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23.10.2017

Querdenken verboten?

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Viele Unternehmen bezeichnen sich als «innovativ» und suchen in Stelleninseraten nach«kreativen» Mitarbeitern. In Tat und Wahrheit haben es wirklich querdenkende Menschen schwer,sich in der Arbeitswelt zu etablieren, meinen die Referenten des ZfU-Querdenkerforums 2018.

Das Wort «Diversität» ist aus Unternehmensbroschüren nicht mehr wegzudenken. Denn von gut durchmischten Teams erhofft man sich innovative Ideen, die Firmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen sollen. Schenkt man den drei Referenten des 21. ZfUQuerdenkerforums Glauben, scheinen es querdenkende Menschen in der Arbeitswelt jedoch nicht leicht zu haben. In traditionellen Unternehmen gelten sie allzu häufig als «Unruhestifter », weil sie Bestehendes infrage stellen. Viele ideenreiche Querdenker schaffen es allerdings gar nicht erst ins Unternehmen: Sie scheitern bereits im Auswahlprozess und an den Recruiting- Richtlinien, die sich mehrheitlich an Standard- Lebensläufen orientieren. Ohne Querdenker gefährden Unternehmen jedoch ihr Überleben, so der Grundtenor der befragten Referenten des ZfU-Querdenkerforums 2018.

Gemäss IBM-ThinkLab-Innovationsexpertin Karin Vey zwingt die fortschreitende Digitalisierung Unternehmen, sich permanent zu verändern, anzupassen und neu zu erfinden. Führungskräfe sollten deshalb nicht nur Querdenkende im Unternehmen zulassen, sondern mit Vorteil diesen Geist auch selbst kultivieren und entsprechend an der eigenen Persönlichkeit feilen. Die künstliche Intelligenz fordere Unternehmen heraus, menschliche Kernkompetenzen wie soziale Intelligenz, kritisches Denken, Intuition oder die Kunst des Fragens auf ein höheres Niveau zu heben, um «eine Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine herzustellen». Wer den Fortbestand des Unternehmens sichern wolle, tue deshalb gut daran, Andersdenkende im Betrieb einzubinden. Auch wenn das auf den ersten Blick mühsam sei.

Firmen, die es mit dem Diversitätsgedanken ernst meinten, sollten in einem ersten Schritt überprüfen, welchen Eindruck sie mit ihrem Employer Branding erwecken würden, fordert Unternehmensberater Mario Herger. Wimmle eine Bewerberwebsite etwa von Checkboxen, Auswahlfeldern, Schachteln, Boxen und Schubladen, «haben Firmen bereits alles getan, um Querdenker abzuschrecken».

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der IBM, wo für querdenkende Spezialisten besondere Karrierepfade geschaffen wurden. So bestehe der Höhepunkt einer Fachkarriere bei IBM in einem sogenannten «Fellowship», erklärt Karin Vey. «Haben Mitarbeitende diesen Status erreicht, bestimmen sie ihren Arbeitsinhalt selbst, solange sie dem Top-Management in regelmässigen Zeitabständen plausibel machen, welchen Wert die initiierten Projekte für das Unternehmen haben.»

Text: Corinne Päper, HR Today 

21. ZfU-Querdenkerforum

Das anstehende Querdenkerforum setzt einen Fokus auf das Thema Mensch, Maschinen und Perspektiven für die Arbeitswelt von morgen und wendet sich an Führungskräfte, Unternehmer, VR- und GLMitglieder, die über den Tellerrand blicken möchten. Kreativität wird neben technologischer Innovation zur Hauptantriebskraft gesellschaftlicher Entwicklung. Das einzelne Genie ist dabei weniger gefragt als das fruchtbare Miteinander kreativer Köpfe aus unterschiedlichsten Sparten. Querdenker, Grenzgänger und Brückenbauer sind insofern für eine erfolgreiche Zukunft unerlässlich. Deshalb widmet sich das Querdenkerforum mit inspirierenden Referenten und Workshops der folgenden Frage: Woher kommen neue Ideen, Inspirationen und die schöpferische Fähigkeit, Neues zu schaffen?

Wann: 24. Januar 2018
Wo: Mövenpick-Hotel Regensdorf
Preis: CHF 980.00
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