06.11.2025

Einfach mehr Druck machen und alle rennen schneller? Warum das eine Illusion ist.

«Wer rennt, wird belohnt – wer bummelt, blickt unsicheren Tagen entgegen.» Mit dieser Botschaft wird Nestlé-Schweiz-Chef Philipp Navratil in der Handelszeitung* präsentiert. Leistung soll sich lohnen – das klingt zunächst nachvollziehbar. Doch die Frage ist: Wie entsteht echte Leistungsbereitschaft: durch Druck oder durch Sinn, Vertrauen und Selbstverantwortung?

In wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten ist es verlockend, auf Tempo, Effizienz und Leistung zu setzen. Die Botschaft vieler Führungskräfte lautet sinngemäss: Mehr Einsatz, weniger Zögern, dann kommen wir voran. Doch die moderne Führungsforschung zeigt klar: Dauerhafter Druck führt selten zu nachhaltiger Leistung.

Warum Druck nur kurzfristig wirkt

Kurzfristig kann ein erhöhter Leistungsdruck tatsächlich Bewegung erzeugen. Menschen reagieren auf Angst, etwa vor Jobverlust oder schlechter Bewertung, mit Aktionismus. Doch dieser Effekt ist flüchtig. Was bleibt, ist oft Erschöpfung, innere Distanz und eine sinkende Identifikation mit der Arbeit. Psychologisch betrachtet aktiviert Druck das Stresssystem – aber kein echtes Engagement.

Was Menschen wirklich antreibt

Leistung entsteht dort, wo Menschen Vertrauen, Sinn und Entwicklungsmöglichkeiten erleben. Studien zeigen: Teams, die sich sicher fühlen, Fehler offen ansprechen dürfen und sich gegenseitig unterstützen, sind kreativer, schneller und resilienter.
Führung bedeutet daher nicht, Angst zu erzeugen, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Motivation wachsen kann. Das geschieht durch echte Beteiligung, klare Kommunikation und ein authentisches Vorbild an der Spitze.

Authentische Führung statt Angstkultur

Gerade in Umbruchzeiten brauchen Mitarbeitende Führungspersönlichkeiten, die Orientierung geben, ohne Kontrolle zu überziehen. Authentizität bedeutet, klar in den Erwartungen zu sein, aber auch empathisch mit Unsicherheiten umzugehen. Druck ersetzt keine Führung – Vertrauen schon.

Teams, die wachsen dürfen

Teams entwickeln sich nicht durch Druck, sondern durch gegenseitiges Vertrauen, geteilte Verantwortung und psychologische Sicherheit. Wer das zulässt, fördert Eigeninitiative und Selbstwirksamkeit. Dies sind die wahren Treiber von Leistung und Innovation.

«Wer rennt, wird belohnt» mag kurzfristig motivieren. Doch wer dauerhaft erfolgreich führen will, setzt nicht auf Angst, sondern auf Sinn, Vertrauen und eine Kultur des Lernens. Nur so entsteht Leistung, die trägt – für Menschen und Unternehmen.

Autorin: Judith von Rotz, CEO ZfU

*Link zum Text der Handelszeitung

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