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04.12.2017

Faszination Führung! Das Leadership Symposium 2017 - Ein Bericht

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Wie verändert sich Führung? Wie geht Führung in der VUCA-Welt? Welche Unternehmenskultur braucht es um in der digitalen Welt zu bestehen? Wie ticken die neuen Generationen?

Ein Bericht von Govinda Hiemer

Das sind Fragen denen beim Leadership Symposium nachgegangen wurde. Ansätze könnten darin liegen den Fokus vom Profit zum Sinn zu verlegen, von Hierarchien zum Arbeiten im Netzwerk, von der Kontrolle zum Befähigen von Mitarbeitenden, vom langfristigen Planen zum konstanten Experimentieren und von der Abgrenzung zur Offenheit. Claudia Buzzelli hat dieses Symposium geleitet, vor wie auch hinter der Bühne. Sie hat eine wohlweislich abgestimmte Mischung an Referenten eingeladen und schafft es mit einem runden Gesamterlebnis durch einen Tag voller Inspirationen zu geleiten.

 IN DIR MUSS BRENNEN, WAS DU IN ANDEREN ENTZÜNDEN WILLST
VON ANDRÉ LÜTHI

André Lüthi, Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group und Unternehmer des Jahres 2012 brennt für das Reisen. Er bringt nicht bloss aufregende Geschichten und schöne Bilder von seinen zahlreichen Reisen mit, sondern auch viel Feuer und Begeisterung. Dieses Feuer will er auch bei seinen Mitarbeitern sehen. Diese müssen mindestens 3 Kontinente für je mindestens 3 Monate erschlossen haben um bei ihm arbeiten zu dürfen. Europa zählt dabei nicht. Dafür dürfen dann mit grosser Leidenschaft individuelle Reisen aller Arten geplant werden: einfach bis luxuriös, Lern- bis Businessreisen, Südamerika bis Nordkorea. Führen hat André Lüthi dabei im Himalaya gelernt. Für den Führenden gilt es eine Spur zu legen der andere Folgen können und wollen, und gegenseitiges Vertrauen ist für eine gelungene Führung unabdingbar. Auch Misserfolge zulassen und dazu stehen gehört dazu. Sein Erfolgsgeheimnis: Glück. Seine wichtigste Erkenntnis: Alles liegt an einem selbst. Sein Rat: geht Reisen! Es fördert Respekt, Toleranz und Vertrauen. Dies hilft allen.

CULTURE CODE - UNTERNEHMENSKULTUR FÜR DIE DIGITALISIERTE WELT
VON DR. SIMON SAGMEISTER

Die Frage welche Unternehmenskultur für die digitalisierte Welt angebracht ist hat Dr. Simon Sagmeister untersucht. Da in seinen Augen die Unternehmenskultur Herz, Verstand und Seele einer Organisation darstellt hat er sich ausgiebig mit ihr beschäftigt. Nach einer anschaulichen Einführung in das Thema seiner Leidenschaft mit grossartigen Eisbergen stellte er die Culture Map vor, ein Instrument zum visualisieren und klassifizieren unterschiedlicher Unternehmenskulturen. Mit dieser Culture Map als Instrument wagte er sich an die Erläuterung einer von ihm durchgeführten Kulturstudie, in der die Kulturen traditioneller deutscher Unternehmen und neuer Unternehmen aus dem Silicon Valley verglichen wurden. Nach diesem Vergleich ist deutlich wo die Unterschiede liegen und in welche Richtung sich traditionelle deutsche Unternehmen entwickeln dürfen, aber auch wo die Schwächen der grossen Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley liegen. In Bezug auf Führung wird erneut darauf hingewiesen, dass die Führung Spuren zu legen hat denen die Belegschaft folgen darf. Und noch ein Hinweis auf das von Govinda Hiemer berühmte Zitat von Darwin: Nicht der Stärkste gewinnt, nicht der Schnellste. Auch in Bezug auf die Kultur gewinnt der am besten Angepasste.

MENTALE HÖCHSTLEISTUNG IN ZEITEN EXPONENTIELLER ENTWICKLUNG
VON MYRIAM LOCHER

Im Vortrag zu mentaler Höchstleistung erläutert Myriam Locher vorab exponentielle Entwicklung, da diese in ihren Augen noch viel zu wenig verstanden wird. Nach einem kurzen Schwenk zu Kindern, die nicht nur neu denken dürfen sondern gar sollen und hier der Veranschaulichung der Entwicklung dienen, geht es darum wie sich die mentale Leistungsfähigkeit steigern lässt. Hierzu bietet sie eine grossartige Liste an unterstützenden Stichpunkten zum Lernen in Zeiten beschleunigten Wandels, zu denen beispielsweise Passion, Empathie und der sinnvolle Nutzen von Sprache zählen. Schliesslich bietet Myriam Locher noch Einblicke in die Implementation von Wandel. 90 Tage dauert der Prozess von der Bereitschaft zur Entwicklung über den Durchbruch bis hin zu Exzellenz, der Weg vom Gedanken über die Emotionen und Aktionen hin zu Resultaten. Es beginnt also alles mit dem Gedanken, und schon nach Albert Einstein ist ein wahres Zeichen von Intelligenz nicht Wissen sondern Vorstellungsvermögen.

