Fachartikel Übersicht

09.05.2016

Profil macht Karriere – 7 mutige Schritte für Frauen die mehr wollen

Error: no file object

Jede Person, ob selbständig oder angestellt, profitiert von einem starken Profil. Denn nur wer ein klares Profil hat, sticht aus der Masse heraus. Sich diese Sichtbarkeit zu erarbeiten braucht Können – und ein Quantum Mut.

Genau wie erfolgreiche Markenprodukte, die für eine ganz bestimmte Eigenschaft stehen, hat jeder Mensch ein eigenes Profil – eben seine persönliche Marke. Im Zentrum steht dabei die eigene Unverwechselbarkeit, die immer mehr für den Erfolg jedes Einzelnen ausschlaggebend sein wird. Self Branding, also die Markengestaltung für Personen, beginnt bei uns selber, bei unseren größten Stärken, wichtigsten Werten und Leidenschaften. Zuerst steht immer der Blick nach innen: auf unsere Ressourcen und auf das, was uns als Person ausmacht. Auf dieser Basis wird die persönliche Marke aufgebaut und vermarktet. Gerade Frauen tun sich schwer damit, sich und ihre Leistungen selbstbewusst zu zeigen. Denn da ist immer die Angst, anzuecken oder als arrogant wahrgenommen zu werden. Erfahren Sie, wie Sie sich in 7 Schritten profilieren – und zwar auf eine sympathische, gewinnende Art und Weise.

Unser TIpp!
 Das Seminar "Frauen in Führung: Erfolgsfaktoren für weibliche Führungskräfte" mit Petra Wüst.
Infos & Anmeldung


1. Schritt: Authentizität statt Extravaganz

Will meine Marke glaubwürdig sein, muss sie mir entsprechen. Denn Menschen kaufen nur, was echt ist. »Fake« wird allzu schnell entlarvt – und stösst ab. Ausserdem hat kein Mensch die Energie, jahrelang ein Image aufrechtzuerhalten, das nicht seiner Persönlichkeit entspricht. Als authentisch gilt, wer in Übereinstimmung mit sich selbst, mit seinen innersten Überzeugungen und Werten lebt und aus „ureigenstem“ Antrieb handelt. Wir halten einen Menschen für authentisch, der glaubwürdig ist und sich nicht verstellt.
Glaubwürdige Menschen haben ein klares Profil. Sie denken was sie sagen und handeln entsprechend. Die Botschaften, die sie aussenden, sind in sich stimmig und lassen keine Zweifel aufkommen. Im Zentrum stehen Fragen wie: Wer bin ich? Welche Werte will ich leben? Welche Leidenschaften habe ich? Welches sind meine grössten Stärken? Welche Verhaltensgrundsätze will ich verfolgen? Welchen Kommunikationsstil pflegen?

2. Schritt: Fokus auf das Wesentliche

Dabei stellt eine persönliche Marke nie die Person in ihrem ganzen Facettenreichtum dar, sondern beschränkt sich bewusst auf ausgewählte Ausschnitte und eine klare Botschaft. Um ein starkes Profil aufzubauen braucht es einen Fokus: die Konzentration auf wenige zentrale Stärken, Eigenschaften und Emotionen. Die Marke ist damit eine Vereinfachung und eine Reduktion. Und genau darin liegt eine ihrer grössten Stärken: Sie ist verständlich, berechenbar und vertrauenswürdig.
Ein starkes Profil zu haben, bedeutet deshalb immer auch, Ecken und Kanten zu haben. Eine Marke darf nicht Everybody’s Darling sein, denn damit untergräbt sie die Kraft ihres Profils: Wer alles für alle sein will, ist für niemanden das Richtige. Doch je mehr Ecken und Kanten jemand hat, desto eher läuft er Gefahr, anzuecken und kritisiert zu werden. Dies ist eine häufige Angst von Frauen: Sie befürchten, weniger geschätzt zu werden, wenn Sie Farbe bekennen und sich für ihre Bedürfnisse und Ziele einsetzen. Es braucht Mut, dezidiert aufzutreten und Position zu beziehen – gerade auch gegen die Wünsche anderer. Frauen müssen lernen, sich machtvoll durchzusetzen, Kritik nicht persönlich zu nehmen und eine „dickere Haut“ zu haben.

