Unternehmensnachfolge im KMU: Wenn der Zeitpunkt zum kritischen Faktor wird
Die Parteien stehen bei Unternehmenstransaktionen im KMU-Umfeld regelmässig vor besonderen Herausforderungen, insbesondere wenn ältere Inhaber den Übergabeprozess lange hinauszögern. In einigen laufenden Transaktionen zeigt sich, dass nicht fehlende Kaufinteressenten oder Marktbedingungen das grösste Hindernis darstellen, sondern der Zeitpunkt der Nachfolgeregelung. Dieser Beitrag soll dafür sensibilisieren, die Übergabe des eigenen Unternehmens rechtzeitig, strukturiert und bewusst anzugehen.
Ein erfolgreicher Nachfolgeprozess beginnt nicht erst mit der Käufersuche. Entscheidend ist, dass Start und Ende des Übergabeprozesses frühzeitig festgelegt werden, idealerweise gemeinsam mit einem externen und unbefangenen Berater. Klare Zielsetzungen, ein realistischer Zeitplan und definierte Meilensteine schaffen Orientierung und Verbindlichkeit. So wird die Übergabe geplant und gestaltet und erfolgt nicht unter Zeitdruck oder mit gesundheitlichen Einschränkungen. Erfahrungsgemäss verläuft eine frühzeitig begonnene Nachfolge deutlich erfolgreicher und ist mit wesentlich weniger Sorgen, Konflikten und einseitigen Zugeständnissen verbunden.
In der Praxis zeigt sich jedoch häufig eine ausgeprägte kognitive Dissonanz. Viele Unternehmer wollen nicht wahrhaben, dass auch langjährige Schlüsselmitarbeiter nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen oder deren und ihre eigene Leistungsfähigkeit mit der Zeit abnimmt. Gleichzeitig wird unterschätzt, dass fehlende Energie, nachlassende Innovationskraft und aufgeschobene Investitionen den Unternehmenswert schleichend, aber nachhaltig mindern. Der Markt erkennt diese Entwicklungen meist früher als der Inhaber selbst.
Ohne einen psychologischen Exkurs zu beabsichtigen, stellt sich immer wieder die Frage nach den Ursachen dieses Hinauszögerns. Besteht die Angst, trotz ausreichendem Vermögen nicht genug zum Leben zu haben? Hängt es stärker mit der eigenen Endlichkeit und dem Verlust von Identität und Einfluss zusammen? Oder wird der Verkaufspreis als eine Art Abschlusszeugnis des eigenen unternehmerischen Wirkens verstanden, an dem sich der Erfolg eines ganzen Lebens messen lassen soll? Oder ist es letztlich einfach der Drang, immer mehr zu wollen? Diese Fragestellungen wären eine spannende Grundlage für weiterführende Auswertungen und könnten entlang der Zeitachse für künftige Nachfolgeregelungen wertvolle Erkenntnisse liefern.
Fest steht: Wer die Übergabe seines Unternehmens als Prozess versteht und nicht als einmaliges Ereignis, erhöht die Chancen auf Kontinuität, Werterhalt und persönliche Zufriedenheit erheblich. Rechtzeitig zu beginnen, bedeutet nicht sich frühzeitig zu verabschieden, sondern Verantwortung zu übernehmen – für das Unternehmen, die Mitarbeitenden, die Lieferanten, die Kunden und nicht zuletzt für sich selbst.
Autor: Paul Monn, Trown Partners AG / Referent am ZfU