X, Y, Z – WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIE ERWARTUNGEN JUNGER GENERATIONEN AN DEN BERUF?
VON PROF. DR. KLAUS HURRELMANN

In diesem Vortrag skizziert Prof. Dr. Klaus Hurrelmann sehr anschaulich die Generationen der Nachkriegszeit. Dabei geht er auf die Eigenarten aber auch die Gründe für diese Eigenarten ein und zeichnet ein sehr treffendes Bild der Generation Y. Als Teil dieser Generation freue ich mich sehr darüber zum einen so treffend beschrieben und im gleichen Atemzug wenigstens einigen Führungskräften nahe gebracht zu werden. Wenn die Lehren aus diesem Vortrag von dem anwesenden Publikum verstanden und entsprechende Massnahmen umgesetzt werden haben die Firmen der Teilnehmer sehr gute Chancen meiner Generation, sowohl auf Mitarbeiter- als auch auf Kundenseite, bestens vorbereitet zu begegnen. Die wichtigsten Punkte aus seiner Checkliste für den Umgang mit der Generation Y möchte ich hier aus persönlichem Interesse erneut hervorheben: Ein wertschätzendes Arbeitsklima, regelmässiges Feedback, eine offene Kommunikation und Chance zur Mitgestaltung helfen ungemein um meine Generation zu rekrutieren. Bietet Ihr Unternehmen dies bereits?

FÜHREN IN EINER NEUEN WIRKLICHKEIT
VON CARSTEN SUDHOFF

Auf die VUCA-Welt1 bezug nehmend geht auch Carsten Sudhoff, ehemaliger HR-Chef beim WEF, auf die Generation der Millenials, der Mitarbeiter und Kunden von Morgen ein. Er prangert die Selbstlimitierung von CEOs an, derer sich die Beteiligten bitte bewusst werden sollen, auch um sie zu überwinden. Denn auch Probleme delegieren bringt uns nicht weiter. Seine Erfahrungen aus dem Schritt in die Selbstständigkeit bereichern diesen Vortrag. Hier wird auch von ihm der Sinn in den Mittelpunkt gestellt, genau wie von den zu Beginn seines Vortrags erwähnten Millenials. Besonders interessant ist, dass Carsten Sudhoff erklärt, dass alles mit allem verbunden ist. Er belegt dies mit der Forschung zu Spiegelneuronen und Epigenetik und schliesst daraus die besondere Bedeutung von Kooperationen. Dabei ging es nicht bloss um die Kooperation von Unternehmen, sondern auch um die Kooperation der Generationen, wobei er kurz auf das Konzept des reverse mentoring einging. Hier coacht der Junior den Senior in den Themengebieten die “jung” besser kann als “alt”, beispielsweise um den Herausforderungen der digitalen Ära besser entgegen zu treten.

DISKUSSIONS- & PRAXISFOREN

In Ermangelung eines Zeitumkehrers können hier nur Einblicke in zwei der Diskussions- & Praxisforen geboten werden. Aus Gesprächen mit anderen Teilnehmern ist zu entnehmen, dass auch der dritte Austausch sehr gut gefallen hat.

AUSTAUSCH ÜBER DAS FÜHREN IN EINER NEUEN WIRKLICHKEIT

MIT CARSTEN SUDHOFF
In diesem Austausch wurden noch kurz die Themen aus dem Vortrag Sudhoffs vertieft. Danach ging es hauptsächlich um die Praxiserfahrungen der Teilnehmer zum Thema neues Arbeiten und die Frage, was davon funktioniert. Carsten Sudhoff hat dies sehr angenehm von Stärken und Schwächen in der Führung über Hindernisse hin zu Möglichkeiten moderiert und jeden Punkt mit Geschichten aus seinem Erfahrungsschatz bereichert. Seine Auseinandersetzung mit dem Thema als Verantwortlicher des Councils “New Models of Leadership” beim WEF hatte diesen zuvor ausserordentlich bereichert.