3. Schritt: Perspektivenwechsel

Wir haben die Angewohnheit, unser Augenmerk vor allem auf uns selber zu richten: Was will ich? Was brauche ich? Auch wenn dieses Verhalten durchaus menschlich ist, ist es aus Marketingsicht falsch. Denn die anderen kaufen mir nur etwas ab, wenn sie sich einen Vorteil davon versprechen. Aus Sicht des Marketings gilt: Es kommt nicht darauf an, was ich selber für relevant erachte oder wie ich selber meine Person oder meine Leistungen sehe, sondern wie mein Gegenüber diese beurteilt. Nur was dem anderen einen Nutzen bringt, was für ihn attraktiv ist, hat tatsächlich einen Nutzen und ist attraktiv.
Machen Sie einen Perspektivenwechsel: Statt sich zu überlegen, welche Vorteile Sie von einer bestimmten Situation oder Leistung haben, müssen Sie sich überlegen, welchen Nutzen Ihre Stakeholder daraus ziehen. Und entsprechend müssen Sie Ihre Leistungen gestalten und bewerben.

4. Schritt: Mehrwert schaffen

Dabei gilt: Nicht jede Leistung lässt sich gleich gut verkaufen. Das Problem: Die gewissenhafte Erfüllung unseres Tagesgeschäfts lässt sich nicht verkaufen; über Leistungen, die sowieso von uns erwartet werden, können wir uns nicht profilieren. Sein eigenes Fachgebiet zu beherrschen, seine Kunden zu kennen und sie angemessen zu behandeln, ist nichts Aussergewöhnliches, sondern Voraussetzung fürs Geschäft. Diese Arbeit wird durch unser Gehalt entgolten – sie rechtfertigt weder eine Lohnerhöhung noch eine Beförderung. Und genau hier liegt ein häufiger Denkfehler vieler Frauen: Sie glauben, Fleiss und Gewissenhaftigkeit bringe sie weiter. „Gut“ ist in unserer Konkurrenzgesellschaft jedoch nicht gut genug – mit „mehr vom Gleichen“ und als fleissiges Bienchen lassen sich keine Lorbeeren verdienen.
Wollen wir sichtbar sein und beruflich vorwärts kommen, müssen wir in unserer Arbeit einen Mehrwert für unsere wichtigsten Stakeholder erbringen, beispielsweise, indem wir in unserem angestammten Gebiet und Verantwortungsbereich Verbesserungen vornehmen und umsetzen oder etwas Zusätzliches anbieten, das zwar zu unserem Job dazugehört, unseren Vorgesetzten oder Kunden aber dennoch einen Mehrwert bietet. Dabei helfen Fragen wie: Wo drückt meiner Chefin der Schuh? Wie kann ich sie zusätzlich unterstützen? Welche Leistungen meinerseits bringen uns beide weiter? Wo ist das Verhältnis von Arbeitsaufwand und –ertrag aus Selbstmarketingsicht für mich besonders gut?

5. Schritt: Tue Gutes und sprich darüber!

Halten Sie es mit der Devise: »Eigenlob stinkt?« Das ist schade. Und bringt Sie nicht weiter. Denn wer in aller Stille Leistung erbringt, riskiert, dass keiner ihn bemerkt. Nicht von ungefähr gehört falsche Bescheidenheit zu den Top-10-Karrierekillern. Machen Sie es sich deshalb zur Gewohnheit, jeden Tag einmal etwas Positives über sich oder Ihre Leistung zu sagen.
Sich selbst zu loben erfordert Fingerspitzengefühl. Die Kunst besteht darin, über die eigenen Erfolge zu sprechen, ohne damit zu prahlen. Hier einige Tipps, wie Sie sich und Ihre Erfolge ins rechte Licht rücken:

  • Freuen Sie sich über Ihre Erfolge. Wenn Sie sich offenkundig über Ihre Erfolge freuen, werden das auch die anderen mitkriegen.
  • Streichen Sie Ihre Leistung heraus. Zeigen Sie Ihrer Chefin, was Sie zum guten Resultat beigetragen haben: „Ich habe letzte Woche nochmals mit Frau Loren telefoniert und ihr die Vorzüge unseres Angebots erklärt. Das hat sie überzeugt.“ Informieren Sie zudem regelmässig über Ihre erledigten Aufgaben: „Ich möchte Sie über den Stand des fit-Projektes informieren...“
  • Seien Sie präsent. Vergrössern Sie Ihre Bekanntheit und Ihr Renommee, indem Sie bei Fachtagungen und Branchentreffen anwesend sind und sich immer dann zu Wort äussern, wenn es um Ihr Thema geht. Schreiben Sie Beiträge für Fachzeitschriften und für die Firmenzeitung – dadurch zeigen Sie nicht nur Kompetenz und Engagement für Ihr Unternehmen, sondern halten sich in Erinnerung.
  • Nutzen Sie jede Gelegenheit. Zufallsbegegnungen können jederzeit passieren – auf dem Flur, im Lift, in der Kantine. Nutzen Sie solche Situationen für Ihr Selbstmarketing. Eine wichtige Person steht in der Kantine hinter Ihnen in der Schlange? Sprechen Sie ihn an. Stellen Sie sich vor, und sagen Sie, in welcher Abteilung Sie arbeiten. Und wenn Sie sich bereits kennen: Freuen Sie sich über die Begegnung, fragen Sie nach dem Befinden oder informieren Sie kurz über den Stand Ihrer Arbeit. Dabei gilt: Seien Sie vorbereitet! Überlegen Sie regelmässig, welche nützlichen, aktuellen und interessanten Informationen Sie bei einem allfälligen Zusammentreffen beisteuern können.
  • Reden Sie selbstbewusst über sich und Ihre Leistungen und verzichten Sie auf Formulierungen, die Ihre Leistung klein reden. Sagen Sie: „Das ist mir gut gelungen!“ statt: „Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen.“ 

