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09.02.2017

20. QUERDENKERFORUM DES ZFU

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Wann hat man einmal die Möglichkeit, die Welt mit völlig neuen Augen zu betrachten? Hierbei hilft die Reise in ein fremdes Land, ein Sabbatjahr als Einsiedler oder aber der Kontakt zu besonderen Menschen. Im Rahmen des 20. Querdenkerforum des Zentrum für Unternehmungsführung konnte man dies an nur einem Tag erfahren. Um die erlebten Erfahrungen anderen Menschen zuteil werden zu lassen biete ich in diesem Bericht einen Einblick.

Vorab: Eine Konferenz bedarf ausführlicher Organisation, diese wurde von Manuela Palla, seit 12 Jahren ist sie organisatorisch am ZfU tätig, mit Unterstützung von Denise Kuster mit altruistischer Liebe zum Detail übernommen. Der Moderator Peer Teuwsen hat um die Zeitbegrenzung gekämpft und mit geschickten Fragen durch einen Tag der Überraschung und Ideen geleitet.

DESIGN THINKING - PROF. ULRICH WEINBERG

Eingeleitet wird das Querdenkerforum mit einem Vortrag von Prof. Ulrich Weinberg, welcher die d.school am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam gegründet hat und noch immer leitet. Er brachte das Design Thinking aus Stanford nach Europa und trägt seitdem zu dessen Verbreitung bei. Er stellt sich der Frage, wie der Mensch der wachsenden Komplexität technischer Systeme entgegen treten kann, als Antwort setzt er auf ein WeQ-Ökosystem und die WeQ-Foundation als ersten Schritt.

BEGEISTERUNG FÜR SCHÖNHEIT - DR. ULRICH BEZ

Der CEO von Aston Martin erzählt über Schönheit mit mathematischer Präzision und Qualität. Dies tut er mit ungebremster Begeisterung. Es bleibt dabei im Gedächtnis, dass er überzeugt davon ist im besten Job der Welt zu arbeiten. Es stellt sich dabei heraus, dass er ein Team ohne Leader einem Auto ohne Fahrer gleichsetzt und noch nicht bereit ist, die daraus resultierenden Kompromisse einzugehen. Stattdessen setzt er konsequent auf Qualität und fährt damit sehr gut.

ANGEWANDTES DESIGN THINKING - CHRISTINA TAYLOR

Christina Taylor hat Design Thinking und agiles Denken aus dem Silicon Valley in die Schweiz zu Swisscom gebracht. Mit beeindruckender Ruhe und Klarheit hat sie einen übersichtlichen Einblick in ihre Welt geboten und dies am Beispiel der kollaborativ entwickelten Ladeneinrichtung demonstriert. Als einzige Schweizerin unter den Vortragenden, ja, gar als Bernerin, bleibt sie sich als langsam sprechende Person treu, schafft es jedoch mehr Inhalt in weniger Worten zu vermitteln.

KULTUR DER ACHTSAMKEIT - HELMUT LIND

Ein Bänker führt seine Bank auf dem Weg in die Achtsamkeit. Stets den Sinn bedenkend und die Angestellten begleitend schafft er es in 10 Jahren, dass der Ruf des Lächerlichen überstanden ist und selbst seine härtesten Kritiker begeistert Energiebilanzen nutzen. Bereits 2006 das Geschäftsmodell der Bank erneuernd trifft er als Visionär den Zeitgeist und kann nun mit praktischen Erfahrungen aufwarten. Sein Workshop im Anschluss wird von den Führungskräften geradezu überrannt.

GLÜCKSMINISTER - DR. HA VINH THO

Der weltweit einzigartige Glücksminister von Bhutan gibt Einblicke in seine Arbeitsweise und erklärt, warum Profitorientierung als Maxime dem Glück der Menschen im Weg steht. Ganzheitlich geht er eine übergeordnete Wertschöpfung an und baut dabei auf 4 Säulen: Regierung, Kultur, gesellschaftliche Entwicklung und Umweltschutz. Was zählt, zählt. Unter diesem Motto misst sein Institut das Bruttonationalglück Bhutans und fördert diese.

ZAATARI - KILIAN KLEINSCHMIDT

Grenzgänger in Krisenregionen, Luft-Brückenbauer und “Bürgermeister” eines Flüchtlingscamps. Erfahrungen der Krisenbewältigung aus der Wüste erzählen wie eine logistische Aufgabe an ihre Grenzen kommt und ein Zuhause geschaffen wird. Freiheit und Kommunikation werden als Erfolgsfaktoren in der Organisation lebenswerter Umstände erkannt. Der Mensch wird in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt, was die Lösung der Probleme vereinfacht.