AUSTAUSCH ÜBER DAS ERREICHEN MENTALER HÖCHSTLEISTUNG

MIT MYRIAM LOCHER
Zur Einführung bot Myriam Locher weitere Einblicke in ihr Leben und liess auch die Geschichte ihres Scheiterns nicht aus, was es den Teilnehmern sichtlich erleichterte später auch mehr von sich preiszugeben. Die Macht der Sprache wurde wieder und wieder betont, während der 90 Tage währende Prozess der Einführung neuer Gewohnheiten erneut erklärt wurde. Die Notwendigkeit der Begleitung in diesem Prozess sowie der Weg eines Gedanken über ein Gefühl hin zu Aktionen und Resultaten wurde anhand von praktischen Fragen der Teilnehmer plastisch erklärt. Erstaunlich waren die Schwierigkeiten Gefühle wie Angst, Trauer, Zweifel, Wut und Schuld analytisch zu betrachten und zu benennen.

DAS FÜHRUNGSKONZEPT DER ZUKUNFT: PROFIT & MENSCHLICHKEIT
VON PROF. DR. PETER WARSCHAWSKI

Herr Warschawski, seines Zeichens eine Art Guru unter den Coaches und Rednern und auf jeden Fall ein altehrwürdiges Vorbild erzählte über das Führungskonzept der Zukunft. Er erzählte dabei von einer Frau, die ihn auf seinem Flug in die Schweiz im Rollstuhl über das Flughafengelände gefahren hat und von ihrer offenkundigen Freude an der Arbeit. Ebenso erzählt er von einer Erinnerung aus seiner Kindheit, in der sein Vater eine unfreundliche Bedienung im Restaurant erstaunt fragt, ob sie denn keine Freude an ihrer Arbeit habe. Schon früh in seinem Leben konnte Herr Warschawski Freude an der Arbeit als notwendigen Bestandteil guter Arbeit ausmachen und dies bereits in zahllosen Coachings an erfolgreiche Unternehmer vermitteln. Dabei prägte er den Begriff des visionsgeführten Unternehmens.

Seiner Meinung nach werden nur visionsgeführte Unternehmen einen nachhaltigen Platz am Markt einnehmen. Diese sieht er im Kontrast zu hierarchisch strukturierten Unternehmen. Menschlichkeit und Profit müssen dabei auf einer Ebene stehen, denn die Menschlichkeit erhält den Profit, und der Profit ermöglicht die Menschlichkeit. Der Mensch möchte sich als das einbringen, was er ist. Wenn er das tun kann, was er gern tut und damit das Unternehmen voran bringen kann ist allen geholfen. Nicht aus dem Müssen, sondern aus dem Wollen heraus Dinge zu tun predigt er. Und schliesslich noch ein Hinweis: Menschen wollen positives erleben, da sie im tiefsten positiv sind.

FAZIT

Führungskräften fehlt es fast immer an einem: An Zeit. Beim Leadership Forum haben sie die Möglichkeit an einem Tag gesammelte, sehr hochwertige Vorträge zu hören und sich dabei mit Gleichgesinnten über die neu vernommenen Gedanken auszutauschen. Alle Redner sind mit Bedacht ausgewählt und stehen tendenziell auch nach den Vorträgen noch für weitere Fragen in den Pausen zur Verfügung. Als eine solche Führungskraft würde ich jedes Jahr zumindest einmal versuchen mir diesen einen Tag beim ZfU zu ermöglichen um bei hochwertigen Inhalten eine kleine Pause des Alltagsgeschäft zu erhalten und mich mit wichtigen Themen auseinander zu setzen. Dies kommt schließlich dem geführten Personal und damit dem Unternehmen zugute. Das nächste Leadership Symposium findet am 28.11.2018 statt und ich hoffe sehr erneut dabei zu sein.

FRAGEN

1. Was macht Leidenschaft der Mitarbeiter aus?
2. Wie entziffert man Unternehmenskulturen?
3. Wie erreicht man mentale Höchstleistung in Zeiten beschleunigten Wandels?
4. Was erwarten junge Generationen vom Beruf?
5. Wie sollte man in unserer neuen Wirklichkeit führen?
6. Wie vereint man Profit und Menschlichkeit?

FEEDBACK

Die geringen Vorgaben in den Diskussionsforen haben einen guten Austausch der Teilnehmer ermöglicht, sodass ein breiter gefächertes Wissen aufgeboten wurde. Vielen Dank dafür. Dem Zielpublikum angepasst gab es erneut ausschliesslich fleischhaltige Hauptgerichte, was in Zukunft einem wachsenden Teil des Publikums nicht mehr genügen wird. Aber ein paar Jahre wird es wohl noch brauchen bis die ganzheitlichen Lehren der Vorträge bis zu den Essgewohnheiten vordringen. Anhand der Kleinigkeiten, die ich zum nächsten Jahr ändern würde zeichnet sich deutlich ab, dass fast alles sehr stimmig und zu empfehlen war.

1 VUCA steht für Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity. Der Begriff wurde vom amerikanischen Militär geprägt und steht für die vielschichtigen Herausforderungen der heutigen Zeit.