wozu ich mich bewusst entschieden habe? Oder habe ich sie aus meinem sozialisierten und kulturellen Denken nur mitgebracht?

Ist eine Beeinflussung zwischen einem scharfen Profil und Erfolg zwingend?

Ich würde sagen, ja. Denn wenn ich kein scharfes Profil habe, habe ich keine Kanten und Ecken und gehe in der Riesenmasse unter. Wenn ich keine Kanten und Ecken habe, versuche ich eigentlich, es allen recht zu machen. Oder ich gehe nach der Devise: Was der Markt gerade will, das gebe ich ihm. Das hat massiv etwas mit dem Erfolg zu tun, denn erst wenn ich klare Kanten und Konturen habe, kann sich auch jemand daran reiben. Dann polarisiere ich, habe ein Standing, stehe für meine Meinung ein, kommuniziere diese und bin greifbar. Nur durch dieses Eckige und Kantige bekommen Leute von außen die Chance, mich einordnen zu können. Und ja, das hat Einfluss auf den Erfolg: Wenn ich glatt und flutschig bin wie ein Stück Seife, können mich die Menschen nicht greifen, nicht einordnen.

Inwiefern stärkt unsere Persönlichkeit den persönlichen Erfolg und inwiefern kann sie uns im Wege stehen bzw. können wir uns selbst im Wege stehen?

Ich glaube, dass in der Persönlichkeit Dinge verwurzelt sind, die es mir leicht machen, etwas gut oder weniger gut zu tun. Wenn ich zum Beispiel nicht dazu geschaffen bin, vor größeren Menschengruppen zu stehen – weil es nicht artgerecht für mich ist – kann das für meinen Erfolg sehr hinderlich sein. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob wir hier über Persönlichkeit oder über Fähigkeiten sprechen. Fähigkeiten wie Rhetorik und Kommunikation kann ich erlernen, keine Frage. Der eine performt als Naturtalent vor der Kamera, der andere hat eher ein Radiogesicht und sollte das nicht tun. Das Interessante dabei ist also, zu sagen: was macht meine Persönlichkeit aus? Worin liegen eigentlich die bevorzugten Fähigkeiten, die mit meiner Persönlichkeit in Verbindung die ideale Mischung ergeben? Und dazu muss ich mich kennen, muss wissen, was mich erwartet, was für mich artgerecht ist. Dafür braucht es eine gute Reflektion. Ich denke da immer an die Tierolympiade: Die Ente macht keinen 100 Meter Sprint. Das macht der Hase. Und der Hase ist kein Schwimmer. Das ist aber die Ente. Um das zu definieren und herauszufinden und die Vorzüge miteinander zu kombinieren, braucht es eine gute Strategie. Dann kann das entweder Erfolg bringen oder Erfolg verhindern.

Best Practice in Bezug auf Personal Branding: Wie wird man zum Helden seiner Karriere?

Wir haben im Buch einige Beispiele gebracht. In jedem dieser Best Practice Beispiele gibt es Gemeinsamkeiten und Gesetzmäßigkeiten zu entdecken. Und eines der Gesetzmäßigkeiten ist: Du kannst die Heldenstory eines anderen nicht kopieren. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Du kannst zwar bestimmte Dinge abschauen, wie etwas konzeptionell und strategisch angegangen wurde – aber im Endeffekt gibt es kein Best Practice, das adaptierbar ist. Es gibt einen Haufen an Best Practice Beispielen von Promis, Sportlern, Politikern, Musikern, Anwälten, die ihren Weg – und das ist das Entscheidende – gefunden haben. Daher sage ich ganz klar: Finde deinen Weg. Finde deine Erfolgsstory. Schreibe deine Heldenstory. Kopiere nicht die Erfolgsstory eines anderen. Das funktioniert nicht. Personal Branding basiert auf Basis von Personality, von Identität. Niemand hat die Identität eines anderen. Wenn ich weiß, wer ich bin, weiß ich auch, was ich zu kommunizieren habe. Personal Branding ist intensives Arbeiten am Thema Karriere und Erfolg. Jeder kann seinen Erfolgsweg definieren, der zuvor entsprechend erarbeitet und freigelegt werden muss: was macht mich aus als Mensch? Und dann geht’s nach außen in die Strahlkraft. Zum Thema Erfolg gibt es für mich noch zwei weitere ganz entscheidende Faktoren: Erstens brauche ich eine Strategie, ein Konzept. Das funktioniert nicht nach Kolumbus-Prinzip. Jedem, der hergeht und sagt, wir probieren das mal aus, rate ich: lass es! Entweder du tust es oder du lässt es. Zweitens muss ich wissen: Worauf lasse ich mich ein? Mit welchen Themen muss ich mich eigentlich im Vorfeld auseinandersetzen, um mir darüber klarzuwerden, ist das mein Weg und will ich das wirklich? Wenn ich mich nämlich dazu entscheide, sollte ich die Rahmenbedingungen vorab klären, ob ich das wirklich möchte und ob ich dem auch gewachsen bin. Das ist auch der Grund, weswegen wir das Buch nicht auf Best Practice Ebene, sondern von der Ebene darüber geschrieben haben.

Ihrer Meinung nach, welchen Einfluss hat Ihre Identität auf Ihren persönlichen Führungsstil?

Einen großen! Wenn wir über Führung sprechen, reden wir über Führungsrollen. Auch da muss ich meine Identität kennen, um zu wissen: Wie ticke ich denn in der Führung? Was für ein Führungstyp bin ich? Welche Vorteile habe ich in meinem Führungsstil? Aber auch, welche Fallen gibt es? Denn meine Identität kann in der Führung Vorteile, aber auch Nachteile haben. Ich muss meine Identität kennen, meine Fallstricke, meine Fettnäpfchen. Ich muss erkennen, was in meinem Führungsverständnis aufgrund meiner Identität gut klappt und mit welchen Leuten das gut klappt. Und wo es Herausforderungen gibt. Vielleicht führe ich auch die Leute tot. Wie fülle ich die Rolle als Führungskraft mit meiner Identität? Das hat eine starke Auswirkung auf das Thema Führung und meinen Führungsstil.

Was hat sich bei Ihnen verändert, seit Sie Ihre Identität kennen und leben?

Ich trage keine Anzüge mehr. Ich rede Klartext und nicht mehr das, was andere von mir hören wollen. Ich habe angefangen, zu polarisieren. Ich merke, je mehr ich über mich erfahre, dass ich in Sachen Führungsstil und die Reflektion über mich offener und flexibler geworden bin, auch was Kritik angeht. Das ich also korrigiert werden darf. Was ich auch merke, ist, dass ich seitdem viel bewusster Dinge steuere und einsetze.

Unser Tipp
Das Seminar "Erfolg braucht ein Gesicht: Kraftvoll führen mit klarem Profil und Position" mit Ben Schulz
Infos & Anmeldung