Vom Wissen zum Können – warum Lernen im Austausch wichtiger ist denn je
Wir leben in einer Zeit des nahezu unbegrenzten Wissenszugangs. Dank Künstlicher Intelligenz, digitaler Plattformen und globaler Vernetzung lässt sich Wissen in Sekunden abrufen. Der globale Zugang zu Wissen ist so hoch wie nie zuvor. Und doch zeigt sich immer deutlicher: Mehr Wissen allein macht uns nicht automatisch handlungsfähiger.
Wissen ist verfügbar – Können ist entscheidend
Wissen ist die Grundlage. Doch in seiner rein theoretischen Form bleibt es wirkungslos. Erst wenn Wissen angewendet wird, entsteht Können: die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen, Bestehendes zu verbessern und Neues zu entwickeln.
Führungskräfte und Fachspezialist:innen erleben diese Diskrepanz täglich. Strategien sind bekannt, Modelle verstanden, Methoden erlernt und dennoch scheitert die Umsetzung an der Komplexität der Realität. Denn diese lässt sich nicht vollständig aus Büchern, Slides oder Algorithmen lernen.
Die Zukunft gehört der Könnenskultur
Wir bewegen uns immer mehr weg von einer reinen Wissenskultur hin zu einer Könnenskultur. In ihr zählt nicht, was man weiss, sondern was man daraus macht. Diese Verschiebung ist kein technischer, sondern ein zutiefst menschlicher Prozess.
Können entsteht dort, wo Menschen:
- Wissen in konkreten Kontexten anwenden
- Erfahrungen reflektieren
- Fehler machen und daraus lernen
- Perspektiven austauschen
- gemeinsam Lösungen entwickeln
Genau hier gewinnt klassisches Lernen im Austausch mit anderen wieder an Bedeutung. Dies nicht als Rückschritt, sondern als notwendige Ergänzung zur digitalen Wissensverfügbarkeit.
Lernen braucht Resonanz, nicht nur Information
KI kann Informationen liefern, Zusammenfassungen erstellen und Denkanstösse geben. Was sie nicht ersetzen kann, ist die Resonanz zwischen Menschen: das Hinterfragen, das Einordnen, das gemeinsame Ringen um tragfähige Lösungen.
Angesichts grosser Herausforderungen – wirtschaftlich, gesellschaftlich, organisatorisch – sind Erfahrung, Dialog und kollektives Lernen entscheidend. Unterschiedliche Sichtweisen, gelebte Praxis und reflektierte Erfahrung schaffen eine Tiefe, die reines Selbststudium nicht erreicht.
Erfahrung wird im Austausch wertvoll
Erfahrungswissen entfaltet seinen Wert erst, wenn es geteilt, gespiegelt und weiterentwickelt wird. Im Dialog mit anderen Führungskräften und Expert:innen entstehen neue Einsichten, die über das eigene Denken hinausgehen.
Lernen wird so zu einem aktiven Prozess:
- vom Verstehen zum Umsetzen
- vom Individuum zur Gemeinschaft
- vom Wissen zum Können
Fazit: Wissen skaliert – Können entsteht im Miteinander
In einer Welt, in der Wissen fast jederzeit und überall verfügbar ist, ist die Fähigkeit, dieses Wissen wirksam zu nutzen, der entscheidende Erfolgsfaktor. Der Transfer von Wissen in Können gelingt nicht im Alleingang, sondern im Austausch, in der Reflexion und im gemeinsamen Lernen.
Nicht Wissen macht den Unterschied, sondern die Fähigkeit, es gemeinsam in Handeln zu übersetzen. Genau darin liegt die Kompetenz der Zukunft.
Autorin Judith von Rotz, CEO ZfU