6. Schritt: Vollbringen Sie Heldentaten

Schliesslich gibt es auch Leistungen, die für sich sprechen, und die so verblüffend und aussergewöhnlich sind, dass sie kein Marketing mehr benötigen. „Heldentaten“ sind Leistungen, die niemand von Ihnen gefordert oder erwartet hat, die verblüffen und erstaunen. Es ist das zusätzliche Engagement, die unverhoffte Unterstützung in einer heiklen Situation, der zusätzliche Service, den die Konkurrenten nicht bieten. Wie die IT-Beraterin, die nicht nur die technische Lösung liefert, die der Kunde bestellt hat, sondern der gleich auch noch eine Lösung aufzeigt, wie die Auslastung verbessert werden kann. Heldentaten sind für Ihr berufliches Vorwärtskommen am günstigsten, denn sie werden nicht nur von den Betroffenen sehr geschätzt – sie werden auch weiter erzählt. Deshalb verschaffen Heldentaten die grösste Sichtbarkeit bei geringstem Aufwand. Sie entsprechen dem Optimum des Pareto-Prinzips: 20 Prozent Aufwand schaffen 80 Prozent Sichtbarkeit.

7. Schritt: Scheitern Sie schöner

Heldentaten bergen allerdings eine Gefahr: Sie können schief gehen. Denn wenn wir etwas anpacken, das ausserhalb der täglichen Routine liegt, können wir scheitern. Scheitern wird in unserer Gesellschaft mit Versagen gleichgesetzt. Anstatt auf unseren Mut, etwas gewagt zu haben, stolz zu sein, schämen wir uns für unseren vermeintlichen Fehler. Dabei ist nicht die, die scheitert, eine Verliererin, sondern die, die es gar nicht erst versucht. Erfolgreich zu sein heisst deshalb in erster Linie, mit dem Scheitern und der Angst, scheitern zu können, konstruktiv umzugehen. Zweifeln Sie also im Falle eines Misserfolgs nicht an sich und Ihren Fähigkeiten. Geben Sie sich stattdessen sportlich: Die nächste Chance kommt bestimmt.

Mut zu sich selbst

Selbstbewusstes Eigenmarketing braucht Mut. Wir sind es uns nicht gewohnt, hinzustehen und über unsere Erfolge zu berichten. Entsprechend gross ist die Angst, als arrogant wahrgenommen zu werden. Doch hier kann ich Sie beruhigen: Wenn Sie zu den Menschen gehören, für die Kompetenz und Leistung im Vordergrund stehen, die eher zurückhaltend sind und sich mit dem Vermarkten der eigenen Resultate schwer tun, müssen Sie schon übertrieben dick auftragen, um eingebildet zu wirken. Verschwenden sie also keine Zeit auf diesen kontraproduktiven Gedanken. Verwenden Sie Ihre Zeit stattdessen damit, sich täglich zu überlegen: Wie könnte ich mich noch stärker profilieren und mich und meine Leistungen vermehrt sichtbar machen? Dies sind Fragen, die Sie weiterbringen – in Ihrer persönlichen Entwicklung und auf der Karriereleiter.

Unser Tipp
 Das Seminar "Frauen in Führung: Erfolgsfaktoren für weibliche Führungskräfte" mit Petra Wüst.
Infos & Anmeldung

Autorin: Dr. Petra Wüst
Dr. Petra Wüst ist eine der profiliertesten Expertinnen in Sachen Self Branding. Seit 2004 leitet sie ihr eigenes Beratungsunternehmen Wüst Consulting in Basel und ist international als Referentin, Trainerin und Coach tätig. Zudem unterrichtet die promovierte Ökonomin an mehreren Hochschulen, unter anderem an der Universität Basel und der Universität Lausanne.