WORKSHOPS

In Ermangelung eines Zeitumkehrers können hier nur Einblicke in zwei der Workshops geboten werden. Aus Gesprächen mit anderen Teilnehmern ist zu entnehmen, dass fast alle Workshops von beeindruckender Qualität waren.

GLÜCKS-WORKSHOP THO

In seinem Workshop fordert Dr. Tho zur Reflexion auf. Was macht einen glücklich? Was macht einen unglücklich? Und was kann ich konkret in diesem Jahr für ein Stück Glück tun? Zudem berichtet Dr. Tho von seiner Kooperation mit einem Thailändischen Konzern, dessen Mitarbeiter er dabei unterstützt glücklich zu sein. Der erneute Aufruf das Glück zu messen, da zählt was zählt. Und Taten sagen mehr als Worte. Mit Verweis auf die Common Good Matrix aus Österreich regt Dr. Tho den Tatendrang an.

DESIGN-THINKING-WORKSHOP WEINBERG

Hierbei handelt es sich um einen Einblick in das Konzept, ohne Möglichkeit Design Thinking auszuprobieren. Das notenfreie Konzept des Studiums lautet baut mit einem Open Space und regelmäßigen Präsentationen auf das Vertrauen der Teilnehmer auf. So hat sich inzwischen ein Entrepreneurshipzentrum gebildet, da die Studenten reihenweise ihren Ideen weiter nachgehen. Die Notenfreiheit soll die kompetitive Komponente klein gehalten und Kollaboration und Kooperation in den Vordergrund rücken.

VAN BO LE-MENTZEL

Dieser letzte Vortrag wurde der Kraft des Gebens gewidmet. Fragt man Van Bo nach etwas, so ist er bereit es zu geben. Sei es Geld, Werkzeug oder Unterstützung, erfragt von der Familie, Freunden oder Fremden. Wenn Van Bo es geben kann, so wird er nicht zögern und es hergeben. Die jedem Fragenden zugesicherte Zeit beträgt 5 Minuten. Das ist die einzige Begrenzung die er einhält, um sich nicht aufzugeben. In einer Geschichte über Kuchen erklärt er, wie der Gebende ökonomisch gewinnt. Eine Ode an die indirekte Reziprozität und die Macht der Reputation und dabei so mitreißend, dass alle Anwesenden plötzlich tanzen.

FAZIT

Einen Besuch beim Querdenkerforum kann ich allen empfehlen, die Freude an freien Gedanken haben. Denn auch wenn diese Worte nun einen kleinen Einblick vermitteln konnten, die Quintessenz war immer wieder Taten sagen deutlich mehr als Worte. Es selbst zu erleben kann ich nur empfehlen.

Mögen alle Wesen glücklich sein.

Post scriptum: Ich selbst erachte mich als Querdenker. Als ich von der Konferenz erfuhr wollte ich unbedingt daran teilnehmen, als Student konnte ich mir jedoch weder die Teilnahme, noch die Anreise leisten. Also tat ich für einen Querdenker naheliegendes und fragte, ob ich die Konferenz anderweitig unterstützen konnte um daran teilzunehmen. Nachdem mir ein sehr entgegen kommendes Angebot vom ZfU unterbreitet wurde kam ich bei Freunden von Freunden in Zürich unter und genoss die Veranstaltung.

FRAGEN

  1. Wie kann der Mensch immer komplexeren Systemen entgegen treten?
  2. Fährt ein Auto ohne Fahrer gegen die Wand?
  3. Wie etabliert man Design Thinking Prozesse in einem Schweizer Konzern?
  4. Wie führt eine Bank eine Kultur der Achtsamkeit ein?
  5. Brauchen weitere Länder Glücksministerien?
  6. Wie wird aus einer logistischen Aufgabe ein Zuhause?
  7. Macht Freiheit kreativ?

FEEDBACK

Angepasst an die Strukturen der Generation der Teilnehmer gab es kaum vegetarisches Nahrungsangebot und das Forum wurde noch sehr stark als frontale Wissensvermittlung aufgebaut. Angesichts der zahlreichen spannenden Teilnehmer hätte in meinen Augen noch mehr aus dem mitgebrachten Potential derer geschöpft werden können. Um niemanden zu überfordern könnte das Konzept in den kommenden Jahren schrittweise dorthin geführt werden.

Sehr angenehm an der Schweiz empfinde ich die Ruhe, die Gelassenheit und die Treue zu sich selbst. Während immer mehr Veranstaltungen internationalisiert werden und immer wieder gezwungene englische Konversationen von ausschließlich deutschsprachigen Teilnehmern geführt werden, bleibt man sich und seiner Sprache in der Schweiz treu.