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26.10.2017

ZfU Resilienz Tagung 2017: Die Kraft innerer Stärke

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Am 22. September 2017 lud die ZfU International Business School zur dritten Resilienz-Tagung nach Rüschlikon. Die Teilnehmer erfuhren von erstklassigen Rednern was Resilienz ist, wie man selbst Resilienz entwickelt und wie man lernt an schwierigen Situationen zu wachsen.

Ein Bericht von Annika Vogel, Studentin der Psychologie FSU Jena

Nach einer freundlichen Begrüssung durch die Verantwortliche, Frau Manuela Palla, konnte die und offenherzige Teilnehmergruppe als erstes dem Vortrag von Prof. Dr. J. Bauer beiwohnen.

Grossartiger Forscher und Persönlichkeit zugleich nahm er uns mit auf eine wissenschaftliche Reise zum Thema Selbst, Selbststeuerung und die Wiederentdeckung des freien Willens. Beginnend mit Bezug auf Viktor Frankl, welcher vertrat, dass zwischen Reiz und Reaktion ein gewisser Raum besteht, in welchem wir uns aktiv entscheiden können, lenkte Prof. Bauer seine Worte hin zu Aspekten, welchen diesen Raum heutzutage einzuschränken drohen.

Danach führte er uns in die Neurobiologie des „Selbst“ ein und erläuterte zwei Experimente, welche eine Lokalisation von „Selbst“-Strukturen sowie von Selbststeuerungsstrukturen zulassen. In diesem Abschnitt erklärte er uns zusätzlich seine Definition von Selbstfürsorge. Dabei war er stets darauf bedacht, Wissenschaft und seine Ansichten als solche zu kennzeichnen. Prof. Bauer führte uns weiter zum Phänomen der Genaktivierung, um zu zeigen, dass aus Psychologie tatsächlich Biologie werden kann. Seine wissenschaftlichen Ausführungen unterlegte Professor Bauer jeweils durch anwendungsbezogene Beispiele. Dadurch bannte er die Teilnehmer trotz zwischenzeitlich wissenschaftlich recht hohem Anspruch und schaffte es zu jedem Zeitpunkt, die Brücke zur Audienz zu schaffen. Gedanken der Teilnehmenden ließ er ausreichend Platz und versuchte eine möglichst weitgefächerte und objektive Antwort zu finden. Der Konsens seines Vortrages: Wir sollten uns selbst wie ein Kind behandeln, fürsorglich. Das Glück liegt nicht in Askese und Entsagung, es geht um Gesundheit und Balance!

Danach folgte Zeit mit Sensei Steiner. Er hatte am Morgen und am Vortag bereits meditative Angebote gestaltet und hielt nun einen Vortrag zum Thema Achtsamkeit. Achtsamkeit bedeute, zu 100% einfach „zu sein“, ohne zu bewerten. Er vollführte einige psychologische Experimente mit uns, die uns vor Augen führten, wie leicht wir getäuscht werden können und vor allem, wie konditioniert wir sind. Dadurch, dass er immer wieder psychologische Studien anmerkte und diese wirklich unterhaltsam berichtete, wahrte er den wissenschaftlichen Charakter des Tages auf einfach Art und Weise, ohne auch nur eine Notiz zu verwenden.

Einen Vortrag zu Achtsamkeit erwartet, unterhielt Sensei Steiner die Teilnehmer eher und führte uns in die Gedankenwelt der Menschheit ein und veranschaulichte das durch eingängige Beispiele. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie sind auf einem See rudern und Ihnen fährt ein anderes Boot in die Seite. Wahrscheinlich würden Sie sich hinwenden und 5 Minuten mehr oder weniger lautstark erklären, was das soll und was für ein unvorsichtiger Mensch derjenige doch ist. Die Frage ist, würden Sie auch ein leeres Boot 5 min. lang anschreien? Sobald ein Mensch im Spiel ist, rechnen wir ihm eine böse Absicht zu. Ein wirklich talentierter Redner, welcher ebenfalls persönliche Erfahrungen in seinen Vortrag einflocht, ohne störend subjektiv zu wirken.

Als letzten Redner durften wir dann Herrn Erwin Thomas begrüssen. Holzunternehmer, eigentlich ausgebildeter Förster. Einst jüngster Förster Österreichs, heute Baumeister des höchsten, rein aus Holz gebauten Hochhauses. Was macht so jemand auf einer Resilienztagung? Wer am Anfang vielleicht noch Zweifel hatte, konnte nicht ahnen, dass jemand zwei Stunden lang über seine Erfahrungen erzählen könnte, ohne dass es auch nur einer Person im Raum langweilig werden würde. Nach seinen Ausführungen fragte ich mich, ob Erfahrung die verlässlichste Wissenschaft ist.

Einen großen Teil seiner Redezeit nahm die Wertschätzung seines Grossvaters ein, welcher von Bäumen wesentlich mehr wusste, als alle Studenten der Forstwissenschaft zusammen. Mit vielen Lebensgeschichten und Erfahrungen verdeutlichte uns Herr Thomas, dass der Mensch teils auf die unnatürlichste Art und Weise mit der Natur umgeht, als dass er versucht, von ihr zu lernen. In der Natur heisst es immer: Üppig geben, erst dann etwas nehmen. Die Erkenntnis dieses Prinzips sollte ihn dazu bewegen, all das kostbare Wissen über Bäume zu publizieren und nicht für sich zu behalten und – es nicht zu bereuen. Neben seiner naturverbundenen Art überzeugte Erwin Thomas durch eine angenehme und heitere Erzählweise. Einige seiner Gedanken möchte ich kurz zusammenfassen:

  1. Es gibt keinen Krieg, der nicht um Rohstoffe geht, dabei sollte die Wirtschaft „einfach“ umdenken: in eine Kreislaufwirtschaft. Dann passt alles.
  2. Wir denken uns zu viel akademisch aus. (Bei diesem Punkt begann mein Kopf automatisch intensiv zu nicken)
  3. Es geht um Ganzheitlichkeit. Das heisst für den Menschen, dass Körper und Geist gefüttert werden müssen. Doch die Wissenschaft von heute ist in eine Sackgasse gefahren und zum seelenlosesten Ding der Erde aufgestiegen.
  4. Menschen sollten das tun, was sie gut können.
  5. In der Natur ist nichts kompliziert.
  6. Unser Bildungssystem ist von allen guten Geistern verlassen. Holen wir uns selbst aus der Hirnkrise.

Ein wirklich sehr inspirierender Tag war zu Ende gegangen. Zu einem Thema, was den Entwicklungsverlauf der letzten Jahre betrachtend als „Hype“ bezeichnet werden könnte. Doch die Dozenten und ihre unterschiedlichen Hintergründe zeigten, wie vielschichtig und komplex das Thema auf der einen und wie simpel auf der anderen Seite es ist.
Teilnehmernah, freundlich und inspirierend, so würde ich die Erfahrung an diesem Tag mit drei Worten in diesem Bericht abschliessen.